Großrinderfeld

Ländlicher Raum Großrinderfelds Altbürgermeister Manfred Weis will mit von ihm entwickelten System zur Belebung von Dorfkernen beitragen

Das Leben auf dem Land soll attraktiv sein

Archivartikel

Großrinderfelds ehemaliger Bürgermeister Manfred Weis hat ein System zur Belebung von dahinsiechenden Dorfkernen entwickelt.

Großrinderfeld. Wichtige Grundpfeiler zur Erhaltung eines Dorflebens sind die Sicherung der Nahversorgung und die Neubelebung der Dorfgastronomie mit neuen Ideen und Ansätzen als örtliche Kommunikations- und Kulturstätte im Dorfkern. Seine jahrelange Tätigkeit als Bürgermeister sowie kommunaler Mitarbeiter in den Städten Würzburg und Bad Mergentheim mündet für Großrinderfelds Altbürgermeister Manfred Weis nun in eine Beratungsfirma, die ihre Dienste Privatpersonen und Betrieben vor Ort, aber auch Kommunen anbietet. Das Wichtigste dabei sei, dass hier grenzübergreifend gearbeitet wird. Seine guten Beziehungen zur Stadt Würzburg, aber auch in den Landkreis Würzburg und den Main-Tauber-Kreis helfen dabei.

„Unsere länderübergreifende Gegend hat durchaus mehr Chancen und Potenziale, als diese bisher genutzt werden“, ist Weis sich sicher. Der Main-Tauber-Kreis gehöre zwar politisch nach Heilbronn oder Stuttgart. Doch schon immer seien die Menschen in Richtung Würzburg orientiert gewesen. Die Regiopol Region Würzburg wolle sich nicht an Frankfurt oder Nürnberg anlehnen, sondern auch eigene Wege gehen. Doch das erfordere nicht nur viel Kraft und Energie, sondern auch Weitsicht über den jeweils eigenen Tellerrand hinaus.

Ein Vorteil von mehr und besserer Kooperation in den beiden Regionen Main- und Tauberfranken rund um Würzburg, Tauber sowie Teilen von Hohenlohe seien die gut ausgebauten Verkehrsachsen (beispielsweise B 19 und B 27) mit verschiedensten Hochschul- und Wirtschaftsstandorten. Es gelte, den Ländlichen Raum an diese Wirtschaftsachsen anzubinden.

Im Verdichtungsraum rund um das Oberzentrum Würzburg lebt es sich nach Meinung von Weis noch recht gut. Aber darüber hinaus werde es schwer für die Gemeinden, ein funktionierendes Dorfleben aufrecht zu erhalten. Viele Dörfer verlieren ihre Einwohner, die in die Stadt oder den Speckgürtel wegziehen. Mit seinem Ansatz will Weis diesen Trend umkehren und das Landleben wieder attraktiver machen. „Der Ländliche Raum muss eingebunden werden“, fordert er und nennt Beispiele, wie das gelingen könne. Vier Module sind es, die bei einem zufriedenen Leben im Ländlichen Raum nach seiner Meinung helfen können. Ein guter Mix von Wohnangeboten spielt dabei eine Rolle. Aber auch eine vorhandene Nahversorgung mit Gaststätte, Kulturveranstaltungen und einem Dorfladen seien Grundvoraussetzung. Darüber hinaus sollten medizinische und Gesundheitsleistungen vorhanden sein.

Die neue Dorfmitte sollte vom Interesse und dem Engagement der Bürger mitgetragen werden. Diese sollen in einer Bürger- und Ideenwerkstatt in Kooperation mit der Kommune örtliche Projekte anstoßen sowie deren Umsetzung und Betrieb etwa in Form einer Bürgergenossenschaft wirtschaftlich und eigenverantwortlich führen. Dies könnten zum Beispiel Kleinbetriebe der Nahversorgung in einem Dorf-Center, die Vermietung eines Geschäftshauses für medizinische Dienstleistungen oder die unternehmerische Beteiligung am Betrieb einer Freiland-Photovoltaikanlage ebenso sein wie der Aufbau einer Nahwärmeversorgung.

Wenn diese neue Mitte zumindest in Teilen von einer Bürger- und Ideenwerkstatt und deren Umsetzung von einem örtlichen Genossenschaftsprinzip mitgetragen werde, habe jeder Einwohner ein ureigenes Interesse an dem Erfolg des Ganzen, ist Weis überzeugt. Zwar könne sich nicht jeder gleichstark einbringen, aber im Rahmen seiner Möglichkeiten. Der frühere Bürgermeister sieht gute Erfolgschancen für ein System von Wohnen und Leben im Ländlichen Raum. „In vielen Gemeinden ist die Infrastruktur nicht mehr vorhanden, aber die gilt es wiederzubeleben“.

Rund um den Würzburger Speckgürtel kann sich Weis zusätzliche „Minizentren“ vorstellen. An einem Verkehrsknotenpunkt könne man mit einem großen „Park an Ride- Parkplatz“, der direkt an ein Einkaufszentrum anschließt, viele Pendler dazu bewegen, ihr Auto abzustellen und mit dem ÖPNV oder in Fahrgemeinschaften nach Würzburg weiterzufahren. Dies würde die stark belasteten Einfallsstraßen entlasten und die Wirtschaftskraft auf den Dörfern halten. Damit werde auch ein Beitrag zum Klimaschutz geleistet, ist sich Weis sicher. Klar ist ihm aber auch, dass viele Faktoren berücksichtigt werden müssen.

„Wichtig ist, die Bürger an ihre Gemeinde zu binden“, nennt Manfred Weis das oberste Ziel. Doch auch die Verwaltung selbst dürfe nicht außer Acht gelassen werden. „Wenn beide ihr Potenzial nutzen, haben alle etwas davon.“