Fußball

Fußball Auf den außerordentlichen Verbandstagen der baden-württembergischen Fußball-Verbände soll über den Abbruch der Spielzeit 2019/20 befunden werden / Interessanter Antrag in Baden

Für die Saison 2020/2021 sind neue Spielmodi möglich

Archivartikel

Die Amateur-Fußballer Baden-Württembergs schauen mit Spannung auf den Samstag, 20. Juni. Da nämlich finden die außersordentlichen Verbandstage der drei Fußball-Verbände des „Ländles“ statt. Hierbei soll vor allem der Abbruch der Saison 2019/20 mit der bereits vorgeschlagenen Aufstiegsregelung beschlossen werden (wir berichteten). Die Vereine erhoffen sich aber auch Beschlüsse bezüglich der neuen Spielzeit 2020/21. Die baden-württembergischen Fußballverbände hatten sich in einem Abstimmungsprozess verständigt, ein gemeinsames Vorgehen anzustreben.

Baden

Der Badische Fußballverband (BFV) und die 216 Delegierten sind bereit für den außerordentlichen Verbandstag. Die virtuelle Mitgliederversammlung startet um 14 Uhr und ist für alle Interessierten live im Internet zu verfolgen.

Der Verbandstag ist die Hauptversammlung und somit das höchste Gremium im BFV. Stimmberechtigt sind Delegierte der Vereine und der engeren Kreisvorstände, der Verbandsvorstand sowie der Vorsitzende der Spruchkammer. Die Vereinsdelegierten werden bei den Kreistagen für eine Legislaturperiode bzw. bis zum nächsten Kreistag von den Vereinen selbst bestimmt. Für den aktuellen außerordentlichen Verbandstag sind daher die auf den Kreistagen 2016 gewählten Vereinsvertreter delegiert. Die Ausnahme bildet der Fußballkreis Bruchsal, wo 2020 bereits ein Kreistag mit Delegiertenwahlen stattgefunden hat.

Auch für den BFV ist eine digitale Version eines Verbandstages Neuland. Lange haben die Verantwortlichen an einer Online-Lösung getüftelt, die sicher und datenschutzkonform, kostengünstig und vor allem so einfach wie möglich zu bedienen ist. Positiver Nebeneffekt der virtuellen Variante ist, dass alle Vereine die Veranstaltung live verfolgen können – die Möglichkeit der Aussprache per Chat sowie der Abstimmung ist natürlich den Delegierten vorbehalten.

Fünf Anträge stehen auf der Tagesordnung, die sich ausschließlich mit Folgen der Covid-19-Pandemie befassen. Die mit Spannung erwartete Abstimmung über den Umgang mit der Saison 2029/20 nehmen die Delegierten bei Antrag 3 vor. Als Antrag 3A ist der Vorschlag des Verbandsvorstandes formuliert, dem sich in der offiziellen Umfrage unter den Vereinen vorab mehr als 90 Prozent anschlossen. Dieser sieht vor, die Saison zum 30. Juni 2020 zu beenden und den aktuellen Tabellenstand zu werten.

Die Meister und direkten Aufsteiger sollen per Quotientenregelung ermittelt werden. Absteiger soll es keine geben. Sind in Spielklassen Aufstiegsrunden vorgesehen, soll der Aufsteiger ebenfalls über den Quotienten ermittelt werden. Relegationsplatzinhaber sollen nicht aufsteigen dürfen. Alternativ können die Delegierten die Fortsetzung der Spielzeit 2019/20 nach dem 1. September 2020 beschließen.

Einen Abänderungsantrag des Landesligisten FC Bammental sowie weiterer Vereine hat der BFV zur Abstimmung durch die Delegierten zugelassen. Dieser sieht vor, sowohl alle Inhaber eines Relegationsplatzes als auch alle Teilnehmer der Aufstiegsrunden ebenfalls aufsteigen zu lassen.

Ebenso stimmen die Delegierten über den Umgang mit den Pokalwettbewerben, über eine Haftungseinschränkung sowie eine Ermächtigung des Verbandsvorstandes ab, die folgenden Spielbetriebsentscheidungen, wie beispielsweise den Spielmodus für 2020/21, zur gegebenen Zeit zu fällen, ohne dass es der nachträglichen Genehmigung durch den Verbandstag bedarf. Nachdem noch nicht absehbar ist, ab wann wieder gespielt werden kann, eröffnet ein dahingehender Beschluss die Möglichkeit, flexibel zu reagieren.

Württemberg

Nachdem am Montag- und Dienstagabend per Videokonferenz die Delegiertenbesprechungen des Württembergischen Fußballverbands (WFV) stattgefunden haben, wird nun bis zum 20. Juni im Rahmen eines Außerordentlichen Verbandstages per Umlaufverfahren über den weiteren Umgang mit der Saison 2019/20 im württembergischen Amateurfußball entschieden. Der Vorstand des WFV hatte am 29. Mai vorläufige Ordnungsänderungen zur Beendigung des Spieljahres 2019/20 zum 30. Juni beschlossen. Berücksichtigt wurden bei dieser Entscheidung über 600 Rückmeldungen von Vereinen aus ganz Württemberg, die sich im Rahmen des Anhörungsverfahrens mit überwältigender Mehrheit dem Vorschlag des Präsidiums zur Saisonbeendigung angeschlossen hatten.

Die Beschlüsse des Vorstands, dem sämtliche Stellungnahmen der Vereine vorlagen, sehen im Einzelnen insbesondere die folgenden Regelungen vor:

Die Meister und Platzierungen, die zur Teilnahme an Aufstiegsspielen berechtigen, werden bei den Herren und Frauen anhand der Quotienten-Regelung (Punkte/Spiele) ermittelt.

Abstiegsplätze werden nicht ausgewiesen. Aus Billigkeitserwägungen erscheint es nicht vertretbar, auf Grundlage geänderter Wettbewerbsmodalitäten dahingehende Entscheidungen zu treffen, die für die jeweiligen Vereine gravierende Konsequenzen hätten.

Platzierungen, die zur Teilnahme an Entscheidungs- und Relegationsspielen berechtigen, werden nicht ermittelt. Im Ergebnis bedeutet dies, dass ein Aufstieg über die Relegation, die aus rechtlichen Gründen sportlich nicht ausgetragen werden kann, nicht möglich ist.

Bei der Jugend gilt die Quotienten-Regelung entsprechend mit der Maßgabe, dass bei Quotientengleichheit – anders als bei den Aktiven – weder die Tordifferenz noch die Anzahl der geschossenen Tore Beachtung findet, sondern allen Mannschaften mit demselben Quotienten der Aufstieg ermöglicht wird. Des Weiteren werden bei den A- und B-Junioren, wie geplant, in Folge der Umstellung des Spielsystems auf ein „1-3-9“ zur Saison 2020/21 eine eingleisige Verbandsstaffel und drei Landesstaffeln gebildet. Bei den C-Junioren verbleibt es für ein weiteres Jahr bei vier Landesstaffeln unterhalb der neu einzuführenden eingleisigen Verbandsstaffel.

Alternativ zum Beschlussvorschlag des Verbandsvorstands haben die Delegierten die Möglichkeit, sich für eine Fortsetzung der Spielzeit 2019/20 frühestens am 1. September zu entscheiden. Ergänzend sollen die Delegierten auch darüber beschließen, dass der Beirat ermächtigt wird, über den Spielmodus für 2020/21 zur gegebenen Zeit zu entscheiden, ohne dass es der nachträglichen Genehmigung durch den Verbandstag bedarf. Nachdem noch nicht absehbar ist, ab wann wieder gespielt werden kann, eröffnet ein dahingehender Beschluss die Möglichkeit, flexibel zu reagieren.

Nachdem beim WFV am 8. Juni ein Antrag des TSV Frommern-Dürrwangen und weiterer 33 württembergischer Vereine eingegangen war, hat sich der Verbandsvorstand im Rahmen seiner Sitzung am vergangenen Freitag mit der Thematik erneut befasst. Gegenstand des Antrags war die Forderung, neben den Meistern auch sämtliche Zweitplatzierten der jeweiligen Staffeln aufsteigen zu lassen. Nach ausführlichen Beratungen und Abwägung der Argumente hat sich der Verbandsvorstand einstimmig dafür entschieden, an seinem bisherigen Beschlussvorschlag (Wertung nach Quotientenregelung, Meister steigen auf, keine Absteiger) festzuhalten.

Der Antrag beinhaltet keine neuen Argumente gegenüber der bisherigen Entscheidungsgrundlage. Die zweitplatzierten Vereine besitzen am Ende der Spielzeit kein Aufstiegsrecht, sondern lediglich eine Aufstiegschance bzw. das Recht an der Relegationsrunde teilzunehmen, die aber in diesem Spieljahr aus rechtlichen Gründen nicht ausgetragen werden kann.

Zu große Härten

Ein Aufstieg aller Zweitplatzierten würde für alle weiteren Vereine in der höheren Staffel durch einen verstärkten Abstieg in der kommenden Saison zu großen Härten führen. Es wären Staffelgrößen von bis zu 24 Vereinen zu erwarten, was eine Ansetzung von 46 Spieltagen bedeuten würde, dies ohne Pokal- und Relegations- bzw. Aufstiegsspiele. Eine Saisonplanung unter diesen Voraussetzungen ist unrealistisch. Soweit die Antragsteller darauf verwiesen, dass in Schleswig-Holstein den Zweitplatzierten der Aufstieg ermöglicht wird, ist zu berücksichtigen, dass das dortige Spielsystem (1-2-4-8) anders aufgebaut ist und es daher nur zu Staffelgrößen mit bis zu 18 Vereinen kommt. Auch der zur Regionalliga Südwest gezogene Vergleich vermochte nicht zu überzeugen. Dort verfügen alle Vereine über eine wettkampftaugliche Flutlichtanlage, zudem spielen dort ganz überwiegend Halb- und Vollprofis, denen höhere Belastungen zumutbar sind.

Die Beschlussfassung durch die Delegierten wird auf elektronischem Wege ohne Versammlung herbeigeführt, wie es Art. 2 § 5 Abs. 3 des Gesetzes zur Abmilderung der Folgen der COVID-19-Pandemie im Zivil-, Insolvenz- und Strafverfahrensrecht ermöglicht. Ab dem heutigen Mittwoch öffnet das Online-Portal, auf dem die Delegierten mit persönlichem Zugang und Passwort ihre Stimme abgeben können. Die persönliche Stimmabgabe ist möglich bis Samstag, 20. Juni, 14 Uhr. Im Anschluss erfolgt die manuelle Auszählung der abgegeben Delegierten-Stimmen. Die Beschlüsse werden mit einfacher Mehrheit gefasst. Erforderlich ist zur Wirksamkeit jedoch, dass mindestens die Hälfte der Delegierten ihre Stimme abgeben, sich also entweder für die Saisonbeendigung unter den genannten Voraussetzungen oder die Saisonfortsetzung ab 1. September entscheiden.

Die Bekanntgabe der Entscheidung erfolgt nach der Auszählung am Samstag gegen 16. Uhr. Zunächst werden die Vereine und Mitarbeiter des Württembergischen Fußballverbandes per E-Postfach informiert. Direkt im Anschluss wird der WFV den Verbandstagsbeschluss per Medieninformation bekannt geben. Um 16.30 Uhr werden WFV-Präsident Matthias Schöck und Hauptgeschäftsführer Frank Thumm im Rahmen einer öffentlichen Video-Pressekonferenz eine Stellungnahme zur Beschlussfassung des Außerordentlichen Verbandstages abgeben, sowie einen Ausblick auf die Konsequenzen und nächsten Schritte vornehmen.

Info: Der Livestream des badischen Verbandstages startet um 14 Uhr auf der Webseite verbandstag.badfv.de.