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Fußball Der aus Gommersdorf stammende Stürmer Luca Pfeiffer ist Profi geworden, ohne während der gesamten Jugendzeit in einem Leistungszentrum gewesen zu sein

„Ich habe nie alles auf Fußball gesetzt und bin deshalb etwas freier im Kopf“

Archivartikel

Es gibt wahrlich nicht viele Fußballer aus der Region Odenwald, die es geschafft haben, ihren Buben-Traum „Profi“ Wirklichkeit werden zu lassen. Luca Pfeiffer ist aber einer von ihnen. Seit Juli spielt der 23-Jährige in der 3. Liga für den FC Würzburger Kickers. Fünf Tore hat der Gommersdorfer im bisherigen Saisonverlauf geschossen, drei vorbereitet. Freilich hat auch er den Ehrgeiz, irgendwann einmal höher, in der 2. Bundesliga oder sogar im Oberhaus, zu spielen – allerdings nicht um jeden Preis. Als wir den Stürmer in Würzburg trafen, sprachen wir mit einem bodenständigen, geerdeten jungen Fußballprofi, der ehrgeizig ist, aber weiß, dass es Wichtigeres im Leben gibt als Fußball und Geld.

Herr Pfeiffer, was macht ein Fußballprofi in der Länderspielpause?

Luca Pfeiffer: Ich fahre in die Heimat, um vom Fußball ein wenig abzuschalten. Da ist es auch gut, dass mal nichts außer Nationalmannschaft im Fernsehen läuft. Vielleicht schaue ich meinen Kumpels mal beim Fußballspielen zu, aber geplant ist noch nichts.

Wie schalten Sie daheim in Gommersdorf ab?

Pfeiffer: Ich möchte viel bei der Familie sein, und die Oma möchte ich auch mal wieder besuchen.

War es beim Wechsel von Osnabrück nach Würzburg auch ein Aspekt, näher bei der Familie zu sein?

Pfeiffer: Ja, auf jeden Fall hat das eine Rolle gespielt. In erster Linie wollte ich mich aber sportlich wohlfühlen. Das kann man aber nur, wenn das Umfeld passt, und das ist hier bei den Kickers extrem gut. Es ist sehr familiär, alle sind nett, gut drauf und wollen dir helfen. Es passt einfach alles.

Ein weiterer Grund des Wechsels war, dass Sie sich in Würzburg am meisten Spielzeit versprochen haben. Dieser Plan ist aufgegangen: Sie haben bis auf das Spiel wegen Gelb-Rot-Sperre alle Begegnungen absolviert. Wie sind Sie mit Ihrer sportlichen Entwicklung zufrieden?

Pfeiffer: In erster Linie bin ich zufrieden, weil ich spiele. Auch meine Torquote ist ordentlich. Aber ich weiß natürlich, dass auch noch mehr geht.

In welchem Bereich?

Pfeiffer: Ich muss körperlich noch zulegen und noch fitter werden. Aber ich denke, das kommt mit der Spielzeit. Ich war etwa zehn Monate lang verletzt, dann bin ich nach Osnabrück gegangen, wo es schwer war, Fuß zu fassen. Jetzt, durch die vielen Einsätze, hole ich mir die meiste Fitness. Da kann man so viel joggen, wie man will. Ich merke, dass ich immer fitter werde.

Sie hätten ja auch in der Bundesliga landen können: Sie gehörten Paderborn, waren nach Osnabrück ausgeliehen und sollten im Sommer wieder zum SCP zurückkehren, der da aber überraschend in die Bundesliga aufgestiegen war. Gab es denn nicht die Option, mit Paderborn in die Bundesliga zu gehen?

Pfeiffer: Es gab schon Überlegungen von beiden Seiten. Ich habe dann aber relativ schnell für mich entschieden, dass ich nicht bleibe, weil es sehr schwierig geworden wäre, in die Mannschaft zu kommen – auch weil die Spieler, die den Bundesliga-Aufstieg gepackt hatten, einen Bonus gehabt hätten. Es bringt mir nichts, wenn ich jetzt in diesem Alter auf der Bank oder der Tribüne sitze.

War die Versuchung, sich den Traum vom Bundesligaspieler zu verwirklichen, nicht zu groß?

Pfeiffer: Natürlich war die Versuchung da. Aber mal im Kader von einem Bundesligisten gestanden zu haben, ist für mich nicht das Wichtigste. Es geht darum, zu spielen und sportlich glücklich zu sein. Ich habe in dieser Zeit auch mit meinem Berater und meiner Familie darüber gesprochen, aber die Entscheidung habe ich dann für mich ganz alleine getroffen.

Die Familie, Sie sprachen es anfangs an, scheint einen sehr hohen Stellenwert bei Ihnen zu haben.

Pfeiffer: Dieser Halt ist mir sehr wichtig. Man kann keinem mehr vertrauen als der Familie. Es gibt in diesem Geschäft zu viele Leute, die das Falsche von dir wollen. In der „Family“ und bei meinen Kumpels kann ich ehrlich sein, und ich weiß, dass sie es ehrlich mit mir meinen. Zudem versteht meine Familie auch etwas vom Fußball (lacht).

Ihr Vater Karlheinz war selbst ein Topstürmer in der Landes- und Verbandsliga und ist jetzt Trainer des TSV Neuenstein in der Bezirksliga Hohenlohe. Welche Tipps gibt er Ihnen noch?

Pfeiffer: Früher gab es die, aber jetzt eigentlich nicht mehr.

Zurück zu den Kickers: Es gibt Mannschaftskameraden, die schauen in der Tabelle nach dem Abstand zum dritten Platz, und es gibt welche, die schauen, dass der Abstand zum ersten Abstiegsplatz größer wird. Zu welcher Gruppe gehören Sie?

Pfeiffer: Die Liga ist relativ schwierig. Bei unserem Tabellenplatz kann man nie nur nach oben oder nur nach unten schauen. Jeder kann gegen jeden gewinnen. Der aktuelle Trend zeigt aber, dass wir mehr nach oben schauen können als am Anfang der Saison. Wir sind eingespielter. In erster Linie geht es aber ganz klar darum, den Abstand nach unten so groß wie möglich zu halten. Momentan läuft es aber so, dass ich mir da keine großen Sorgen mache.

Was läuft denn konkret besser als zu Saisonbeginn?

Pfeiffer: Wir sind defensiv stabiler und reifer geworden. Wir sind eine junge Truppe, und viele mussten erst einmal mit dem Drittliga-Fußball klarkommen. Wenn man beispielsweise das Spiel gegen Duisburg sieht (0:2 verloren, Anm. d. Red.): Der MSV ist Tabellenführer und hat einen knappen Zwei-Punkteschnitt, wir hatten ihn aber im Griff und dürfen diese Partie eigentlich nie verlieren. So ein Spiel zeigt aber, dass wir auf dem richtigen Weg sind.

Ihr Weg zum Fußballprofi war lange nicht vorgezeichnet. Gab es ein Aha-Erlebnis, warum Sie es dann doch versucht haben, Profi zu werden oder war es ein „schleichender Prozess“?

Pfeiffer: Ich war nie mit dem Gedanken unterwegs: Ich muss Profi werden! Ich habe damals mein Abitur gemacht und in Hollenbach in der Oberliga gespielt. Das hat alles gepasst für mich. Ich wollte eigentlich studieren, hatte aber zu dieser Zeit 18 Tore geschossen. Deshalb bin ich ein wenig zweigleisig gefahren: Ich konnte mir vorstellen, in Hollenbach zu bleiben, doch wenn ein interessantes Angebot käme, würde ich es mir auch anhören. Neben einigen Anfragen, die mich nicht so interessiert haben, kam dann das Angebot der Stuttgarter Kickers. Das hat mich gereizt, und ich habe gesagt: Ja, ich probier’s. Wenn es nicht geklappt hätte, hätte ich ein Jahr später wieder in Hollenbach gespielt.

Das hört sich unglaublich entspannt an. War es in diesem Fall ein Vorteil, nicht von einer Fußball-Akademie in den Profi-Bereich gekommen zu sein, sondern auf der eher „klassischen Schiene“?

Pfeiffer: Ich habe da zwei Sichtweisen: Ich glaube schon, dass ich da einen Vorteil gegenüber den Spielern aus einem Leistungszentrum habe, weil ich weiß, wo ich herkomme und jederzeit dorthin zurück gehen kann. Ich habe nie alles auf Fußball gesetzt und bin deshalb vielleicht ein bisschen freier im Kopf. Die Anderen, die über eine Akademie kommen, haben sicherlich mehr Druck, Profi werden zu müssen, sind aber vielleicht ein bisschen härter in diesem Geschäft unterwegs.

Merken Sie, dass Ihnen in Ihrer Ausbildung gegenüber einem „NLZ-Spieler“ etwas fehlt?

Pfeiffer: Ich hatte in Hollenbach dreimal in der Woche Training; das haben die in den Leistungszentren teilweise am Tag. Taktisch fehlt mir sicher etwas. Ich habe auch erst in den letzten zwei, drei Jahren gelernt, sich richtig zu ernähren. Aber viele Nachteile kann man schnell kompensieren.

Welcher Trainer hat Ihnen auf Ihrem Weg am meisten mitgegeben?

Pfeiffer: Da ist es schwer, einen zu nennen. In dem einen Jahr in Stuttgart hatte ich alleine fünf Trainer (lacht). Es gab keinen, mit dem ich nicht klar gekommen bin. Jeder hat mir etwas mit auf dem Weg gegeben. Man lernt aber mit der Zeit auch, wie unterschiedlich Typen sein können, sei es im Fußballwissen oder in der Menschlichkeit. Ich hatte viele gute Trainer, auch hier bei den Kickers habe ich einen guten.

Was gibt Ihnen Michael Schiele mit? Was zeichnet ihn aus?

Pfeiffer: Er hat uns von Anfang an großes Vertrauen entgegengebracht. Menschlichkeit ist eine große Stärke von ihm. Er geht aber auch fachlich sehr gut an die Sache heran und sagt dir genau, was du anders und besser machen musst. Es ist die Mischung, die ihn so gut macht.

Wie lange wollen Sie sich eigentlich in der Dritten Liga aufhalten? Wann soll der Weg weiter nach oben führen?

Pfeiffer: Das wird die Zeit zeigen. Ich fühle mich aktuell hier sehr wohl und kann mir auch vorstellen, länger in der Dritten Liga zu spielen. Aber klar: Man ist Fußballer, um das Maximale aus sich herauszuholen, und deshalb ist klar, dass auch ich irgendwann einmal höher spielen möchte. Aber ich verschwende aktuell keinen Gedanken daran.

Sie haben nicht einmal die Wörter „Geld“ oder „mehr verdienen“ in den Mund genommen. Das ist ungewöhnlich für einen Profi, aber in diesem Fall sehr sympathisch.

Pfeiffer: Geld ist nicht alles. Da gibt es Wichtigeres.

Welche Platzierung haben die Kickers am Ende der Saison?

Pfeiffer: Wir werden besser sein als der aktuelle dreizehnte Platz.