Freudenberg

Kommunalpolitik Gemeinderat stimmt Erhöhung der Elternbeiträge für die Kinderbetreuung in Freudenberg zu / Fachkräftemangel thematisiert

Mit Unmut in den sauren Apfel gebissen

Zum 1. Januar 2020 steigen in den drei Kinderbetreuungseinrichtungen in Freudenberg, Rauenberg und Boxtal die Gebühren. Das hat der Gemeinderat am Montag beschlossen.

Freudenberg. Dem Gremium blieb praktisch keine andere Wahl. Folgt man den „Empfehlungen“, die zwischen den kirchlichen Fachverbänden und dem Städte- und Gemeindetag Baden-Württemberg ausgearbeitet wurden, die Elternbeiträge für den Kindergartenbesuch nicht anzuheben, läuft man hohe Gefahr, bei Förderanträgen in völlig anderen Bereichen nicht berücksichtigt zu werden. Und das kann sich die Stadt Freudenberg nicht leisten. Also biss man am Montag in den sauren Apfel und erhöhte die gebühren für die Kindertagesstätten. Wenn auch nicht ohne Kritik. Am deutlichsten machte die Hartmut Beil (SPD). Er ging die grün-schwarze Landesregierung hart an, sprach von „Frechheit“, „Unverschämtheit“ und gar von „Erpressung“ und stimmte folgerichtig, wie auch Cem Arslan (Freie Wähler) gegen die Gebührenerhöhung.

Bürgermeister Roger Henning hatte eingangs von einer Anhebung gesprochen, die zwar moderat ausfalle, aber ihm dennoch „in der Seele weh“ tue. Vor allem wenn man bedenke, dass über den Länderfinanzausgleich drei Geberländer, darunter Baden-Württemberg, beitragsfreie Kindergärten in fast ganz „Rest-Deutschland“ finanzierten. Im „Ländle“ hingegen hält man daran fest, dass ein Kostendeckungsgrad von 20 Prozent durch Elternbeiträge „anzustreben“ ist.

Fachbereichsleiter Markus Tremmel und Marcus Stolzenberger, Geschäftsführer Kindertagesstätten bei der Verrechnungsstelle Tauberbischofsheim des Erzbischöfliches Ordinariat Freiburg, machten darauf aufmerksam, dass mit dem Beschluss im Prinzip „nur“ die dreiprozentige Tarifsteigerung für die Beschäftigten an die Beitragspflichtigen weitergegeben werde. Auch steigen die Beiträge im Krippenbereich gestaffelt und nicht in der vollen vorgesehenen Bandbreite.

Abweichend von den Empfehlungen werden die Gebühren in der Katholischen Kindertagesstätte St. Josef in Freudenberg, St. Nikolaus in Boxtal und St. Wendelinus in Rauenberg nicht zu Beginn des Kindergartenjahres am 1. September, sondern erst zum 1. Januar angehoben. Darauf verwies Klaus Weimer (Freie Wähler).

Ehe der Gemeinderat über die Gebührenerhöhung entschied, hatte sich das Gremium in einem weiteren Tagesordnungspunkt mit der Kindergartenbedarfsplanung 2019/2020 befasst. Die Belegungszahlen in allen drei Einrichtungen seien sehr gut, man befinde sich fast an der Auslastungsgrenze, sagte Marcus Stolzenberger. Er wertete dies als Beleg für die gute pädagogische Arbeit, die in den Kindertagesstätten geleistet werde und dafür, dass das Betreuungsangebot passe.

Die bevorstehende stufenweise Änderung der Stichtagsregelung für die Einschulung von Kindern wird sich nach seinen Worten auf die Betreuungseinrichtungen in Freudenberg, Boxtal und Rauenberg voraussichtlich nur geringfügig auswirken. „Die Auslastung macht uns natürlich glücklich“, betonte Bürgermeister Henning. Die Kindergartenbedarfsplanung stelle sich als nicht so einfach dar. Manche Dinge, wie etwa Zuzüge, seien nicht oder nur schwer vorhersehbar. Bei steigendem Bedarf den benötigten Platz zu schaffen, sei letztlich nicht die Schwierigkeit. „Das Personal zu bekommen ist das Problem. Das fällt nämlich nicht vom Himmel.“ Der Fachkräftenotstand sei mittlerweile auch auf dem Land angekommen. In dem Zusammenhang kritisierte Henning „teilweise zu starre Reglementierungen“ und zu strenge Vorgaben.