Freudenberg

Kanalisation In Rauenberg litten die Anwohner der Eidelsgasse lange massiv unter unangenehmen Gerüchen / Jetzt müffelt es in der Raubachstraße

Gestank war bei Trockenheit unerträglich

Archivartikel

Über Jahre hinweg waren die Einwohner der Rauenberger Eidelsgasse vom Gestank aus der Kanalisation betroffen. Mit vielen Maßnahmen wurde versucht, das Problem zu lösen.

Rauenberg. Schon viele Jahre roch es in der Eidelsgasse in verschiedenen Bereichen der Straße und zu unterschiedlichen Zeiten unangenehm aus dem Abflusskanal. Der Kanal unter der Straße transportierte unter anderem das Abwasser aus dem Ortsteil Ebenheid. Von der Eidelsgasse fließt der Kanal in die Hauptleitung in der Raubachstraße.

Bürgermeister Roger Henning berichtete im Gespräch mit den Fränkischen Nachrichten, das Problem sei schon vor Beginn seiner Amtszeit 2015 aufgetreten. „Es war damals temporär, in unregelmäßigen Abständen und laut Anliegern anfangs nicht so schlimm“,fasste er zusammen. In den letzten zwei Jahren sei der Gestank deutlich häufiger und intensiver aufgetreten.

Für die Anlieger war dies eine massive Belastung. Sie hatten wegen der Geruchsbelästigung im Freien nicht mehr gut lüften oder auf der Terrasse sitzen können. Mit der Verschärfung des Problems sei dieses verstärkt auf die Tagesordnung der Stadtverwaltung gerückt. Gemeinsam mit der Abwasserbeseitigung Wertheim (ABW), die die Betriebsführung für die Kläranlagen und das Abwassernetz in Freudenberg übernommen hat, wurde das Thema intensiv und in guter Zusammenarbeit angegangen.

Auffällig sei gewesen, dass es bei längerer Trockenheit zu vermehrtem Gestank kam. „Die Situation verschlimmerte sich in den letzten beiden heißen Sommern deutlich“, so der Bürgermeister. Ein weiteres Problem sei die sehr lange Abwasserleitung. Henning betonte, es sei nicht einfach gewesen, Lösungen zu finden. „Das Ganze kann man nur mit dem Ausschlussverfahren lösen, was umfangreich ist.“ Zudem habe man jeweils warten müssen, ob die getroffene Maßnahme das Problem löse, erläuterte er die lange Zeitdauer der Bearbeitung. „Wir tun, was möglich ist, müssen uns aber auf die Aussagen der Fachleute verlassen“, erläuterte er.

Vorschläge zur Problembehebung seien sowohl von der ABW als auch von Fachleuten aus Freudenberg gekommen. Im ersten Schritt hatte man den Kanal regelmäßig gespült. „Das half einige Zeit, aber der Gestank kam irgendwann zurück.“ Im nächsten Schritt wurden Chemikalien ins Abwasser eingebracht, die den Geruch neutralisieren sollten. Auch das brachte nicht den gewünschten Erfolg. Eine Kanalbefahrung mit einer Kamera habe laut der beauftragten Fachfirma ergeben, dass die Leitung in Ordnung sei.

Vor rund einem halben Jahr wurde außerhalb des Orts am höchsten Punkt der Abwasserleitung eine Entlüftung eingebaut. „Der Gestank zieht nach oben“, so der Bürgermeister. Aber auch dies brachte nicht die erhoffte Verbesserung. Als letzter Schritt wurde vor etwa zwei Wochen der Abwasserfluss so umgeleitet, dass das Abwasser aus Ebenheid direkt in die Hauptleitung in der der Raubachstraße fließt. Diese hat den doppelten Durchmesser wie die Kanalleitung in der Eidelsgasse. Durch die Kanäle der Eidelsgasse fließt jetzt nur noch das Abwasser aus dem Anliegerbereich Rauenbergs.

Allein für diese Maßnahme habe man einen mittleren vierstelligen Betrag investiert. „Die Anlieger meldeten mir zurück, dass es in der Eidelsgasse in den letzten Tagen keinen Gestank mehr gab“, berichtet Henning. Das Problem scheint aktuell also gelöst. Nun gelte es, die Zukunft abzuwarten. Am Dienstag fand ein Arbeitsgespräch mit den Anliegern der betroffenen Bereiche statt. Im letzten halben Jahr habe er viele Bürgeranrufe zum Thema bekommen, erklärte Henning. Die Gespräche haben verdeutlicht, dass bei den Betroffenen Informationsbedarf bestehe. „Wir informieren sie beim Gespräch über die bisher getroffenen Maßnahmen.“

Die Anwohner der Eidelsgasse zeigten sich am Mittwoch im FN-Gespräch mit dem Verlauf der Veranstaltung zufrieden. Vor allem sind sie glücklich, dass der Gestank in ihrer Straße seit der Umleitung des Abwassers weg ist. „Vorher war es brutal“, nun sei es in Ordnung, sagte ein Anwohner. „Wir sind froh, dass wir den Gestank los sind.“ Ein anderer Anlieger resümierte, es seien viele extreme Außeneinflüsse zusammengekommen, die das Problem in den letzten zwei Jahren verstärkt hätten. „Man konnte es weder hinter noch vor dem Haus aushalten und noch nicht einmal ein Fenster öffnen“, beschrieb er.

Das massive Geruchsproblem habe sogar zu negativen gesundheitlichen Auswirkungen geführt. „Seit die Umleitung für das Abwasser da ist, fühlt man sich wie neu geboren“, beschrieb er die Erleichterung für die nun frische Luft. Lob hatten die Anlieger auch für das Engagement der ABW in der Problematik. Henning sprach allerdings nur von einem Teilerfolg. „Nach Aussagen der Anlieger der Raubachstraße beginnt es nun dort unangenehm zu riechen.“ Die ganze Problematik sei nicht vergnügungssteuerpflichtig, stellte er fest. Das verlagerte Geruchsproblem bestätigten am Mittwoch auch Anwohner der Raubachstraße. Vor allem, wenn es einige Tage trocken war, sei der Geruch im Freien deutlich spürbar. „Sind im Haus die Siphons trocken, riecht man es auch innen“, ergänzte ein Anwohner.

Henning beschrieb das weitere Vorgehen in der Raubachstraße so: „Aktuell warten wir ab, ob der Regen gegen den Geruch hilft.“ Ist dies der Fall, müsse man die Durchflussmenge erhöhen, indem Wasser in den Kanal eingeleitet wird. Zum möglichen Abwassergeruch in den Häusern bemerkte er, dies hätten ihm Anwohner bereits berichtet. „Es ist aber noch nicht sicher verifiziert.“ Zudem stehe eine Absprache mit den Fachleuten dazu noch aus. Bestätigt sich das Problem, müsse man auch Lösungen in den Häusern suchen, fügte er hinzu.