Fußball

Fußball Die meisten Vereinsvertreter aller Regionalligen Deutschlands plädieren für Saisonabbruch / Uneinigkeit herrscht aber über die Aufstiegsregelungen

Auch über ein Turnier wird diskutiert

Noch herrscht keine endgültige Klarheit wie die fünf Regionalligen gewertet werden können. Zwar haben die jeweiligen Landesverbände mittlerweile die Vereine um eine Stellungnahme gebeten. Dabei scheiden sich gerade in der Aufstiegsfrage zur 3. Liga die Geister. Die Fränkischen Nachrichten geben einen Überblick:

Regionalliga Bayern: Wann und wie genau es mit der Regionalliga Bayern in der Spielzeit 2019/20 weitergeht, ist auch zwei Monate nach der Saison-Unterbrechung weiterhin völlig offen. Fest steht bisher nur, dass aus der Regionalliga Bayern der Verein zur Teilnahme an der Drittliga-Saison 2020/21 beim Deutschen Fußball-Bund (DFB) gemeldet wird, der sportlich zum Datum des Ablaufs der Meldefrist an der Tabellenspitze steht (wir berichteten). Gleiche Regelung gilt auch für den bayerischen Startplatz in der ersten DFB-Pokal-Hauptrunde 2020/21, der dem Bayerischen Amateurmeister als bestem Amateurteam (Zweitvertretungen von Profiklubs ausgenommen) aus der Regionalliga Bayern zusteht. Vom BFV wird dem DFB auch hier der Verein gemeldet, der sportlich zum Datum des Ablaufs der Meldefrist das in der Tabelle bestplatzierte Amateurteam stellt. Aktuell sorgt Tabellenführer Türkgücü München für Schlagzeilen. Erst Ende Februar musste völlig überraschend Geschäftsführer Robert Hettich seinen Hut bei den Oberbayern nehmen. Nun trennte sich der Liganeuling auch noch von seinem Cheftrainer Reiner Maurer: „Ich nehme das sportlich hin. Der Präsident bezahlt alles, also entscheidet er“, so Maurer. Generell scheint das Projekt Drittligaaufstieg aktuell zu wackeln. Nach Informationen der Süddeutschen Zeitung (SZ) soll Präsident Kivran gar schon gegen Ende der Winterpause gegenüber der Mannschaft mit dem Abbruch des Projekts Türkgücü im Sommer gedroht haben. Dabei sollen neben der Stadionthematik auch finanzielle Aspekte eine Rolle spielen. Beim Tabellenzeiten 1. FC Schweinfurt 05 sieht man die Entwicklungen in München relativ gelassen. Denn auch der FC 05 hat die Drittligalizenz nur unter Auflagen erhalten. Unter anderem erfüllt das heimische Willy-Sachs-Stadion derzeit die Drittligaansprüche nicht. Laut Präsident Markus Wolf könnte der Sprung in die 3. Liga unter diesen Umständen Mehrkosten von rund zwei Millionen Euro bedeuten. Trotzdem planen die Schweinfurter Verantwortlichen Gespräche mit der Stadt und Sponsoren, um einen möglichen Finanzrahmen zur Stadionanpassung abstecken zu können.

Regionalliga Südwest: Mehr Klarheit herrscht unterdessen in der Regionalliga Südwest. Dort stand eine Videokonferenz des Ligaträgers Regionalliga Südwest GbR mit Vertretern der 18 Vereine der Südwest-Staffel an. Dabei votierte die Mehrheit der Vereine dafür, dass die Hygienevorschriften und damit einhergehende Geisterspiele nicht umsetzbar seien. Zugleich lehnten die Klubs eine Verlängerung der Saison über den 30. Juni hinaus ab. Für den Fall des Worst-Case-Szenarios haben sich demnach die Spielkommission und die Gesellschafterversammlung darauf verständigt, dass der Aufsteiger in die 3. Liga anhand einer Quotientenregelung ermittelt werden soll. Zudem soll es keine Absteiger geben. Dazu sagte noch der Geschäftsführer der Regionalliga Südwest GbR Sascha Döther: „Alternativ wäre auch denkbar, den Aufsteiger anhand der Vorrundentabelle zu ermitteln. Dafür spricht, dass dann grundsätzlich einmal jeder gegen jeden gespielt hätte. Die Quotienten-Regelung hat demgegenüber den Vorteil, dass jedes ausgetragene Spiel angemessen berücksichtigt werden kann und dies der Absolvierung sämtlicher Meisterschaftsspiele, wie es ursprünglich vorgesehen war, näher kommt. Aber auf diesem Wege wird keine Beschlussfassung erfolgen. Vielmehr sind wir an den Argumenten interessiert, die unsere Gremien bei ihren Entscheidungen berücksichtigen werden. Die Entscheidungen treffen dann die Gremien der Regionalliga Südwest.“ In beiden Fällen würde der 1. FC Saarbrücken in die 3. Liga aufsteigen. Unterdessen hat sich der Hessische Fußball-Verband (HFV) dafür stark gemacht, dass der zweite Tabellenplatz, der zur Teilnahme an der Aufstiegsrunde zur Regionalliga Südwest berechtigt, auf Basis der vielzitierten Quotientenregelung gewertet werden solle. Betroffen sind dabei neben der Hessenliga, die Oberligen Baden-Württemberg und die in Rheinland-Pfalz/Saar. Nach derzeitigem Stand würde der KSV Hessen Kassel (Tabellenzweiter Hessenliga) bei Anwendung dieser Regelung als vierter Verein in die Regionalliga Südwest aufsteigen. Allerdings soll dieser Vorschlag in der virtuellen Sitzung der Gesellschafterversammlung bei einer Probeabstimmung mit 5:2 abgelehnt worden sein.

Regionalliga Nord: Die Vereine der Regionalliga Nord haben in einer Telefonkonferenz gemeinsam mit dem Geschäftsführenden NFV-Präsidium, Spielleiter Jürgen Stebani sowie Reenald Koch, Vorsitzender des NFV-Regionalligaausschusses, für einen Abbruch der Spielzeit 2019/2020 votiert. Alle zugeschalteten Teilnehmer der 18 Vereine der Regionalliga Nord der Herren bestätigten die vorab schon per Umfrage abgegebene Auffassung, dass eine Fortführung der Saison mit Geisterspielen oder zu einem späteren Zeitpunkt für sie nicht durchführbar und eine Beendigung der Saison ohne Alternative sei. Diskussionen gab es darüber ob die Auf- und Abstiegsfrage per Quotient beantwortet werden solle. Mehrheitlich sprachen sich die Vereinsvertreter dabei dafür aus, auf Absteiger zu verzichten und in der kommenden Spielzeit mit einer aufgestockten Liga spielen zu wollen. Im Rahmen der zuvor versendeten Umfrage wurde von einigen Vereinen bezüglich der Aufstiegsfrage in die 3. Liga der Vorschlag einer Relegationsrunde (Hin- und Rückspiel) zwischen dem VfB Lübeck und dem VfL Wolfsburg II gemacht anstelle der Quotientenregelung. Nach ausführlichem Meinungsaustausch der Teilnehmer votierte eine knappe Mehrheit für die Austragung einer Relegation. Allerdings lehnt Spitzenreiter VfL Lübeck diesen Beschluss klar ab. Eine endgültige Entscheidung über die Wertung der Spielzeit fällt bei einem Außerordentlichen NFV-Verbandstag (Ende Juni).

Regionalliga Nordost: Auch in der Regionalliga Nordost votiert die Mehrheit der Vereine für einen Saisonabbruch. Das bestätigte Halberstadts Präsident Erik Hartmann: „Die Verlängerung der Saison war kein Thema mehr und der NOFV hat uns mitgeteilt, dass man vorsieht, die Saison aufgrund höherer Gewalt auslaufen zu lassen. Dabei soll es keinen Meister und keinen Absteiger geben. Wer dann die Aufstiegsspiele zur 3. Liga antreten soll, darüber wurde natürlich etwas kontroverser diskutiert. Der NOFV favorisiert die Quotientenregelung. Einen anderen Weg als das Auslaufen der Saison zum 30. Juni, so wie es manche Landesverbände anstreben, halte ich auch für völlig inakzeptabel.“ Eine offizielle Bestätigung des Nordostdeutschen Fußball-Verbandes (NOF) steht diesbezüglich noch aus. Sollte es tatsächlich zur Anwendung der Quotientenregelung kommen, wäre der 1. FC Lok Leipzig Meister und würde in den Aufstiegsspielen zur 3. Liga auf den Meister der Regionalliga West treffen. Allerdings müssten sich die Leipziger im Aufstiegsfall nach einem Ausweichstadion umsehen. Unter anderem prüft derzeit Energie Cottbus juristische Schritte und fordert die Einführung einer zweigleisigen 3. Liga.

Regionalliga West: In der Regionalliga West tendieren derzeit 16 von 18 Vereinen zu einem Saisonabbruch. Nur Rot-Weiss Essen stimmte dagegen, die U23 von Borussia Mönchengladbach enthielt sich. Außerdem haben sich Vereine und Verband festgelegt, keine Geisterspiele in der 4. Liga bestreiten zu wollen. Sogenannte Großveranstaltungen (mehr als 1000 Teilnehmer) sind bis mindestens zum 31. August verboten. Für endgültige Klarheit in dieser Frage soll nun ein Außerordentlicher Verbandstag des Westdeutschen Fußballverbandes (WDFV) sorgen. Dieser finde allerdings wohl frühestens Ende Mai/Anfang Juni statt. Als sicher gilt: Der Abstieg aus der West-Staffel wird ausgesetzt. Ein Teilnehmer für die Aufstiegsspiele zur 3. Liga gegen den Meister der Regionalliga Nordost (voraussichtlich 1. FC Lok Leipzig) soll aber definitiv benannt werden. Da Spitzenreiter SV Rödinghausen auf einen möglichen Aufstieg verzichtet hat, bleibt der Tabellenzweite SC Verl aktuell aussichtsreichster Kandidat. Denn bei allen möglichen Kriterien (Hinrundenabschluss, aktuelle Tabelle, Quotientenregelung) haben die Ostwestfalen gegenüber den Verfolgern Rot-Weiss Essen und Rot-Weiß Oberhausen die besseren Karten. Eben jene beiden haben nun beim Präsidium des WDFV beantragt, den Relegationsteilnehmer der Spielzeit 2019/20 sportlich zu ermitteln und in einem Art Mini-Turnier auszuspielen. Alle Partien sollten auf neutralem Platz unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfinden.