Freudenberg

Gut, wenn man Gutmensch ist

Wenn jeder an sich denkt, ist an jeden gedacht.“ Oder: „Die Welt ist schlecht. Jeder denkt nur an sich. Nur ich denk an mich.“ Es gibt einige solcher Sprüche, die wohl lustig sein sollen, über die ich allerdi

ngs nicht lachen kann. Vor allem deshalb nicht, weil sie leider die Lebenseinstellung vieler Menschen heutzutage widerspiegeln.

Es gibt darunter auch noch eine sehr bekannte Variante, die Gott mit ins Spiel bringt: „Hilf dir selbst, dann hilft dir Gott.“ Stellen Sie sich einmal vor: Es geht Ihnen schlecht und Sie können sich nicht selbst aus Ihrer Misere heraushelfen. Sie wenden sich an Menschen um Hilfe und bekommen dann eine dieser Antworten. Man begegnet Ihnen so in Ihrer Not mit Gleichgültigkeit und Zynismus, und es trifft Sie förmlich wie ein Schlag ins Gesicht.

Und wenn sich dann tatsächlich jemand Ihrer erbarmt und Ihnen hilft, dann wird dieser Mensch in unserer Gesellschaft häufig als „Gutmensch“ verschrien und verhöhnt.

Dabei ist es doch gut, wenn man ein „Gutmensch“ ist; wenn einem andere nicht egal sind; wenn man das Seine, was man tun kann, dazu tut, damit die Welt um einen her ein wenig besser wird. Soziales Engagement ist das Mittel, das die Welt um uns her positiv verändert.

Und das Tolle daran: Soziales Engagement tut nicht nur denen gut, die Hilfe erhalten, sondern auch denen, die sich engagieren. Menschen, die so tätig sind, sind nachweislich glücklicher und zufriedener als andere, weil sie ihr Engagement als wertvoll, sinnvoll und sinnstiftend erleben.

Soziales Engagement ist ein moderner Begriff für etwas, das es schon lange gibt. Mit dem Gleichnis vom barmherzigen Samariter umschreibt Jesus nichts anderes als den Aufruf zu sozialem Engagement. Und er erzählt davon, was Gott von uns will. Da liegt ein Mensch hilflos am Boden. Zwei gehen vorbei mit vermeintlich guten Gründen: Sie haben’s eilig und wollen sich die Finger nicht schmutzig machen.

Diese Gründe kennen wir 2000 Jahre später in unserer Gesellschaft leider immer noch. Einer aber bleibt stehen, schaut und hilft. Der sprichwörtlich gewordene barmherzige Samariter tut einfach das, was getan werden muss, dass dem geholfen ist, der sich nicht selbst helfen kann. Jesus stellt ihn und sein soziales Engagement den Menschen damals und uns heute als Beispiel vor, das es nachzuahmen gilt.

Morgen wird in vielen Gottesdiensten die Barmherzigkeit thematisiert. Passend dazu hat C.P. März folgenden Text gedichtet, der davon spricht, dass barmherziges Handeln wohltuend für beide Seiten ist:

„Wenn das Brot, das wir teilen, als Rose blüht / und das Wort, das wir sprechen, als Lied erklingt; / wenn das Leid jedes Armen uns Christus zeigt / und die Not, die wir lindern, zur Freude wird; / wenn die Hand, die wir halten, uns selber hält / und das Kleid, das wir schenken, auch uns bedeckt; / wenn der Trost, den wir geben, uns weiter trägt / und der Schmerz, den wir teilen, zur Hoffnung wird, / dann hat Gott unter uns schon sein Haus gebaut, dann wohnt er schon in unserer Welt. / Ja, dann schauen wir heut’ schon sein Angesicht in der Liebe, die alles umfängt.“

Dr. Annegret Ade, Pfarrerin in Bettingen, Lindelbach und Urphar