Großrinderfeld

Beim „Carbadge Run“ dabei Drei junge Gerchsheimer waren mit ihrem alten Auto rund 5000 Kilometer in Skandinavien unterwegs

Das Rennen der rüstigen Rostlauben

Archivartikel

Es ist kein ganz normales Autorennen, an dem drei junge Gerchsheimer teilgenommen haben. Mit ihrem Schrottauto wurden beim „Carbadge Run“ rund 5000 Kilometer zurückgelegt.

Gerchsheim. Eine Schrottauto-Rallye, die durch Südskandinavien führt. Für die drei Gerchsheimer Daniel Hellmann, Alexander Kraus und André Henneberger war es eine Riesengaudi. Gemeinsam haben sich die jungen Männer auf den rund 5000 Kilometer langen „Carbadge Run“ gemacht. Mit ihrem nicht mehr ganz so taufrischen Opel Astra ging es los.

Der „Carbadge Run“ wurde von ein paar findigen Holländern ins Leben gerufen. Der Name ist ein Wortspiel aus Car für Auto und Garbagde („Müll“). Gleichzeitig müssen aber noch knifflige Aufgaben gelöst werden. Wer aus diesen Spielen die meisten Punkte sammelt, holt sich den Sieg. Bewertet wird aber ebenso die Kreativität der Teilnehmer bei ihrem Gefährt. Je bunter und ausgefallener, desto besser.

Das dachten sich auch die drei 24-Jährigen, die den Opel noch etwas „verschönert“ haben. Zunächst wurde der alte Lack abgeschliffen, der Wagen sollte Rost ansetzen. Zur Zierde wurde noch ein Bundeswehrhelm auf die Motorhaube geschweißt und das Dach mit Kunstrasen und Schaffell geschmückt.

So machte sich die Gruppe auf den Weg in Richtung Kopenhagen, dem Startpunkt des Rennens. „Ohne Klimaanlage und mit nur 75 PS war schon die Anfahrt sehr schweißtreibend“, sagt Henneberger. Aber für ihr „Low-Budget-Auto“ haben die drei Rennfahrer einiges in Kauf genommen. Und vom Schlafsack bis zum Essen hatten sie alles dabei. Selbst eine Flex und ein Stromaggregat waren im Gepäck.

Stinkefisch und Knäckebrot

Rund 450 Teams mit Autoverrückten, vor allem ältere Semester aus Deutschland, waren am Start. Dem Beginn dieses Rostlaubenrennens wurde entgegen gefiebert. Und auch den täglichen Aufgaben. Auf den Strecken galt es, so manche Herausforderung zu meistern. Eine war, einem Teammitglied die Haare schwedisch-blond zu färben. Also hielten die drei am nächstbesten Supermarkt, kauften Färbemittel und legten am Straßenrand sofort los. „Leider war das Ergebnis nicht so wie gewünscht“, sagt Alexander Kraus, der diese Prozedur über sich hat ergehen lassen. Statt Blond befand die Wertungsjury die Haarfarbe als Rot oder Orange. Damit gab es keine Punkte. Und auch die Jagd nach der Original-Ikea-Kleidung blieb für sie erfolglos. „Das hat nur einer geschafft“, so Kraus. Denn die Kleidung sei nicht zu kaufen gewesen.

Spaßig fanden die drei Jungs die „Knäckebrot“-Aufgabe. Es sollte das größte Knäckebrot gebacken werden. Findige Teilnehmer hatten mit zwei Schubkarren über einem Feuer ihre Scheibe hergestellt. Punkte einheimsen konnten die Freunde bei der Aufgabe, eine Schwedin zu finden, die ihren Wagen zehn Meter weit ziehen sollte. Die Verkäuferin einer Bäckerei haben sie schließlich doch dazu überredet.

Nicht ganz so lustig war der „Surströmming“. „Dieser Stinkefisch war echt eklig und hat bei jedem sofort einen Würgereiz hervorgerufen“, so Kraus. „Das wollte wirklich keiner essen“, ergänzt Hellmann. Normalerweise werde der Dosenfisch unter fließendem Wasser geöffnet und sofort gründlich gespült. Diese Möglichkeit hatten die Teilnehmer allerdings nicht.

Pausen für Fotostopps

Weil auf den bis zu zehnstündigen Tagesetappen – gerechnet war die reine Fahrzeit ohne Pausen oder Wartezeiten auf Fähren – schon am ersten Tag die Punkte fehlten, haben sich die Gerchsheimer mehr auf den Spaßfaktor der Tour verlegt. „Wir kamen eh nicht mehr aufs Siegertreppchen, da ließ die Motivation für die Aufgaben nach“, so Henneberger. Nicht aber für die Schönheit der Region. Über Kopenhagen und Malmö in Schweden ging es Richtung Trondheim in Norwegen. Über die Küste bei Kristiansund führte die Tour Richtung Lillehammer und Oslo bis kurz vor Göteborg.

Höhepunkte waren für sie die Passstraße Trollstigen mit den Haarnadelkurven, die weiten Wälder, die vielen Seen und die Rentiere am Wegesrand. Immer wieder haben sie Pausen für Fotostopps eingelegt. „Für die grandiose Landschaft hat sich die Tour schon gelohnt – obwohl es keine Erholung war.“ Und sie würden es wieder machen, sind sie sich einig. Auch wenn sie mitten im Sommer bei zwei Grad plus im Zelt geschlafen haben. „Geduscht“ wurde auch schon mal in einem See.

Entstanden ist die Idee, bei diesem ungewöhnlichen Rennen mitzumachen, bei einer Cabrio-Tour durch Südtirol. Damals hatten André Henneberger und Alexander Kraus Teilnehmer getroffen. Nach intensiver Recherche im Internet und einem gemeinsamen Urlaub stand für sieund Daniel Hellmann fest: „Wir machen mit.“

Die Hürde sei eher der Wagen gewesen, der laut Reglement mindestens 20 Jahre alt sein musste, aber nicht mehr als 500 Euro kosten durfte. Bei einem Feuerwehrkameraden wurden die Drei fündig. Dessen Arbeitskollege wollte einen 21-jährigen Astra für „eine dreistellige Summe“ verkaufen. Und die Gerchsheimer schlugen zu – zumal das Auto noch vollgetankt war.

„Wir sind froh, dass der Wagen die ganze Woche durchgehalten hat“, strahlen sie – trotz der vielen Schotterpisten auf den rund 5000 Kilometern. Für Alexander Kraus steht fest: Er will beim nächsten Lauf wieder mit dabei sein. Zunächst steht im Winter ein weiteres Rennen der Rostlauben in den Alpen und den Dolomiten an. Von Luxemburg geht es über Frankreich, Schweiz, Österreich, Italien nach Slowenien und Kroatien. Das Team von Alexander Kraus steht bereits und fiebert dem Start entgegen.