Fußball

Fußball In der 3. Liga hinken traditionsreiche und namhafte Vereine den sportlichen Erwartungen hinterher / Dabei sollten sie eigentlich Geld genug für Erfolge haben

Drei Investoren und viele Fragezeichen

Mit dem TSV 1860 München, dem KFC Uerdingen und dem 1. FC Kaiserslautern haben sich gleich drei Drittligavereine in die Hände eines Investors begeben. Doch trotz finanzieller Unterstützung bleibt der gewünschte sportliche Erfolg bisher aus. Zudem bestimmen aktuell bei allen drei genannten Vereinen Grabenkämpfen um den Führungsanspruch die Schlagzeilen. Die Fränkischen Nachrichten schauten sich die Situation des Trios nun einmal genauer an.

TSV 1860 München

Große Pläne hatte Investor Hasan Ismaik bei seinem Einstieg im Jahr 2011. Der 42-Jährige wollte den damaligen Zweitligisten nicht nur zurück in die Bundesliga führen, sondern träumte auch davon, die Löwen eines Tages in der Champions League spielen zu sehen. „Warum darf ich keine Träume haben? Selbstverständlich weiß ich, dass wir von solchen Highlights inzwischen Lichtjahre entfernt sind. Aber 1860 hat das Potenzial, schon alleine wegen seiner unglaublichen Strahlkraft und der fantastischen Fangemeinde“, betont der Unternehmer.

Der Trend ging nach dem Einstieg des Jordaniers allerdings in eine andere Richtung. Nach dem verpassten Klassenerhalt in der Zweitligaspielzeit 2016/17, wurden „die Blauen“ bis in die Regionalliga durchgereicht. Auch weil der 1860-Mehrheitsgesellschafter aufgrund von Differenzen mit der damaligen Führungsetage die Zahlung von rund drei Millionen Euro für eine Drittligalizenz verweigerte. Auch wenn der Ausflug in die Regionalliga Bayern nur ein kurzes Intermezzo war, wirken die Spannungen bis heute deutlich nach. Trotzdem verteidigt Präsident Robert Reisinger die geplante Etat-Kürzung von 3,0 auf 2,5 Millionen Euro: „Der Konsolidierungskurs ist zwingend für die Gesellschaft. Er ist keine Erfindung von mir.“

Bereits vor der laufenden Drittligaspielzeit 2019/20 konnte der Kader deshalb nur minimal verstärkt werden. Mit 14 Punkten aus elf Spielen belegt der TSV 1860 München momentan den 14. Tabellenplatz. „Bei aller Enttäuschung sollten wir nicht vergessen, dass sich der Verein in diesem Sommer dazu entschieden hat, das eine oder andere Talent aus dem Nachwuchsleistungszentrum hochzuziehen, weiter auszubilden und zu fördern. Angesichts des aktuellen Kurses ist das ein Weg, der auch grundsätzlich meine Zustimmung findet, wenngleich meine Ziele mit dem TSV 1860 nach wie vor unverändert bleiben“, meldete sich Hasan Ismaik nach der jüngsten 1:2 Pleite in Würzburg zu Wort. Es bleibt also weiterhin spannend an der Grünwalder Straße.

KFC Uerdingen

Abseits des Platzes präsentierte der KFC Uerdingen mit Stefan Effenberg ein weiteres prominentes Gesicht. Der 51-Jährige erhält bei den Krefeldern offiziell den Posten als Manager Sport und unterschreibt an der Grotenburg einen Vertrag bis 2022 (wir berichteten): „Der KFC ist definitiv kein Chaos-Klub. Chaos herrscht irgendwo anders.“

Allerdings zeigt alleine ein Blick auf den Trainerstuhl ein anderes Bild. Denn zuletzt wurde mit Heiko Vogel bereits der sechste Trainer seit der Übernahme des Investors Mikhail Ponomarev entlassen. Dabei hatte der Geschäftsmann im September 2017 noch große Pläne und ließ die Anhänger des damaligen Regionalligisten über eine Ausgliederung der Profiabteilung abstimmen. Dadurch sollten neue Investoren nach Krefeld gelockt werden. Allerdings gelang dies bis heute nicht. Der KFC ist komplett abhängig von Ponomarev. Trotzdem rief der Russe nach dem Aufstieg in die 3. Liga (2018/19) das Ziel aus, schon in drei Jahren in der 2. Bundesliga zu spielen. Nach Platz drei in der Hinrunde der Aufstiegssaison (37 Punkte), ging es im Jahr 2019 rasant bergab. Denn dort fuhr Uerdingen lediglich noch elf Punkte ein.

Auch in der aktuellen Drittligaspielzeit 2019/20 läuft der ehemalige Bundesligist mit lediglich drei Siegen aus elf Spielen den eigenen Erwartungen deutlich hinterher. Uerdingen-Urgestein Matthias Herget, der 1985 mit dem KFC Pokalsieger wurde, warnte kürzlich bei „Sport1“: „Ich sehe das Ganze kritisch. Denn wenn Ponomarev mal die Lust verliert weiterzumachen, dann dürfte es um den Verein schlecht bestellt sein.“

Ein kleiner Vorgeschmack, was dem KFC Uerdingen dabei blühen könnte, zeigt dabei ein Beispiel aus dem Eishockey. Denn der KFC-Boss hält als Gesellschafter 46 Prozent der Anteile bei den Krefelder Pinguinen. Beim DEL-Meister von 2003 soll Ponomarev aktuell mit zugesagten Zahlungen in Höhe von rund 500 000 Euro im Rückstand sein. „Dass Herr Ponomarev den Pinguinen Geld schuldet, wird nun gerichtlich geklärt werden müssen. Die Beweislage sollte ausreichend sein, weshalb eine Klage beste Aussichten auf Erfolg haben dürfte“, teilten die Pinguine zu diesem Vorgang auf ihrer Homepage mit. Dagegen kündigte Ponomarev an: „Ich versuche, meine Anteile an den Krefeld Pinguinen zu verkaufen und bin guter Dinge, dass es noch in dieser Woche Fortschritte geben wird.“ Ein undurchsichtiges Spiel mit ungewissem Ausgang.

1. FC Kaiserslautern

Auch beim 1. FC Kaiserslautern brennt sprichwörtlich der Baum. Denn auch die Pfälzer haben die Erwartungen bisher nicht erfüllt, finden sich mit 13 Punkten lediglich auf dem 15. Tabellenplatz wieder. Nach der 1:6-Pleite beim SV Meppen am achten Spieltag musste bereits Trainer Sascha Hildmann seinen Hut nehmen. Nachfolger Boris Schommers feierte zuletzt im Kellerduell gegen den FC Carl Zeiss Jena einen wichtigen 3:1-Heimerfolg.

Allerdings „pilgerten“ gegen Jena nur noch 16 083 Zuschauer ins Fritz-Walter-Stadion. Damit sorgten die FCK-Fans für die schlechteste Besucherzahl im Jahr 2019. Dabei besitzt der 1. FC Kaiserslautern laut dem Internetportal „transfermarkt.de“ mit einem Marktwert von rund 7,90 Millionen Euro den drittteuersten Kader der 3. Liga. Auch dank der Investitionsspritze von Flavio Becca.

Dieser machte alleine kurz vor Transferschluss den Weg für die Verpflichtung von Angreifer Lucas Röser (Dynamo Dresden) frei. Doch außerhalb des grünen Rasens kommt der Traditionsverein einfach nicht zur Ruhe. So erklärten zuletzt die drei Aufsichtsräte Bruno Otter (seit Mai 2019), Patrick Banf und Jochen Grotepaß mit sofortiger Wirkung den Rücktritt von ihren Ämtern als Aufsichtsräte des 1. FC Kaiserslautern e.V. und scheiden damit auch aus dem Beirat der 1. FC Kaiserslautern Management GmbH aus. Die für den 20. Oktober geplante Jahreshauptversammlung muss folgerichtig verschoben werden.

Nicht ohne Folgen: Rund drei Millionen Euro stellte Investor Flavio Becca dem 1. FC Kaiserslautern im Sommer zur Sicherung der Lizenz zur Verfügung. Anschließend sollte die Bürgschaft in Eigenkapital umgewandelt werden, doch der Luxemburger zögert nach den jüngsten Entwicklungen mit der endgültigen Unterschrift der Verträge: „Du weißt nicht, wo die Karre hinläuft. Morgen übernehmen möglicherweise Leute beim Verein die Führung, die ich nicht kenne. Wenn auch die Fehler machen, muss ich dann auch für die bezahlen ... Ich muss Stabilität haben. Wenn ich keine Garantie habe, kann ich keinen Vertrag unterschreiben.“ Dabei betonte der 57-Jährige noch Mitte August im Hinblick auf die angedachte Umwandlung seiner Bürgschaft zu einem Aktienanteil von rund sieben Prozent: „Die Entscheidung steht.“

Der FCK ist allerdings auf die Unterstützung des Unternehmers angewiesen. Denn sollte diese ausbleiben, könnten laut Sportmagazin „Kicker“ für die Saison 2020/21 bis zu zehn Millionen Euro fehlen.