Großrinderfeld

Staatssekretärin Friedlinde Gurr-Hirsch unter den Besuchern Feldtag in Großrinderfeld zur Bodenaufbereitung und mechanischen Unkrautbekämpfung

Neue Wege im Ackerbau sollen beschritten werden

Großrinderfeld.Mit neuen Wegen im Ackerbau ohne den Einsatz von Glyphosat setzte sich der Feldtag zur Stoppelbearbeitung in Großrinderfeld auseinander. Dass die Bundesregierung zeitgleich an den Tag ihren Beschluss zum schrittweisen Verbot und dem endgültigen Aus des Unkrautvernichters bis Ende 2023 fällt, ahnten die Veranstalter vorab nicht.

Bei der gemeinsamen Veranstaltung des Landwirtschaftsamtes im Main-Tauber-Kreis und des Bioland-Landesverbandes wurden 15 Maschinen bei der Stoppelbearbeitung auf einem abgeernteten Sommergerstenfeld und beim Umbruch eines dreijährigen Luzernebestandes im Einsatz vorgeführt.

400 Feldtagsbesucher

Nahezu 400 Feldtagsbesucher verglichen im Feld die Arbeitsqualität der Geräte zur Bodenbearbeitung. Unter den Besuchern war auch Friedlinde Gurr-Hirsch, CDU-Landtagsabgeordnete und Staatssekretärin im Ministerium Ländlicher Raum, die sich über das große Interesse der Landwirte freute.

Vorab gab es Informationen zum aktuellen Stand der Glyphosat-Zulassung, zu ersten Praxiserfahrungen im Ackerbau ohne Glyphosat und zur mechanischen Unkrautregulierung im Biolandbau. Nach den Worten von Meinhard Stärkel, dem Leiter der Bad Mergentheimer Landwirtschaftsamtes, sollte die Gemeinschaftsveranstaltung auch zum gegenseitigen Lernen genutzt werden.

Zum derzeitigen Stand der Glyphosat-Zulassung berichtete Dr. Friedrich Merz vom Stuttgarter Regierungspräsidium. Nach der nationale Neubewertung und werde wohl erst zum 15. Dezember diesen Jahres feststehen, wie es mit der er Anwendung von Glyphosat in Deutschland weitergeht. Laut Dr. Merze werden Beschränkungen für die Anwendung im Haus- und Kleingarten und öffentlichen Anlagen erwartet. Für die Landwirtschaft sei der weitere Umfang der Glyphosat-Zulassung noch ungewiss.

Für verantwortungsvollen Umgang

Den Landwirten empfahl der Pflanzenschutzexperte daher, weiterhin den verantwortungsvollen Umgang mit dem Wirkstoff und nach Möglichkeiten zu suchen, die Anwendungen zu minimieren und unabhängig davon die Biodiversität und Artenvielfalt zu fördern. Um Wege für alternative Systeme zur Unkrautbeseitigung zu finden, sollte auch der Feldtag in Großrinderfeld dienen.

Ackerbauberater Frank Käufler, der selbst Landwirt ist und in Nordhessen einen Hof bewirtschaftet, konstatierte ein Ackerbausystem, das instabil geworden ist. Zur Ausgangslage: sagte er: „Wir haben in vielen Kulturen sinkende Erträge, massiv steigende Kosten und eine wahnsinnige Informationsflut. Wir brauchen deshalb mehr Ackerbau 1.0 statt Smart Farming 4.0 und Strategien, um mit dieser Sachlage klar zu kommen.“

Für den Berater steht fest, dass langfristig das vielfältige Anbausystem am nachhaltigsten sein wird. Allein Weizen, Silomais und Gerste decken zwei Dritte der gesamten Ackerbaufläche Deutschlands ab, was zu viel sei. Das in Hessen und Nordrhein-Westfalen gewährte Förderprogramm „Vielfältige Fruchtfolge“ nannte Käufler beispielhaft. Mit1000 Euro/ha (Hessen) könnten rindviehhaltende Betriebe zum Bespiel den vollen Nutzen aus der Verwertung von Ackerbohnen und deren ackerbaulichen Vorteilen (Sommerung/Blattfrucht) ziehen. Förderbedingung sei, zehn Prozent der Fläche mit Ackerbohnen zu bestellen.

Mit Blick auf die künftige Stoppelbearbeitung ohne Glyphosat würden Maschinen benötigt, die heute noch gar nicht verfügbar sind. Für sehr wichtig hält der Ackerbauexperte hierbei die Tatsache, dass 90 Prozent der Unkraut- bzw. Ungräsersamen im Bereich von null bis fünf Zentimeter keimen.

Die eizuhaltende Arbeitstiefe von fünf Zentimeter war bei der Maschinenvorführung in Großrinderfeld daher die Vorgabe, um das Augenmerk auf jener Technik zu lenken, die diesen Anspruch erfüllen kann. Die Mehrkosten der Stoppelbearbeitung ohne den Einsatz von Glyphosat werden auf 100 bis 130 Euro/ha veranschlagt.

Nach einer Umfrage unter Landwirten wird davon ausgegangen, dass dazu zwei Überfahrten mehr als zuvor erforderlich sind und die Arbeitstiefe um zehn Zentimeter erhöht werden muss.

Nicht auf allen Flächen möglich

Den großen Nachteil intensiverer Bodenbearbeitung infolge eines Verbots von Glyphosat sieht Käufler in der steigenden Bodenerosion in Hang- und Steillagen. Mulchsaat sei deshalb nicht auf allen Flächen möglich. Auch die Nährstoffverlagerung werde zunehmen und der Boden durch einen massiven Anstieg der Verdunstungsrate trocken gelegt.

Bei der Unkrautregulierung im Ökoanbau geht es nicht allein um Striegeln und Hacken. Wie Bioland-Berater Jonathan Kern hervorhob, müsse man sich um den gesamten Komplex Gedanken machen. Das Unkrautmanagement bestehe aus sechs Säulen, wobei eine ausbalancierte Fruchtfolge das A und O bildet. Zusammen mit einem guten Kleegrasmanagement, das für Ökobetriebe grundlegende Bedeutung hat, seien bereits 80 Prozent der Hausaufgaben erledigt. Zu den weiteren Säulen zählt Kern den Zwischenfruchtanbau, die Sortenwahl, die mechanische Unkrautregulierung und die Bodenbearbeitung. bern