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Fußball Zivilstrafe nach Spiel in der Landesliga Odenwald

Richterin glaubte nicht allen Zeugen

Beim Fußballspiel der Landesliga Odenwald, FC Hundheim-Steinbach gegen VfR Uissigheim, im November beleidigte eine Person der Gastmannschaft einen der beiden Schiedsrichter-Assistenten Linienrichter mit den Worten: „Hurensohn, diese Fahne stecke ich Dir in den Hintern!“

Zu diesem Ergebnis kam jetzt das Amtsgericht Wertheim in einer Verhandlung mit Anhörung von 13 Zeugen. Die Strafe falle mit 15 mal 40 Euro niedrig aus, da bereits im Februar der Badische Fußballverband bezüglich des Vorfalls eine Strafe von 150 Euro wegen Rempelei (nicht Tätlichkeit) und Beleidigung verhängt hatte, und zur Vermeidung von Doppelbestrafung das zu berücksichtigen sei, unabhängig von der Höhe der Verbandsstrafe, so die Richterin.

Bei dem Spiel am Sonntag, 17. November mit etwa 200 Zuschauern gingen die Wogen hoch, und es gab Verletzte auf beiden Seiten. Der 50-jährige Angeklagte war mit Entscheidungen des Schiedsrichtergespanns nicht einverstanden, rannte aufs Spielfeld, und nannte es „eine Frechheit, was Ihr hier macht“.

Darauf bekam er die Gelbe Karte gezeigt. Als er erneut auf den Platz erschien und den Schiedsrichter sogar schubste, zeigte ihm der 16-jährige Unparteiische, noch Schüler, die Rote Karte. Der Mann verließ das Feld, habe im Vorbeigehen gegen die Spielerbank seiner Mannschaft getreten, so ein Zeuge und stellte sich zu seiner Frau und den Töchtern unter die Zuschauer schräg hinter der Bank. Der Abstand zur Auslinie habe etwa zwölf Meter betragen. Aus dieser Position kam die Beleidigung gegen den 21-jährigen Schiedsrichter-Assistenten. Dieser meldete das pflichtgemäß dem Schiedsrichter und machte nach reiflicher Überlegung Anzeige bei der Polizei.

Das Außergewöhnliche ist: Die Beleidigung erfolgte auf türkisch, und von allen Spielbeteiligten konnte sie nur der Schiedsrichter und einer seiner Assistenten verstehen. Die beiden und der Beschuldigte sprechen neben türkisch perfekt deutsch.

Vorwurf bestritten

In der Verhandlung bestritt der Angeklagte den vorgeworfenen Satz, er entspreche nicht seiner Art und sei gegen die Menschenwürde. Der Linienrichter erklärte, der Beschuldigte habe ihn zunächst trotz klarer Abseitsposition angeschrien und später, nach der Beleidigung, eine der Töchter auf türkisch verflucht. Der Schiedsrichter sagte, er habe die Beleidigung auch gehört. Es gebe bei Fußballspielen immer wieder so etwas, und bei diesem Spiel seien auch von irgend woher deutsche Beleidigungengen gekommen.

Die meisten Zeugen waren von der Verteidigung benannt und hatten „keine Beleidigung gehört“. Einer von ihnen berichtete, vor allem die Uissigheimer Zuschauer hätten den Schiedsrichter ständig beschimpft, und dann sei es tumultartig geworden.

Die Richterin hätte das Verfahren gerne ohne Urteil beendet, heißt mit einer Verfahrenseinstellung gegen Geldauflage. Im Eifer des Gefechts auf dem Fußballplatz passiere manchmal Ungewöhnliches, und auch im zwischenfamiliären Bereich sei es eskaliert. Der Angeklagte blieb jedoch dabei, dass er unschuldig sei. In den Schlussworten beantragte die Staatsanwaltschaft eine Strafe von 30 mal 40 Euro, der Verteidiger Freispruch.

Das Gericht betonte in der Urteilsbegründung, entscheidend sei nicht die Anzahl der Zeugen sondern die Anschaulichkeit und die Glaubwürdigkeit ihrer Angaben. Wenn jemand nichts gehört habe, bestehe die Möglichkeit der Unaufmerksamkeit damals oder der Lüge jetzt. Die Richterin ging davon aus, dass der Beschuldigte den von ihm bestrittenen Satz nicht zugeben will, aber inzwischen bereut. goe