Fußball

Fußball Im Achtelfinale des bayerischen Toto-Lotto-Pokals geht es heute indirekt auch um die unterfränkische Vormachtstellung / Rund 5000 Zuschauer werden erwartet

„Schnüdel“ rütteln am Kickers-Thron

Das Unterfranken-Derby im bayerischen Toto-Lotto-Pokal zieht die Massen an. Am morgigen Mittwochtreffen um 19 Uhr im Achtelfinale der Regionalligist 1.FC Schweinfurt 05 und Drittligist FC Würzburger Kickers aufeinander. Rund 5000 Zuschauer werden zum unterfränkischen Derby im Schweinfurter Willy-Sachs-Stadion erwartet.

Über mehrere Jahrzehnte war der 1.FC Schweinfurt 05 meist die Nummer eins im unterfränkischen Fußball. Spätestens ab 2012 erfolgte dann allerdings die Wachablösung durch den FC Würzburger Kickers. Die „Rothosen“ sind mittlerweile, nach einem Ausreißerjahr in der 2. Bundesliga in der Spielzeit 2016/17, in der 3. Liga zu einem festem Bestandteil im deutschen Profifußball geworden.

Dort sieht sich in näherer Zukunft auch der FC 05, der seit der vergangenen Saison bei seiner ersten Mannschaft auf Profitum umgestellt hat. Nach dem dritten Platz in der Regionalliga-Saison 2017/18 soll dieses Jahr unter dem neuen Cheftrainer Timo Wenzel, einem früheren Erstliga-Kicker (106 Spiele für VfB Stuttgart, 1.FC Kaiserslautern), die Meisterschaft her. Doch noch stottert der „Schnüdel“-Motor etwas – vor allem in der Fremde. Den bislang vier Heimsiegen steht nur ein Dreier in der Fremde gegenüber. Immerhin sind die Schweinfurter nach neun Spieltagen noch ohne Niederlage. Einzig im DFB-Pokal gegen Bundesliga-Vizemeister Schalke 04, zog der FC mit 0:2 den Kürzeren.

Schweinfurter Pokal-Hattrick?

Das Spiel gegen den großen Rivalen aus Würzburg scheint derzeit nicht ungelegen zu kommen. Nach einem neuerlichen Unentschieden in einem Auswärtsspiel, am vergangenen Samstag beim Aufsteiger SV Heimstetten (1:1), sind die Männer von Wenzel auf Wiedergutmachung aus. Die Chancen den Status Quo in Unterfranken zumindest für einen Tag ins Wanken zu bringen, scheinen nicht schlecht zu stehen. Die letzte Schweinfurter Niederlage im Toto-Pokal liegt über drei Jahre zurück. 2017 und 2018 wanderte der bayerische Landespokal in die Vitrine der 05er.

Der letzte Derby-Sieg gegen die Kickers liegt allerdings auch weit zurück. Im Auftaktspiel der Regionalliga-Saison 2013/14 schlug der FC Schweinfurt vor über 6000 Zuschauer im Willy-Sachs-Stadion die Würzburger Kickers mit 3:1. Von der damaligen Startelf stehen heute nur noch Außenverteidiger Philipp Messingschlager und Offensivmann Steffen Krautschneider im Schweinfurter Kader.

Die meisten Augen werden aber ohnehin auf FC-Torjäger Adam Jabiri (59 Spiele, 19 Tore) blicken, der eine erfolgreiche Zeit bei den Rothosen in seiner Vita stehen hat und noch enge Kontakte an den „Dalle“ pflegt. Ob „Jabo“ bis zum Pokalschlager topfit ist, steht indes noch aus. Der 34-Jährige plagte sich in der Vorwoche mit einem Magen-Darm-Virus und kam am Wochenende nur von der Bank aus als Einwechselspieler zum Einsatz.

Kickers schöpfen aus dem Vollen

Fast aus dem vollen Schöpfen kann Kickers-Cheftrainer Michael Schiele, der seinen Kader kurz vor Transferschluss mit Rückkehrer Peter Kurzweg (1.FC Union Berlin) und Offensivtalent Caniggia Elva (zuletzt VfB Stuttgart U23) noch einmal nachgebessert hat. Einzig Rechtsverteidiger Maximilian Ahlschwede, der immer noch an einer Knieverletzung laboriert, steht nicht zur Verfügung.

Überhaupt dürften die Sorgenfalten des 40-Jährigen aktuell sehr unscheinbar ausfallen. Nach einem Fehlstart mit drei Niederlagen am Stück, haben die Würzburger sich mit drei Siegen in Serie gefangen und sind so etwas wie die „Mannschaft der Stunde“ in der 3. Liga.

„Betrachtet man die Ergebnisse, hatten wir natürlich Anlaufschwierigkeiten. Wobei man auch betonen muss, dass wir in Osnabrück mindestens einen Punkt verdient gehabt hätten. Nach der Niederlage in Aalen hat die Mannschaft dann mit dem überzeugenden Heimsieg gegen Cottbus eine starke Reaktion gezeigt. Unsere Brust ist von Woche zu Woche breiter geworden, wir haben beispielsweise mit dem Derbysieg oder natürlich auch mit den Siegen in Rostock und gegen Wiesbaden zuletzt viel Selbstvertrauen getankt.“, sagte Schiele im Vorfeld des Toto-Pokalspiels.

Die breite Kickers-Brust braucht es auch am morgigen Mittwoch im Pokal, den sich die Rothosen dieses Jahr nach dem Gewinn 2014 und 2016 unbedingt wieder holen möchten, um nächstes Jahr – nach einem Jahr Abstinenz – wieder im DFB-Pokal starten zu dürfen. In der 2. Runde zeigte die Profielf des FWK schon , dass sie Derbys kann. Mit 4:0 wurde die Aufgabe beim Bayernligisten Würzburger FV zwar relativ glanzlos aber dafür höchst souverän gemeistert. „Wir freuen uns auf ein wahrscheinlich noch einmal emotionaleres Spiel als beim WFV, da die Kulisse deutlich größer sein wird. Wir haben den Gegner genau analysiert. Die Schweinfurter verfügen über viel Erfahrung und haben bekanntlich auch Ex-Kickers-Spieler in ihren Reihen. Das wird eine harte Nuss für uns. Es ist aber unser Anspruch, uns dort durchzusetzen und das Viertelfinal-Ticket zu buchen.“, so die unmissverständliche Ansage von Trainer Michael Schiele. Begleitet werden die Kickers von über 1000 Fans, die unter anderem in einem Fanzug die halbstündige Reise nach Schweinfurt antreten werden.

Reise in die Vergangenheit

Für Michael Schiele wird die Reise nach Schweinfurt auch eine Reise in die eigene Vergangenheit. Seine Meriten verdiente sich der gebürtige Schwabe als aktiver Fußballer großteils in der Regionalliga beim VfR Aalen. Als junger Spieler stand er aber auch unverhofft vor dem Sprung in die 2. Bundesliga, als er im Sommer 2001 als 23-Jähriger zu den „Schnüdeln“ wechselte, die anno dazumal gerade überraschend Meister in der Regionalliga wurden, erinnert sich Schiele auf Nachfrage der Fränkischen Nachrichten: „Das liegt ja nun schon einige Jahre zurück. Ich wurde damals für die Regionalliga geholt, bin aber schließlich zu einem Zweitligisten gekommen. Wir hatten damals einen Kader mit über 35 Spielern, ich hatte insgesamt wenig Spielzeit. Ich war damals aber noch ein relativ junger Spieler und habe in dieser Saison wichtige Erfahrungen gesammelt.“ Mehr als zwei Einsätze wurden es letztlich nicht für Schiele im deutschen Unterhaus. Nach einem Jahr Schweinfurt setzte er seine Karriere in der schwäbischen Heimat fort. 17 Jahre sind seither vergangen, in denen viel passiert ist. Schiele ist heute Fußballlehrer und Cheftrainer in Würzburg und die Kickers die unangefochtene Nummer eins in Unterfranken. Es sei denn, am Mittwoch rütteln die „Schnüdel“ am Thron der Rothosen.