Freudenberg

„Gärten im Klimawandel“ Vortrag beim Obst- und Gartenbauverein Freudenberg

Umdenken bei Anpflanzungen nötig

Freudenberg.„Gärten im Klimawandel“, lautete der Titel des Vortrags, den der Obst- und Gartenbauverein Freudenberg am Freitag in der Lindtalschule veranstaltete. Klaus Körber vom Institut für Erwerbs- und Freizeitgartenbau der Bayerischen Landesanstalt für Wein- und Gartenbau in Veitshöchheim machte dabei eindrücklich deutlich, dass ein Umdenken bei künftigen Bepflanzungen unumgänglich sein wird.

„Mit Sicherheit wird es irgendwann dazu kommen, dass wir unsere Gärten nicht mehr mit Trinkwasser gießen dürfen“, betonte der Redner gleich zu Beginn. Dabei verwies er auf die auch in der hiesigen Region zunehmende Trockenheit. Dies werde das Gartenbild verändern.

Zunächst sprach Körber über Stadtbegrünung. „Wir brauchen in der Gesellschaft Ehrfurcht vor Bäumen“, forderte er. Denn sie seien nicht nur für die Kohlenstoffdioxidspeicherung wichtig. „Bäume auf eine Größe zu bringen, die früher normal war, wird Geld kosten“, meinte er. Habe früher der natürliche Regen gereicht, müsse man heute künstlich bewässern. Künftig werde es schwieriger, Städte grün zu halten. Das sei aber für das Stadtklima wichtig.

Körber belegte seine Aussagen mit Statistiken. 2015 seien in Würzburg Temperaturen von 39 bis 40 Grad Celsius erreicht worden. Auch die Zahl der Hitzetage (Temperaturen über 30 Grad Celsius) nehme zu. Waren es 2015 in Würzburg noch 31, werden für Ende des Jahrhunderts dort 50 Hitzetage pro Jahr prognostiziert. „Fünf Grad mehr sind mehr, als man denkt“, erklärte Körber. „Haben Bäume unter der Rinde 46 Grad Celsius und mehr, reißen sie auf.“ Das komme in den vergangenen Jahren häufiger vor.

Eine Gegenmaßnahme sei, Bäume dauerhaft weiß anzustreichen und so die Wärmeabstrahlung der Stämme zu erhöhen. Auch ein guter Wasserdurchfluss durch den Baum kühle durch die Verdunstung. Dies bedeute aber einen hohen Wasserbedarf. Dem gegenüber stehen jedoch zunehmende Trockenperioden. Habe es in Würzburg 2015 nur noch 330 Liter Niederschlag gegeben, seien früher durchschnittlich 480 Liter pro Jahr normal gewesen.

Ein ausgetrockneter Boden erhöhe den Oberflächenabfluss. Im Grundwasser komme nur noch wenig Wasser an. Der Experte: „Wir müssen privat und in den Städten allen Regen sammeln und für Trockenzeiten aufbewahren.“ Zudem seien ein tieferes Einpflanzen der Bäume und der Einsatz von wasserspeicherndem Granulat im Wurzelbereich sinnvoll. Die Bewässerung sollte gezielt erfolgen.

„Wir müssen in Städten mehr in Schatten denken“, verdeutlichte Körber die Bedeutung der Begrünung. Dazu tragen mehr Bäume, aber auch Hausbegrünungen wie Wilder Wein bei. „Letzterer kommt gut mit Hitze klar und ist bei Bienen beliebt. Er fördert somit auch die Biodiversität.“ Eine Begrünung kühle die Gebäude.

„Die Winter werden bei uns nicht wirklich feuchter“, stellte der Redner fest. Auch der Schnee, dessen Feuchtigkeit langsam in den Boden dringe, werde seltener. Zunehmende Starkwinde sorgten für Sturmschäden. Mit Fotos verdeutlichte Körber das Sterben von Baummonokulturen wie bei Fichten ab 2004 und Kiefern vor allem ab 2018: „Käfer profitieren von der Anfälligkeit der Bäume durch den Trockenstress.“

Der Referent berichtete über Ergebnisse seines Instituts mit Bäumen aus aller Welt bei Versuchen in der Region. Festgestellt wurde, dass Eichenarten aus dem Balkan Hitze gut aushalten. Generell gelte es, in Siedlungsräumen auf Pflanzenarten zu setzen, die aus heißen Gegenden stammen und sich im Laufe der Evaluation der Hitze angepasst haben.

Den zweiten Teil seines Vortrags widmete sich der Experte der Biodiversität. Sein Institut habe Pflanzen hinsichtlich ihrer Eignung für Insekten untersucht. Es gebe 550 Wildbienenarten in Bayern. Über 50 davon habe man neben vielen weiteren Insekten in einem Jahr in den Versuchsbäumen der Landesanstalt gefunden. „Die nicht heimischen Bäume hatten genauso viele Tiere wie die einheimischen“, widersprach er der Vermutung, heimische Pflanzen währen besser für die Insekten. Körber: „Wir müssen beim Anpflanzen umdenken und dürfen nicht auf heimische Arten beharren.

Zuhörer stellten fest, sahen den Walnussbaum als Baum der Zukunft. Mancher hatte bei seinem Bäumen aber Probleme mit schwarzen, schleimigen Nüssen. Körber sah dies als Folge des Befalls mit einer asiatischen Fruchtfliegenart. Angesprochen auf den Götterbaum meinte der Referent, dass Naturschützer diesen momentan als invasive Art für Deutschland ablehnen würden. „In Städten wird es aber Flächen eben, auf denen nur noch so etwas wächst.“ Weiter warb er dafür, Pflanzen zu setzen, die insektenfreundlich sind.

Abschließend folgten Pflanzentipps zur Förderung der Biodiversität. Generell sollte man auf Pflanzen mit hoher Pollenzahl setzen. Besonders wichtig seinen zudem Pflanzen, die vor dem Obst blühen. bdg