Großrinderfeld

Himmelskunde Der Komet Neowise begeistert auch den Hobbyastronomen Uwe Schultheiß / Ab 18. Juli nah am Horizont zu sehen

„Besucher“ aus den Tiefen des Weltalls

Archivartikel

Hobbyastronom Uwe Schultheiß beobachtet sehr oft den Nachthimmel. Aktuell begeistert ihn der Komet Neowise, der sogar mit bloßem Auge bei klarem Himmel zu sehen ist.

Großrinderfeld. Nach dem eher enttäuschenden Zerfall des Kometen C/2019 Y4 Atlas und 20 Jahre nach dem Kometen Hale Bob, der die Erde „besuchte“, gibt es aktuell eine neue Chance, sich einen leuchtenden Himmelkörper mit bloßem Auge anzusehen. Der Komet C/2020 F3 (Neowise) ist in den vergangenen Tagen bereits mehrfach fotografiert worden. Jetzt gibt es eine allerletzte Chance, ihn in Deutschland zu sichten.

Annäherung an die Sonne

Während er bis vor kurzem noch am frühen Morgen zwischen 3 und 4 Uhr sichtbar war wie bei der Aufnahme von Uwe Schultheiß, ist er ab 18. Juli abends in nordöstlicher Richtung bei klarem Himmel ziemlich nah am Horizont zu sehen. Im Sternzeichen des Großen Wagen lässt er sich rechts bei den beiden Frontsternen finden, so der Hobbyastronom.

Am 3. Juli war er mit 43 Millionen Kilometern der Sonne am nächsten. So eine Annäherung an die Sonne ist auch immer mit der Gefahr verbunden, dass sich der Komet, der sich aus Eis, Staub und lockerem Gestein zusammensetzt, auflöst. Doch der Himmelskörper hat das überlebt und begeistert nun Astronomen weltweit mit seinem Kometenschweif. Am 23. Juli wird Neowise der Erde mit rund 103 Millionen Kilometer am nächsten sein.

Der Komet wurde am 27. März 2020 vom Near-Earth Object Wide-field Infrared Survey Explorer (Neowise) entdeckt und erhielt dadurch auch seinen Beinamen. Bei seiner Entdeckung war C/2020 F3 (Neowise) rund 255 Millionen Kilometer von der Erde entfernt. Im Unterschied zu einem Asteroiden führt ein Komet einen langen Schweif mit sich, der gut zu erkennen ist. Um zu verdeutlichen, um welche Entfernungen es sich handelt, hier ein paar Distanzen: Erde – Mond: etwa 384 400 Kilometer, Erde – Sonne: etwa 150 Millionen Kilometer, Distanz Erde – Mars: etwa 230 Millionen Kilometer.

Schultheiß wird weiter nach interessanten Himmelskörpern mit seinem astronomischen Teleskop Ausschau halten. So soll der „Mini-Asteroid“ 2011 ES4 ab dem 1. September am Himmel zu sehen sein. Er nähert sich der Erde bis zu einem Drittel der Distanz zum Mond.

Der 22 bis 49 Meter große Himmelskörper kommt bis auf 123 000 Kilometer heran. Besser zu sehen sein könnte dann wohl eher 2001 WN5 (Durchmesser 600-1300 Meter), der sich am 26. Juni 2028 bis auf 249 900 Kilometern der Erde nähert, hofft Schultheiß.

Kometen werden auch gerne „kosmische Schneebälle“ genannt. Sie kommen aus den Tiefen des Weltalls und sind – weil es dort kalt ist – tiefgefroren. Sie bestehen aus Staub und Gestein, die zusammengefroren sind.

Doch kommen Kometen der Sonne näher, schmilzt das Eis. Staub und Steine werden freigesetzt – der charakteristische Schweif des Kometen entsteht.

Weil Kometen als Boten aus den Tiefen des Universums gelten, sind sie für die Forschung besonders interessant.