Fußball

BFV-Pokal Viertelfinalespiel des Drittligisten SV Waldhof im Laudaer Tauberstadion ist Höhepunkt für alle Akteure / 500 Zuschauer erlaubt

Sascha Hübner startet den Betonmischer nicht

Archivartikel

Wenn am Mittwoch, 16. September kurz vor Spielanpiff um 18.30 Uhr Jürgen Kluger im Tauberstadion über Lautsprecher das Aufgebot der Spieler im Viertelfinale des Badischen Fußball-Pokals zwischen dem FV Lauda und Titelverteidiger SV Waldhof Mannheim ankündigt, werden sich ältere FV-Fans gerne an Oberliga-Duelle beider Teams in den Jahren 2003 bis 2006 erinnern. Spielte man damals (fast) auf Augenhöhe, trifft im Flutlichtspiel am Mittwoch ein Landesligist wie seinerzeit David gegen Goliath gegen einen ambitionierten Drittligisten an, der einem auf dem Transfermarkt mit einem Gesamt-Marktwert von übervier Millionen Euro gehandelt wird.

Bei einer 1-1-4-Bilanz in sechs Begegnungen gelang unter FV-Trainer Valentin Herr im März 2005 vor über 1200 Zuschauern im Tauberstadion der letzte und einzige Sieg über die „Waldhof-Buben“. Auch Ex-Nationalspieler Dirk Schuster verhinderte nicht, dass der FV Lauda mit 1:0 gewann. Nach einer beispiellosen Aufholjagd stand dann noch der Oberliga-Klassenerhalt für den FV. Soweit die Historie.

Aktuell sind die Gäste aus der Quadratestadt mit Trainer Patrick Glöckner voll im Pokalmodus, denn vor nicht einmal vier Wochen gewannen sie das „Geisterendspiel“ des BFV-Pokals im Dietmar-Hopp-Stadion in Sinsheim dank „Dosenöffner“ Martinovic, der drei Treffer beisteuerte, souverän und überlegen mit 4:1 gegen den FC Nöttingen und zogen damit in den DFB-Pokal ein. Übrigens: Es war der erste Verbandspokalsieg seit 21 Jahren, denn immer war ein Stolperstein im Weg. So auch 2016, als die SG Heidelberg-Kirchheim sensationell die Waldhöfer nach einem torlosen Remis im Elfmeterschießen mit 7:6 düpierte. Eine solche Pleite wird sich nach dem erklärten Willen der Gäste nicht wiederholen. Schließlich erreichte der Pokalsieger jetzt die DBF-Hauptrunde und lieferte dem Bundesligisten SC Freiburg am Sonntag einen intensiven Pokalfight, der nur knapp mit 1:2 verloren wurde.

Jugend-Nationalspieler im Kader

Im Kader der Gäste stehen klangvolle Namen wie die Mittelfeldspieler Marco Schuster, Max Christiansen und der niederländische Innenverteidiger Jesper Verlaat. Max Christausen durchlief von der U17 bis U19 alle Nationalmannschaften und war auch am Gewinn der Silbermedaille bei Olympia in Rio beteiligt. Im Pokalspiel gegen Freiburg am vergangenen Sonntag musste Waldhofs Trainer Glöckner nicht nur auf Kapitän Marcel Seegert verzichten, der sich beim Warmmachen verletzt hatte, sondern auf einen auf Corona positiv getesteten Spieler sowie zwei in Quarantäne befindliche Akteure.

Es wäre schon ein Wunder, wenn sich nicht die fußballerische Qualität eines vier Klassen höher spielenden Profiklubs nach 90 Minuten durchsetzen würde. Trotzdem wird FV-Trainer Sascha Hübner nicht Beton anrühren, sondern seine Jungs mitspielen lassen, um vielleicht einmal Waldhofs Keeper „ein Ei ins Netz“ zu setzen. Übersteht der Gastgeber die erste halbe Stunde ohne Gegentor, ist zumindest noch für Spannung gesorgt. Trotz des erwarteten Aus im Pokal wird es für alle FV-Akteure ein Höhepunkt in ihrer Laufbahn, wie auch Hübner fesstellt: „Es ist ein großes Event für die Spieler, die sich riesig freuen, und für den Verein, der alles für dieses Ereignis im Vorfeld getan hat.“ Wer aufgrund der begrenzten Zuschauerplätze (500) das Spiel nicht im Tauberstadion erleben kann, wird die Partie im Streaming von „sporttotal.tv“ verfolgen können.

FV-Trainer Sascha Hübner kann wieder auf Mustapha Sanyang bauen, der bei Türkspor Mosbach nicht spielen konnte und bei seinen Einsätzen in der FV-Defensive von Anfang an überzeugte: „Bei Türkspor Mosbach waren wir die bessere Mannschaft, bis zwei Sonntagsschüsse das Spiel entschieden. Ich hoffe auch, dass der Einspruch beim Verband gegen die Gelb-Rote Karte für Rouven Schmidt Erfolg hat, damit auch er bei diesem einmaligen Erlebnis dabei sein kann.“ Was war passiert? Alle Mitspieler, die dass Zwillingspaar Rouven und Kevin Schmidt unterscheiden können, war gleich Mitte der zweiten Hälfte aufgefallen, dass Rouven nach Spielschluss wegen Meckerns die „Gelb“ bekam, obwohl Kevin gemeint war, der gemosert hatte. Vor Ort war der Unparteiische nicht zu einer Rücknahme zu bewegen.

Verkehrte Welt: Während die beim Pokalfight geforderten Amateure des FV Lauda bereits am Samstag in Königshofen beim Lokalderby antreten müssen, können sich die Waldhof-Profis noch bis Montag ausruhen; erst dann steht der Saisonstart gegen Viktoria Köln an.