Freudenberg

Landschaftspflege Nachfolgerin von Josef Wolf / 400 Tiere zusätzlich / Romantisches Bild trifft oft nicht zu

Petra Schuck übernimmt Boxtaler Schafe

Archivartikel

Die Schäferei ist wichtiger Bestandteil der Landschaftspflege. Für die Schäfer ist sie zudem eine Berufung.

Boxtal. Auf den Wiesen rund um Boxtal gehören grasende Schafe zum bekannten Ortsbild. Aber auch an anderen Orten des Main-Tauber-Kreises sind die Tiere wichtige Helfer bei der Pflege von Flächen in Landschaftsschutz- und FFH-Gebieten (Flaune-Flora-Habitat).

Ab dem kommenden Jahr wird die Schäferin Petra Schuck aus Helmstadt die Boxtaler Verträge der Beweidung sowie die Schafe übernehmen. Der bisherige Schäfer Josef Wolf musste die Tätigkeit aus gesundheitlichen Gründen beenden. Petra Schuck kümmert sich bereits seit August 2019 in dessen Auftrag um die Beweidung.

Schäferin zu sein ist ein Beruf, an dem man 365 Tage bei Wind und Wetter im Einsatz ist. Für Schuck ist er aber vor allem eine Berufung. „Ich war zehn als meine Familie die ersten Schafe kaufte. Ich war schon als Kind von der Schäferei fasziniert“, erzählt die 30-Jährige im Gespräch mit den Fränkischen Nachrichten.

Die Zahl der Schafe der Familie stieg erst auf 200. Ab 2007 stockte man nochmals auf heute 650 Schafe und 50 Ziegen auf. Die Tiere weiden im Raum Tauberbischofsheim. Nun kommen noch die rund 400 Schafe aus Boxtal dazu.

Ausbildung zur Tierwirtin

Petra Schuck absolvierte bis 2007 ihre Ausbildung zur Tierwirtin (Fachrichtung Schafe) an der Schule in Ochsenfurt und einer größeren Schäferei in Aschaffenburg. Seit 2007 arbeitet sie komplett im Betrieb ihrer Familie mit. 2012 legte sie erfolgreich ihre Prüfung zur Tierwirtschaftsmeisterin ab. Als Wolf ihr die Schafe und Flächen anbot, sagte sie zu. „Es ist eine Möglichkeit zu wachsen“, so Petra Schuck.

Im Raum Tauberbischofsheim beweiden Schucks Tiere Magerrasenflächen und Trockenrasen. Es gibt dort aber auch eine ganz Reihe geschützter Pflanzen und Nahrungspflanzen für geschützte Insekten und Schmetterlinge. In Boxtal handelt es sich vor allem um Streuobstwiesen. Die Beweidung verhindert ein Zuwachsen der Flächen. Gegenüber der maschinellen Bearbeitung habe sie mehrere Vorteile: „Schafe fressen schonender Flächen ab, als sie gemäht werden können“, erklärt Petra Schuck.

Zudem hinterließen sie keine Spurrillen wie schwere Fahrzeugen und zögen keine anderen Tiere in Mitleidenschaft. „Diese Form der Landschaftspflege ist für das Land auch deutlich günstiger als eine maschinelle Bearbeitung“, ergänzt sie.

Schafe tragen zur Verbreitung von Pflanzen bei, da sich deren Samen in der Wolle der Tiere festsetzen und so verteilen. Auf den nächsten Flächen würden die Pflanzen so wieder ausgesät. Die Areale liegen zum Teil sechs bis sieben Kilometer auseinander.

„Soweit fliegt kein Samen“, sagt die Schäferin. Die Wege mit den Schafen meistert Schuck zu Fuß. Ein weiterer Vorteil von Schafen und Ziegen sei, dass sie auch Hecken zurückfressen und so für eine Entbuschung sorgen. Außerdem sei das Schaffleisch durch die geringe Zufütterung ökologisch im Vorteil. „Die Schafe haben im Freien Zeit zu wachsen und ein schönes Leben bis zur Schlachtung“, fasste sie die Vorteile von Lammfleisch zusammen. Es sei schmackhaft und zart. Leider sei es bei deutschen Verbrauchern jedoch wenig gefragt.

Die Beweidung durch Schafe stößt bei zu steilen Hängen an ihre Grenze. Ebenso muss ein Gelände, das stark verbuscht ist, erst maschinell bearbeitet werden. „Bei den beweideten Flächen handelt es sich im rechtlichen Sinne um landwirtschaftliche Nutzflächen.“

Früher seien die Schäfer mit ihren Tieren auf Wanderschaft und immer draußen gewesen. Heute setze man ganzjährig auf zumeist feste Flächen sowie Stallhaltung und Zufütterung im Winter.

Das Ende der Wanderschaft liege auch an der Förderpolitik. Wurden früher Schäfer nach der Tierzahl gefördert, gibt es heute nur noch Fördergelder für beweidete Flächen. Einerseits kommt heute die Hütehaltung zum Einsatz, bei der die Schafe durch Schäfer und Hunde acht bis zehn Stunden am Tag betreut werden. Schuck setzt auf die Koppelhaltung. Jeden Tag wird dazu ein neuer Bereich abgezäunt, auf dem die Tiere fressen.

Dieser wird so festgelegt, dass die Nahrung ausreicht und die Tiere es zugleich schaffen, die Fläche in der vorgesehenen Zeit abzugrasen. In Boxtal sind dies rund ein halber bis zu einem Hektar Fläche pro Tag. Bei mehr Tieren und je nach Bewuchs sind auch andernorts zwei Hektar täglich nötig.

Die Aufgaben der Schäferin sind vielfältig. In ihrem Unternehmen wird sie durch zwei Mitarbeiter sowie zeitweise durch ihren Vater und Bruder unterstützt. Täglich müssen die Netze auf den verschiedenen Flächen neu gesteckt werden, die Tiere müssen mit Wasser und ergänzend mit Salz- und Mineralfutter versorgt werden.

Maßnahmen zur Gesundheitskontrolle sind nötig, und es muss Stallarbeit erledigt werden. Hinzu kommen im Jahresverlauf viele weitere Aufgaben wie die Ausbildung der Hütehunde, das Mulchen der abgefressenen Flächen und mehrere Tage pro Woche viel Verwaltungsarbeit.

Das romantische Bild eines Schäfers, der stundenlang seine Schafe beobachte, treffe oft nicht zu. Dennoch gebe es viele schöne Momente: „Zu sehen und zu hören wie die zufriedenen Schafe das Gras rupfen, der Ausblick auf das Taubertal oder bei Aussichten in Boxtal die an das Allgäu erinnern“, zählt Schuck auf.

Nachwuchsmangel

Als Herausforderung an ihrem Beruf sieht sie unter anderem den Mangel an Nachwuchs, aber auch die Bürokratie. Ohne die Fördermittel der Bundesländer für die beweideten Flächen aus der Landschaftspflege sowie die flächengebundenen Betriebszahlungen wäre ein Erhalt der Schäferei nicht möglich.

Der Fleischpreis decke im Optimalfall gerade die Kosten, die für ein Tier zu Lebzeiten anfallen. „Die Fördergelder sind für mich Bezahlung, dass ich die Landschaft sauber halte.“ Sie seien aber auch für die Betriebskostendeckung unerlässlich. Die große Herausforderung ist, dass die Mittel nur einmal jährlich ausgezahlt werden: „Da muss man gut mit dem Geld wirtschaften.“