Freudenberg

Tag des offenen Denkmals Geschichte und Geschichten rund um die Freudenburg

Von Hexen und Tabakkriegen

Freudenberg.Neben der Führung entlang der Mainpromenade gab es in Freudenberg am Sonntag auch eine Führung auf der Freudenburg. Anita Puterbaugh berichtete im Rahmen des Tags des offenen Denkmals über Geschichte und Geschichten rund um Burg und Stadt. Freudenberg verdanke seine Existenz der Freudenburg. Der älteste Teil davon ist der Bergfried, der aus der Zeit um 1190 stammt. „Bei der genauen Datierung ist man sich nicht ganz einig.“ Gebaut wurde der 30 Meter hohe Turm mit bis zu vier Meter dicken Mauern im Auftrag des Bischofs von Würzburg. „Er war Machtsymbol gegenüber den Bischöfen des nahen Bistums Mainz und zeigte, das ist mein Gebiet.“ Der Bau ging als Lehen an die Grafen von Wertheim. „Der Bergfried stand fast hundert Jahre allein hier.“

Leerstand und Verfall

1361 habe ein Sohn des Wertheimer Grafen begonnen, die Burganlage um Palas, Kemenate und Kapelle zu ergänzen. „Das Ganze wurde in zehn Jahren gebaut.“ Nachdem er kinderlos verstorben war, habe die Burg wieder rund ein Jahrhundert leer gestanden. 1497 kam Graf Erasmus, den die Freudenberger nur „Asmus“ nennen, mit seiner reichen Frau auf die Freudenburg. „Mit dem Geld seiner Frau baute er die Burg ab 1499 weiter aus.“ Zudem ließ Asmus des Rathauses in der Stadt errichten. Er verstarb 1509 kinderlos – und die Burg stand wieder leer. Bis zum Bau des Amtshauses 1627 habe nur noch der Amtmann auf dem Areal gelebt.

Die Burg sei im Laufe der Zeit zerfallen und überwuchert. „Sie war eine totale Ruine.“ Mitte der 80er Jahre entschieden sich die Ehrenamtlichen der „Burginitiative“ unter Leitung von Franz Hofmann, das Wahrzeichen der Stadt zu retten. Dazu seien viele tausend Arbeitsstunden investiert worden. Am 2. Juli 1995 erwarb die Stadt die Burg zum symbolischen Preis von einer Mark.

Die Gästeführerin ging auf die Hexenverfolgung ein, die 1616 bis 1618 besonders schlimm war. 150 Bewohner seien ihr zum Opfer gefallen. Der Geschützturm habe ab 1590 als Gefängnis gedient. „Daran erinnert die Hexenfigur am Turm.“

Weiter berichtete sie von zwei Pestepidemien, denen insgesamt 750 Menschen um Opfer fielen. Freudenberg sei ein armes Städtchen gewesen, mit wenig landwirtschaftlichen Erträgen. Viele Männer hätten in den Steinbrüchen entlang des Mains gearbeitet und Sandstein abgebaut. „Durch ihre Staublunge war ihre Lebenserwartung nicht sehr hoch.“ Anfangs widmete sich die Landwirtschaft der Stadt dem Obstbau. „Als billige Produkte aus Übersee kamen, wechselte man zum Tabakanbau“. Diesen habe es bis in die 1950er Jahre gegeben. In diesen Zusammenhang berichtete sie vom „Freudenberger Tabakkrieg“. bdg