Fußball

Fußball Hobbystatistiker Udo Luy aus Kleinrinderfeld hat drei neue Bände veröffentlicht, die sich mit der Geschichte des Süddeutschen Fußball-Verbandes befassen

Auf der Jagd nach historischen Fakten

Udo Luy taucht gerne ab – in die Welt der historischen Zahlen, Fakten und Daten. Der 71-jährige Kleinrinderfelder geht voll und ganz auf in seinem Element – er „wühlt“ und stöbert für sein Leben gerne in der Vergangenheit. Denn er ist leidenschaftlicher Statistiker.

Der Fußball hat es ihm dabei ganz besonders angetan – hier vor allem die Zeit vor den Weltkriegen. In einer wahren Sissifussarbeit hat er in all den Jahren ein Archiv zusammengetragen, das deutschlandweit wohl seinesgleichen sucht. Mittlerweile hat Luy im Eigenverlag drei weitere Bücher veröffentlicht – sie befassen sich mit der Geschichte des Süddeutschen Fußball-Verbandes von 1889 bis 1914.

Stets auf Achse

„Der Weg ist das Ziel“ – auf Udo Luy trifft dies voll und ganz zu. Ankommen, das ist für den Rentner wahrlich ein Fremdwort. Denn er sei stets auf Achse und „fahnde“ ständig, sagt er lachend im Gespräch mit den Fränkischen Nachrichten, nach historischem Material, um sein ohnehin riesengroßes Repertoire weiter aufzustocken. Nach wie vor gebe es nämlich, trotz der großen Sammelleidenschaft des gebürtigen Nürnbergers, viele Lücken, die allerdings Stück für Stück geschlossen werden sollen.

Udo Luy, seit vielen Jahren Mitglied im Deutschen Sportclub für Fußball-Statistiken (DSFS) und bekennender Fan des 1. FC Köln, hat bereits mehrere Werke veröffentlicht. Wenn er in seinem Büro sitzt, dann taucht er ab in eine Welt, die für ihn längst zur Leidenschaft geworden ist. Innehalten und mal nichts tun – das ist nichts für den Wahl-Unterfranken. Und so ist er ständig dabei, sein digitalisiertes Archiv zu erweitern und auf Vordermann zu bringen. „Zu tun gibt es immer etwas“, lässt er wissen – und die Ideen gehen ihm eigentlich nie zur Neige.

Dass sein Hobby zeitaufwendig ist, das will Udo Luy überhaupt nicht von der Hand weisen. Doch die Jagd nach historischen Informationen, die in seinem Fundus noch nicht vorhanden sind, fasziniere ihn jedes Mal aufs Neue. Und selbige beschaffe er sich auf die verschiedensten Arten und Weisen.

Eigeninitiative das A und O

Eigeninitiative sei dabei das A und O, erzählt er seinem Büro, in dem mehrere hundert Aktenordner fein säuberlich in den Regalen stehen. Doch er wisse ganz genau, wo was zu finden sei. Viel sei er unterwegs bei Vereinen, in Archiven oder bei Verbänden. Mit Medien sei er ebenso im Austausch, doch es komme gelegentlich auch mal vor, dass „mir Privatleute Kartons mit alten Sportzeitungen vorbeibringen“, von denen es in der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg über 400 in Deutschland gegeben habe, erzählt er.

Für solch ein Hobby Jüngere zu begeistern, sei aus seiner Sicht ein schwieriges bis nahezu unmögliches Unterfangen. Er hoffe, so sagt Udo Luy, dass er noch viele Jahre fit bleibe, um noch das eine oder andere Werk zu veröffentlichen. Ideen und Visionen dafür habe er zur Genüge. Und vielleicht ergebe sich in vielen Jahren dann die Gelegenheit, seine umfangreiche Sammlung dauerhaft in einem Archiv der Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

Eben erst hat sich Udo Luy mit dem Süddeutschen Fußball-Verband von seinen Anfängen 1889 bis 1914 ausführliche befasst. Und wer die drei dicken Bände in Händen hält, erkennt auf den ersten Blick, wie viel Engagement, Zeit und Herzblut der 71-Jährige eingebracht hat. Denn hierbei handelt es sich um ein Nachschlagewerk, das es so sicher noch nicht gibt. Zu finden sind Kreuztabellen mit Datum und Ergebnissen bis in die unteren Ligen. Dazu Wappen, seltene Fotodokumente, Aufstellungen, Spielorte, Geschichten über Funktionäre und vieles mehr. Auf einen Nenner gebracht: Alles, was das Historiker-Fußballherz begehrt – zumal Luy seine Leser mit höchst interessanten Vereinen konfrontiert: Würzburg 04, Kickers Würzburg, Schweinfurt 05, FV 1893 Stuttgart (später VfB), Stuttgarter Kickers, 1. FC Pforzheim, Straßburger FV oder den mehrfachen Süddeutschen Meister Karlsruher FV – um nur einige zu nennen.

Viel mit dem Pkw unterwegs

Was habe er nicht alles recherchiert, blickt Luy zurück, wobei er pro Jahr bis zu 15 000 Kilometer im Pkw für sein Hobby zurückgelegt habe. „Ganz wesentlich hat mich in meiner Arbeit die Deutsche Nationalbibliothek in Leipzig unterstützt“, findet der ehemalige Großhandelskaufmann dankbare Worte, der seine Daten zwischenzeitlich auf mehr als 600 Gigabyte gespeichert hat – und ein Ende ist noch lange nicht in Sicht.

Selbst dem FC Bayern München habe er helfen können, dessen Archiv aufzufüllen, denn für die Zeit „zwischen 1900 und 1913 war vieles nicht vorhanden“. Lohn für seine tatkräftige Unterstützung sei eine Einladung zum Gebertag 2018 gewesen, bei dem er unter anderem mit Giovane Elber fachsimpelte. Ähnliche Besuche führten ihn auch bereits zum VfB Stuttgart, zum 1. FC Köln oder zu Fortuna Düsseldorf.

„Für mich hat die Aufarbeitung des deutschen Fußballs längst einen ganz besonderen Reiz“, erklärt der Kleinrinderfelder, der bereits vor vielen Jahren in diversen Almanachen geblättert und aufgrund seines Fachwissens längst den Status eines Experten erreicht hat. Wenn erst einmal sein Ehrgeiz für eine Sache geweckt sei, dann avanciere dieser – im positiven Sinne – zu einer Sucht, von der nur noch schwer loszukommen sei. Geht es nach ihm, stehen noch viele Jahre der Recherche bevor.