Fußball

DFB-Pokal Mit dem Urteil des Landgerichts München zur Teilnahme von Türkgücü München am DFB-Pokal sind „alle Dämme gebrochen“

Ein „schwerwiegender Eingriff“

Die erste Pokalüberraschung gab es bereis am späten Freitagnachmittag, noch bevor die ersten Partien der ersten Hauptrunde im DFB-Pokal angepfiffen wurden. Der unterfränkische Regionalligist 1. FC Schweinfurt 05 durfte seine Reise nach Schalke für das am Sonntag angesetzte Erstrundenspiel nicht antreten. Die Austragung der Partie wusste der letztjährige Regionalligakonkurrent Türkgücü München in sprichwörtlich letzter Sekunde zu verhindern. Der Migrantenverein erwirkte beim Landesgericht München in einem besonderen Eilverfahren die Absetzung der Partie Schalke gegen Schweinfurt. Grund dafür ist, dass die Münchner den Platz der Nullfünfer für sich beanspruchen. Rechtskräftig ist das Urteil noch nicht.

Vielmehr ist der Eklat vom Freitag wohl oder übel erst der Startschuss des Rechtsstreits zwischen Drittliga-Neuling Türkgücü München und dem Bayerischen Fußballverband. Der Sachverhalt ist bedingt durch die Corona-Krise und der Entscheidung des BFV, als einzige Regionalliga in Deutschland, die Saison ab September fortzuführen, komplex. Zum Zeitpunkt der Unterbrechung im März stand Türkgücü auf Platz 1 in der Regionalliga Bayern, gefolgt vom 1. FC Schweinfurt mit neun Punkten weniger. Trotz der nicht zu Ende gebrachten Spielzeit, war der Verband in der Pflicht, einen Aufsteiger in die 3. Liga und einen zweiten bayerischen Vertreter für den „Amateur“-Lostopf zu ermitteln. Der erste fiel dem Verbands-Pokalsieger 1860 München zu. Der zweite steht der ursprünglichen BFV-Satzung nach dem besten Amateurteam Bayerns zu, sprich dem Meister der Regionalliga, so er denn nicht eine Zweitvertretung einer Profimannschaft ist, die vom DFB-Pokalwettbewerb ausgeschlossen sind.

Mündliche Vereinbarung getroffen

Würde es sich um eine tatsächliche Endtabelle handeln, hätte Türkgücü sich über den Aufstieg in die 3. Liga und den DFB-Pokal-Einzug freuen können. Da es sich aber um eine nicht vollendete Saison handelte, musste der BFV Lösungen mit den Vereinen finden. Das tat er: Türkgücü durfte hoch in die 3. Liga, Schweinfurt dafür in den DFB-Pokal. Dafür nahm der BFV auch noch eine kurzfristige Satzungsänderung vor. Außerdem wurde laut BFV-Präsident Rainer Koch mit den Obersten beider Klubs, Münchens Hassan Kivran und Schweinfurts Markus Wolf, eine mündliche Vereinbarung getroffen, dass keine der Parteien rechtliche Schritte gegen diese Entscheidungen einlegen werde.

Nun kam es aber offensichtlich zum Wortbruch. Türkgücü geht in die Vollen. Vorausgegangen war auch ein offen ausgetragener Angriff von Schweinfurts Präsident Markus Wolf im Juli während der DFB-Lizenzierung Türkgücüs als neuer Drittligist. Wolf wollte die fragwürdige Stadionsituation des Kontrahenten nicht akzeptieren und forderte den DFB mit offenen Briefen zu Stellungnahmen auf. Auf rechtliche Schritte verzichteten die Schweinfurter jedoch gemäß der Abmachung. Nun entschloss sich Hasan Kivran, der starke Mann des aufstrebenden Klubs, zur Retourkutsche. „Jetzt wird eine massive Auseinandersetzung zwischen Türkgücü München und dem FC Schweinfurt auf dem Rücken des BFV ausgetragen“, findet Koch.

In der öffentlichen Wahrnehmung kommt aber auch sein Verband nicht sonderlich gut weg. „Letztendlich kann man jedoch nur den Kopf über die Vorgehensweise des Bayerischen Fußballverbandes schütteln, der über Wochen und Monate hinweg offensichtlich nicht in der Lage war, den rechtmäßigen Vertreter am DFB-Pokal zu bestimmen“, polterte Schalkes Sportvorstand Jochen Schneider.

Wie es in der Causa weitergeht, ist noch ungewiss. Der neue Spieltermin wird vermutlich für Anfang Oktober angesetzt. Sportjurist Jan Ort äußerte sich auf Twitter und sieht eine „schwerwiegenden Eingriff in die Verbandsautonomie“. Der BFV wird beim Oberlandgericht Rechtsmittel gegen die Entscheidung vom Freitag einlegen. Koch erwartet keine schnelle Lösung und befürchtet, dass nun Schweinfurt seinerseits gegen den Drittliga-Aufstieg von Türkgücü klagen könnte. „Jetzt sind alle Dämme gebrochen“, meint Koch festgestellt zu haben.