Fußball

DFB-Pokal Wegen Hygiene-Auflagen trägt der 1. FC Schweinfurt 05 sein DFB-Pokalspiel gegen den FC Schalke 04 in Gelsenkirchen aus

Die Hoffnung auf den Nadelstich

Archivartikel

Am 17. August 2018 war das Schweinfurter Willy-Sachs-Stadion picke packe voll: 15 060 Zuschauer drängten sich in das in die Jahre gekommene Rund des Regionalligisten. Der FC Schalke 04 war in der 1. Hauptrunde des DFB-Pokal zu Gast. Der Underdog bot den Schalker Knappen einen großen Kampf. Ein Elfmetertreffer des algerischen Nationalspielers Nabil Benthaleb und ein Schweinfurter Eigentor genügten, dass behäbige Schalker der Blamage entgingen. „Es wäre mehr drinnen gewesen“, lautete das einhellige Gefühl nachher bei den „Schnüdeln“ aus Unterfranken. Am kommenden Wochenende hat der FC 05 die Gelegenheit zur Revanche.

Wieder in der 1. Runde des DFB-Pokals. Doch im Corona-Jahr ist alles anders. Der David reist zum Goliath, könnte man sagen. Durch die strengen Hygiene- und Sicherheitsstandards des DFB sehen sich viele Vereine aus den Amateurligen gezwungen, ihr Heimrecht an den Profiklub abzutreten. So auch im Fall der Schweinfurter. Der logistische und finanzielle Aufwand wäre bei einem Heimspiel im Willy-Sachs-Stadion erheblich geworden. Ohne (oder fast ohne Zuschauer) wäre dabei die Antrittsprämie von 175 000 Euro großteils draufgegangen. Es mag skurril anmuten, doch für die Schweinfurter ist es die vernünftigste Entscheidung, sich am Samstagmittag in den Bus zu setzen, vier Stunden in Richtung Ruhrgebiet zu fahren, eine Nacht dort im Hotel zu verbringen und dann am Sonntag ab 15.30 Uhr vor 300 erlaubten Zuschauern in der „Veltins Arena“ den Bundesliga-12. der vorigen Saison herauszufordern.

„Für mich ist es absolut okay, dass wir unser Heimrecht getauscht haben“, erklärte FC 05-Trainer Tobias Strobl den Fränkischen Nachrichten: „Daher, dass sowieso keine Zuschauer ins Stadion gedurft hätten, finde ich das nicht schlimm.“ Er hofft indes, dass möglichst viele Fans ihnen vor dem Fernsehbildschirm aus der Ferne die Daumen drücken, wenn sie zum „Wettkampfspiel“ in der Arena auflaufen.

Das gab es vor 30 Jahren schon

Das Wort „Wettkampfspiel“ betont er mit großen Stolz. Nach knapp 30 Jahren kehren die Nullfünfer zurück nach Schalke. Im damaligen Zweitligaduell behielt der spätere Meister Schalke 04 vor 30 300 Zuschauern im Parkstadion die Oberhand. Einen gefühlten Nachteil spürt Strobl in der diesjährigen Gesamtsituation für die „Kleinen“ aber freilich vorab schon. „Bestimmt ist so eine Pokalsensation, wenn du vor ausverkauften Haus in deinem eigenen Stadion spielst, das ein oder andere Prozentchen realistischer.“

Rein sportlich gesehen ist das Team des erst 32 Jahre alten Trainers, der seit November 2019 das Zepter in Schweinfurt schwingt, dafür bestens vorbereitet. Auch wenn das letzte Ligaspiel bereits 190 Tage zurückliegt, ist der FC 05 in beachtlicher Verfassung. Durch die Vorbereitung marschierte die Strobl-Elf komplett ohne Niederlage. Zuletzt gab es einen überzeugenden 2:0-Erfolg beim Drittliga-Topteam FC Ingolstadt. „Meine Jungs ziehen seit Wochen extrem gut mit.“, betont Strobl: „Die Stimmung ist super.“ Acht Neue hat der Verein im Sommer geholt, damit das große Ziel – der Aufstieg in die 3. Liga – nächstes Jahr endlich in die Tat umgesetzt werden kann.

Seit drei Jahren probiert sich der Klub dahingehend erfolglos. 2017 stellte man, mit dem finanzstarken Sponsor und Vereinspräsident Markus Wolf im Rücken, komplett auf Profitum um. Doch jedes Mal stand mindestens ein Konkurrent vor ihnen in der Tabelle. Vielleicht wird der Anlauf 2020/21 der letzte. Viel länger dürfte der Aufwand finanziell nicht zu stemmen sein.

Die Gegenwart aber heißt Pokal gegen Schalke 04. „Wir fahren natürlich mit Respekt zu einem nicht ganz schlechten Bundesligisten.“, erzählt Strobl: „Trotzdem wollen wir dort die wenigen Prozentchancen, die wir haben werden, nutzen. Wir wollen in Phasen dort mutig auftreten. Natürlich wird es auch Phasen geben, in denen Schalke die Kontrolle hat und wir unser Tor verteidigen müssen. Ich erwarte ein facettenreiches Spiel, das wir lange versuchen werden, offen zu gestalten und vielleicht irgendwann den Nadelstich zu setzen.“ Es wird in jedem Fall etwas ganz Besonderes für die „Grün-Weißen“ in der fast menschenleeren Arena auf Schalke. „Die Jungs sollen das einfach jeden Moment aufsaugen.“, fordert Strobl. Eine Touristengruppe bei der Stadionführungen will der 1. FC Schweinfurt 05 allerdings gewiss nicht abgeben.