Fußball

Fußball Guido Buchwald möchte bis Donnerstag entscheiden, ob er als Präsident des VfB kandidiert?

Wäre er wirklich der Richtige?

Guido Buchwald denkt offen über eine Bewerbung um das Präsidenten-Amt des VfB Stuttgart nach. Es spricht viel dafür, dass der Weltmeister von 1990 ins Rennen geht. Prominente Unterstützer hat er bereits, auch er selbst findet sich gut – aber reicht das?

Es könnte jetzt der richtige Zeitpunkt sein. Guido Buchwald weiß es selbst noch nicht so genau, aber es sieht stark danach aus, als würde er es wagen. „Bis spätestens Donnerstag werde ich entscheiden, ob ich mich bewerbe oder nicht“, sagte der Weltmeister von 1990 am Montag der „Bild“. Es geht um das Präsidenten-Amt beim VfB Stuttgart, und sollte Buchwald tatsächlich ins Rennen um den vakanten Posten gehen, wäre er ziemlich sicher der prominenteste Kandidat – aber auch der richtige?

Er selbst sieht sich jedenfalls als geeignet an. „Ich bringe nicht nur sportliche Kompetenz mit, sondern auch wirtschaftliche“, sagte der 58-Jährige. „Ich war auch schon in anderen Clubs im Management tätig und leite seit rund 25 Jahren Unternehmen.“

Am Sonntag läuft die Bewerbungsfrist ab. Der Schorndorfer Oberbürgermeister Matthias Klopfer sowie der Unternehmer Claus Vogt sind bisher die einzigen, die sich beworben und das auch öffentlich bekannt gemacht haben. Was die Popularität unter den Stuttgarter Fans angeht, wäre Buchwald beiden gegenüber klarer Punktsieger. Hinter den Kulissen lotet der frühere Defensivspezialist längst aus, wer ihn auf seinem Weg unterstützen würde. Der Wahlkampf hat für Buchwald auch ohne Bewerbung schon begonnen.

„Er wäre der Richtige, weil er Ahnung vom Fußball hat und er eine Legende ist“, findet sein Freund und ehemaliger Teamkollege Jürgen Klinsmann. „Er hat eine große Reichweite, so einen Club zu führen und zu repräsentieren. Ich wäre begeistert, wenn Guido Präsident werden würde.“ Tatsächlich ist Buchwald nicht nur jedem VfB-Fan ein Begriff; er hat das Fußballgeschäft darüber hinaus als Spieler, Trainer, Manager oder Scout erlebt; nicht zuletzt deshalb verfügt er über ein in dieser Branche nicht zu unterschätzendes Netzwerk.

Komplizierte Beziehung

Aber die Beziehung zwischen Buchwald und dem VfB ist eine komplizierte. Es ist gerade mal rund sieben Monate her, dass Buchwald nach einem heftigen Streit mit dem ebenso mächtigen wie umstrittenen Aufsichtsratsvize Wilfried Porth aus dem Kontrollgremium zurücktrat und auch seinen Botschafter-Job bei den Schwaben abgab. Nicht nur Klinsmann empörte sich im Nachgang, auch zahlreiche Fans der Schwaben kritisierten den Umgang mit der Vereinslegende. Ob Buchwald nun aber auch der richtige wäre, das komplizierte Präsidenten-Amt beim Traditionsclub zu übernehmen, darüber grübeln selbst die Fans.

Denn trotz aller Popularität und Erfahrungen: Die bisherige Funktionärskarriere Buchwalds verlief alles andere als schillernd. Nach seiner aktiven Karriere arbeitete er zunächst als Sportdirektor des Karlsruher SC, dann für die Stuttgarter Kickers, anschließend erfolgreich als Trainer in Japan, danach erfolglos bei Alemannia Aachen, wieder für die Kickers, und ab 2015 schließlich als VfB-Scout und später Aufsichtsratmitglied.

Unglücklich wirkte in dieser Zeit seine Kritik an der Kaderplanung des ehemaligen Managers Michael Reschke kurz vor einem wichtigen Spiel des VfB. Anschließend ruderte Buchwald zurück und entschuldigte sich für seine aus der „Emotion heraus getätigten medialen Äußerungen“ – und kam damit wahrscheinlich einem Rauswurf aus dem Gremium zuvor.

Von seinem künftigen Präsidenten erwartet sich der VfB unter anderem, dass „er sich sicher auf dem öffentlichen Parkett bewegen kann“, wie es auf der Vereinshomepage heißt. Nach dem Ende der Bewerbungsfrist wird der Vereinsbeirat zwei Kandidaten auswählen, die sich am 15. Dezember den Mitgliedern zur Wahl stellen. Ob die Anhänger Buchwald den Job zutrauen, würde sich spätestens dort zeigen. dpa