Freudenberg

Otto-Rauch-Stift Zugangsbeschränkung war ein gravierender Einschnitt/ Friseurbesuch wurde sehr vermisst / Besuchsverbot wird ab Montag, 18. Mai, unter Auflagen gelockert

Für jeden Bewohner wird ein Besuch am Tag erlaubt

Archivartikel

Freudenberg.Besonders schwer wirkt sich die Coronapandemie auf die Bewohner von Alten- und Pflegeheimen aus. Einerseits gehören sie zur Risikogruppe, andererseits müssen sie aktuell noch mit strengen Kontaktbeschränkungen leben. So geht es auch den Bewohnern des Otto-Rauch-Stifts in Freudenberg. An einem Balkon der Einrichtung hängt ein großes Laken, darauf ist ein Herz gemalt, in dem ein Dankeschön geschrieben ist.

Auf Nachfrage der FN berichtete Monika Schäfer, Einrichtungsleiterin des Caritas-Altenpflegeheims Otto-Rauch-Stift über die Situation. Man setze aktuell alle gesetzlichen Anforderungen sowie die Hygieneempfehlungen des Robert-Koch-Instituts um. „Die für die Bewohner und deren Angehörige gravierendste Maßnahme ist sicherlich die massive Zugangsbeschränkung bei stationären Altenhilfeeinrichtungen und damit de facto das Verbot jeglicher Besuchsmöglichkeit. Zudem wird ein wohnbereichsübergreifender Einsatz von Mitarbeitenden weit möglich verhindert, auch finden keine wohnbereichsübergreifenden Gruppenangebote statt.“

Die Auswirkungen dieser Einschränkungen fielen ganz unterschiedlich aus. „Sicherlich ist es uns gelungen, durch unterschiedliche Angebote den Alltag im Haus möglichst abwechslungsreich und unterhaltsam zu gestalten. Aber natürlich ersetzt das keinen Besuch von oder bei Angehörigen.“ Auch würden Dienstleistungen wie der Friseur oder die Kontakte und Angebote der Ehrenamtlichen sehr vermisst.

„Feiertage wie Ostern und Muttertag belasten da zusätzlich. Das machte einige unserer Bewohner selbstverständlich traurig.“ Andere wiederum seien fasziniert von den heutigen Möglichkeiten der digitalen Kommunikation und begeistert, als sie etwa zum ersten Mal per Skype telefonierten. Auch förderten die Ausgangs- und Besuchssperren den Gemeinschaftssinn und das Gemeinschaftsleben innerhalb der Einrichtung und unter den Bewohnern dort. „Es wurde spürbar mehr miteinander kommuniziert.“

Gelockerte Beschränkung

Die neue Landesverordnung lockert nun einige Beschränkungen hinsichtlich des Besuchsverbots. „Wie die konkreten Schutzmaßnahmen bei Lockerung der Zutrittsbeschränkungen und das damit zusammenhängende Besuchsverbot ab dem 18. Mai aussehen, werden wir uns intensiv im Verlauf dieser Woche auseinandersetzen und unser Sicherheits- und Hygienekonzept daraufhin entsprechend anpassen“, so Schäfer. Sicherlich sei pro Bewohner und Tag grundsätzlich ein Besuch erlaubt. Dieser werde auf zwei Personen beschränkt. Es werde festgelegte Zeiten geben, während denen Besuche in der Einrichtung möglich sind. Zudem werde man die Dauer begrenzen. Es werde ausgewiesene Besucherbereiche abseits der Wohnbereiche geben. „Ein Besuch im Bewohnerzimmer wird nur dann möglich sein, wenn der Bewohner das Zimmer nicht verlassen kann.“

Besuchswünsche müsse man aus organisatorischen Gründen vorab bei der Einrichtung anmelden. Zur Kontaktnachverfolgung müsse man Besucher registrieren. Händedesinfektion nach dem Betreten und das Tragen einer Mund-Nasen-Bedeckung wird für den gesamten Aufenthalt verpflichten sein. Zudem sei ein Mindestabstand von 1,5 Metern einzuhalten. „Wir werden versuchen, dies durch entsprechend vorbereitete Tischgruppen in den Besucherbereichen zu unterstützen.“ Eventuell werde es noch Abtrennungen aus Plexiglas geben.

Die Reaktionen der Bewohner auf die bevorstehenden Lockerungen seien unterschiedlich. „Es gibt jene, die sich sehr darüber freuen, wieder etwas mehr Normalität und Alltag erleben zu dürfen. Andere haben Angst, dass der Virus durch eventuell vorschnell gelockerten Maßnahmen ins Haus getragen wird.“ Das Einrichtungsteam begrüße im Interesse der Bewohner und deren Angehörige die angedachten Lockerungen. Man sehe aber den kommenden Wochen mit großer Sorge entgegen.

„Zu welchen gesundheitlichen und auch organisatorischen Konsequenzen es führt, wenn dieser Virus in ein Altenpflegeheim kommt, ist an Dramatik schließlich kaum zu überbieten.“ Am Ende sei es eine ethische Abwägung zwischen Selbstbestimmungsrecht der Bewohner und notwendigen Maßnahmen des Infektionsschutzes. bdg