Freudenberg

Fußverkehrs-Check Abschlussworkshop brachte zahlreiche Schwachstellen zum Vorschein / Vollständiger Bericht im Februar erwartet

Von A wie Ampel bis Z wie Zebrastreifen

Beim Abschlussworkshop des Fußverkehrs-Checks in Freudenberg wurden zahlreiche Möglichkeiten vorgestellt, welche die Sicherheit und Attraktivität der Stadt für Fußgänger verbessern.

Freudenberg. Die Mitarbeiter des Büros Planersocietät hatten im Rahmen des Programms zahlreiche Informationen und Kritikpunkte rund um die Fußwege in Kernstadt und Ortsteilen gesammelt. Nach einem Auftaktworkshop gab es eine Begehung von Teilen der Kernstadt mit Schülern der Lindtalschule sowie Erwachsenen verschiedener gesellschaftlicher Gruppen (wir berichteten). Am Dienstagabend endete der Fußverkehrs-Check mit einem Workshop.

Bürgermeister Roger Henning dankte den Planern, allen an den Rundgängen Beteiligten, sowie Elisabeth Huba-Mang vom Familien-, Senioren- und Integrationsbüro (FSI) der Verwaltung. Nur durch das Zusammenspiel aller sei ein gutes Gesamtbild möglich geworden. Der Geograf und Raumplaner Pascal Wolf betonte am Dienstag einleitend: „Wir können heute Abend nicht alle Punkte der Begehungen aufgreifen.“ Er sagte aber zu, dass sich diese vollständig im Bericht zum Projekt finden, der voraussichtlich im Februar 2020 fertig gestellt sein werde.

Fragebogen für Schüler

An der Schule hatte es neben der Begehung auch einen Fragebogen für die teilnehmenden Schülerinnen und Schüler sowie die Eltern gegeben. Erfreulich fand Wolf, dass ein Großteil der Kinder angab, zu Fuß zur Schule zu laufen, knapp zwei Drittel von ihnen in Gruppen. Gründe dafür waren, dass es die Eltern so vorgeben, aber auch aus Spaß und weil Freunde auch so zur Schule kommen. Sechs von 20 Kindern hatten angegeben, sie fühlen sich zumindest teilweise auf dem Schulweg unsicher.

Dies begründeten sie mit längeren Wegen entlang der Hauptstraße und Konflikte mit Autofahrern. Als unsichere Punkte wurden der Bereich Dürrbachstraße/ Hauptstraße sowie die Überquerung der L 2310 an de Schule genannt. Die befragten Eltern sahen Gefahren insbesondere durch rasende Autos und zu viel Verkehr.

Bei der Begehung der Erwachsenen wurden vor allem zahlreiche Probleme entlang der Hauptstraße genannt. Dazu gehörten mangelnde Wegbreiten, fehlende Querungsmöglichkeiten und häufig mit Barrieren behaftete Oberflächen, zum Beispiel durch Neigung der Gehwege in Richtung Fahrbahn.

Der Planer betonte, dass die zahlreichen Probleme entlang der Hauptstraße sich maßgeblich auf den Fußverkehr auswirken. Hier sei der Austausch mit dem Land als Straßenbaulastträger wichtig. Ausführlich stellte er positive und negative Aspekte für Fußgänger in der Kernstadt vor und schlug Lösungsmöglichkeiten vor. „Diese muss man in kurz-, mittel-, und langfristige Lösungen differenzieren.“

Als positiv bewerteten Planer und Bürger die gute Orientierung durch Wegweiser vor allem im Freizeitverkehr. Nachholbedarf attestierte man in der Berollbarkeit von Wegen (Querneigung und Unebenheiten) sowie fehlende Sitzmöglichkeiten auch im Alltagswegsystem und an besonderen Plätzen. Zudem wurde festgestellt, dass die Straßenquerung noch nicht an allen Stellen gefahrlos möglich ist.

Anhand verschiedener Handlungsfelder stellte Wolf Lösungsansätze für die genannten Probleme vor. Bei der Festlegung der Standorte von Querungshilfen müsse man das Verhältnis zwischen Fußgänger- und Fahrzeugzahl, sowie die Geschwindigkeit der Fahrzeuge berücksichtigen. Beispielhaft ging er auf die Querung der Mainbrücke an der Hauptstraße ein. Diese könnte man bis zu vier Meter von der Einfahrt abrücken. Er sprach sich jedoch für einen Übergang in der Nähe der Zufahrten aus, so dass dieser Übergang von allen Seiten gut einsehbar sei.

Problematische Zufahrt

Als problematisch stufte der Planer die Zufahrt zur Zollgasse ein, da dort ein Aufstellbereich für die Fußgänger liegt. Eventuell könnte man die Ausfahrt daraus beschränken, so Wolf.

Für das Mainvorland schlug er baulich abgesetzte Markierungen und farblich hervorgehobene Übergangsbereiche vor, beispielsweise an der Verbindung Maingartenkiosk und Mäuerchen. „Man sollte eine sinnvolle Abgrenzung und Schutz an wichtigen Querungen schaffen.“

Eine weitere Hilfe seien Gehwegvorstreckungen. Eine Gehwegvorstreckung ist ein Bürgersteig, der wie eine Nase in die Straße hineinragt und diese auf die tatsächliche Fahrspur verengt. So können Fußgänger und Autofahrer Blickkontakt aufnehmen.

Als kurzfristige Maßnahme in Wohngebieten helfe es schon, unter anderem Hecken zurückzuschneiden.

Im Handlungsfeld Wegequalität nannte er die Sicherstellung der Beleuchtung, das Freihalten von Gehwegen, die Schaffung neuer Gehwege (zum Beispiel „Neue Heimat“) und bei ausreichender Gehwegbreite das Aufstellen von Begrenzungspfosten, um das Parken von Fahrzeugen darauf zu verhindern.

An der Hauptstraße könnte man als kurzfristige Maßnahme Gehwege besser frei halten (unter anderem von Werbe-Aufstellern und Auslagen). Es soll geprüft werden, inwieweit Hindernisse, wie abgesenkte oder erhabene Gullideckel verbessert werden können. Alternativwege, wie im Bereich um die alte Kirche, sollen deutlich gekennzeichnet werden. Mittel- bis langfristig könnte man beispielsweise die Busbuchten durch Vorziehen des Gehwegs in sogenannte „Buskaps“ umwandeln, bei denen der Bus auf der Fahrbahn hält. Für die Maingasse regte der Planer leicht kippbare Begrenzungspfosten an. Geprüft werden sollte seiner Meinung nach auch eine Sperrung des Verbindungswegs Hauptstraße - Mühlgrundweg, da dieser für den KFZ-Verkehr nicht zwingend erforderlich ist, für Fußgänger aber eine hohe Bedeutung habe.

Im Handlungsfeld Wegequalität nannte Wolf auch die Schaffung von Quartierplätzen, die Sitzmöglichkeiten für alle Generationen und kleinere Spielmöglichkeiten bieten. Hinsichtlich der Barrierefreiheit gehe es beispielsweise darum, Querneigungen abzubauen. Im Bereich der Schulwege schlug er beispielsweise Verbesserung der Sicht für die kleinen Verkehrsteilnehmer sowie eine Verlängerung der Grünphase der Ampel an der Schule vor. Zudem sollten Querungsmöglichkeiten in Nebenstraßen verbessert werden.

In den Ortsteilen

Die Mitarbeiter des Büros „Planersocietät“ aus Dortmund hatten auch eigene Begehungen in den Ortsteilen durchgeführt. Hier monierten die Planer fehlende Querungsmöglichkeiten über die Hauptstraßen, problematische Sichtverhältnisse, zu wenig Gehwege in den Nebenstraßen und zu viele Hindernisse im Fußwegebereich, die teilweise für Engstellen sorgen.

Hinsichtlich der Querungen in den Ortsteilen schlug Planer Pascal Wolf eine Prüfung wesentlicher Wegeverbindungen vor. Zudem solle man unbedingt auf aufmerksamkeitsfördernde Maßnahmen, wie Achtung-Fußgänger-Schilder und Fußstapfensymbole auf der Straße setzen. Wo es nötig ist sollen Querungsmöglichkeiten, wie Zebrastreifen, geschaffen werden.

Bei der Bürgerdiskussion im Abschlussworkshop wurde deutlich, dass man sich Verbesserungen auch im Bereich des „Neubaugebiets“ rund um den Odenwaldring wünscht. Planer Pascal Wolf und Bürgermeister Roger Henning betonten, dass sich die Vorschläge des Büros auch auf andere Bereiche der Stadt übertragen lassen.

Henning wies abschließend darauf hin, dass die Stadtverwaltung bereits einige Maßnahmen realisiert habe, weitere, wie das Aufstellen von Pollern, sollen folgen. Zudem hoffte Henning, dass der Abschlussbericht gute Argumente zur Verhandlung mit dem Land Baden-Württemberg hinsichtlich Verbesserungen an der Ortsdurchfahrt liefern wird.

Bei einer abschließenden Stimmungsabfrage zeigten sich die Bürger mit Verlauf und den Zwischenergebnissen des Fußverkehrschecks zufrieden.