Großrinderfeld

Nachkommen leben noch in Großrinderfeld Johann Lang heiratete als kaiserlicher Soldat in Lothringen Anna Guisse / 1919 wechselte die Familie ins Badische

Eine filmreife Geschichte erlebt

Archivartikel

„Wo die Liebe hinfällt“ ist der Titel eines US-Films von 2005. Dieses Motto trifft auch anderweitig zu.

Großrinderfeld. Vor mehr als 100 Jahren hat der Wehrmann (Soldat) Johann Lang vom Landsturm-Instandsetzungsbataillion III in Mosbach aus der 14. Kompanie, geboren in Großrinderfeld/Baden, ebenfalls eine filmreife Geschichte erlebt.

1875 in Großrinderfeld geboren, hat er seinen zweijährigen Wehrdienst in der kaiserlichen Armee um 1895/96 abgeleistet. Die übliche Fotografie als Erinnerung für die Militärzeit wurde in Mannheim aufgenommen. Im Ersten Weltkrieg wurde er dann sehr bald eingezogen.

Als älterer Soldat gehörte er dem Landsturm an. Leute seines Alters wurden nicht direkt in vorderster Frontlinie eingesetzt. Wie aus der Erzählung seiner noch lebenden Enkel Edmund und Julian hervorgeht, hat er mit dem Großrinderfelder Landsturmmann Johann Popp ein Pferdefuhrwerk mit einem Transportwagen für Verwundete gefahren. Sie mussten die Schwerverwundeten von den Hauptverbandsplätzen hinter der Front in weiter zurückliegende Lazarette transportieren. Dabei waren sie oft dem feindlichen Artilleriebeschuss ausgesetzt. Eingesetzt waren beide in der Gegend von Metz im Reichsland Elsass-Lothringen, das seit 1871 zum Deutschen Kaiserreich gehörte.

Spärliche Freizeit

In seiner bestimmt spärlich bemessenen Frei- und Urlaubszeit wurde auch Kontakt mit den jungen Damen aus umliegenden Dörfern aufgenommen. Einige von ihnen waren auch als Krankenschwestern in den Lazaretten eingesetzt.

Johann Lang lernte dabei Anna Guisse aus Insmingen kennen, die er 1915 dort heiratete. Die erste Tochter Josefine Lang wurde noch 1916 in Insmingen/Lothringen geboren. Nach dem verlorenen Ersten Weltkrieg musste Lothringen wieder an Frankreich abgetreten werden. Johann nahm seine Frau und Tochter mit nach Großrinderfeld, Kreis Tauberbischofsheim, Baden. Dort wurden die Tochter Thekla und die Söhne Edmund und Anton geboren.

Der Kontakt von Großrinderfeld in die alte Heimat Lothringen war kurz nach dem Ersten Weltkrieg schwierig und zuerst nur auf Briefe beschränkt. Erst später wurden dorthin wieder Besuche gemacht. Ab und zu kamen auch Verwandte aus Lothringen nach Großrinderfeld. Die Eltern der vier Kinder starben relativ früh, Johann Lang 1937, seine Ehefrau Anna schon ein paar Jahre früher. Die Kinder wuchsen zusammen mit der Familie von Josefine auf.

1940 wurde Lothringen und somit auch Insmingen wieder dem Deutschen Reich eingegliedert. Die Besuche waren jetzt wieder leichter möglich. Ein Verwandter aus Insmingen lebte und arbeitete während des Zweiten Weltkrieges längere Zeit in Großrinderfeld. 1945 wurde Lothringen wieder Französisch. Es dauerte eine Weile bis die gegenseitigen Besuche wieder möglich waren, sie hielten bis in die 70er- und 80er-Jahre an.

Heute leben noch acht Enkel und 14 Urenkel von Anna Lang geb. Guisse direkt in Großrinderfeld, weitere Enkel und Urenkel leben in anderen Städten und Dörfern in Süddeutschland. Insmingen ist heute eine französische Gemeinde mit rund 600 Einwohnern im Département Moselle in der Region Grand Est. Sie gehört zum Arrondissement Sarrebourg-Château-Salins.