Freudenberg

Neujahrsempfang der Stadt Freudenberg Bürgermeister Roger Henning spricht über Herausforderungen und das Glücklichsein

Allen eine lebenswerte Welt erhalten

Archivartikel

Von den großen Herausforderungen, aber auch von dem Gefühl, diese meistern zu können, sprachen die Redner beim Neujahrsempfang der Stadt Freudenberg am Sonntag in der Turnhalle.

Freudenberg. Bürgermeister Roger Henning wünschte zunächst den zahlreichen Gästen des Neujahrsempfangs persönlich das Beste für das neue Jahr. Gottes Segen für 2020 überbrachten rund 20 Sternsinger. Musikalisch begleitet von ihrer Betreuerin stimmten sie zwei Lieder an. Zudem sammelten sie zahlreiche Spenden für Not leidende Kinder. Die Stadtkapelle (Leitung Michael Korn) stimmte mit fetziger Musik auf das neue Jahr ein.

Der Bürgermeister zitierte in seiner Rede eine Studie vom März 2019, nach der zwei Drittel der Erwachsenen in Deutschland glücklich seien. „Ein toller Wert.“ Er verwies auf den internationalen Tag des Glücks. Dieser erinnere daran, dass zu diesem mehr gehöre als Wirtschaftswachstum – nämlich Mitgefühl, Gemeinwohl und nachhaltige Entwicklung. Nach den Glücksbedingungen der Vereinten Nationen gelten eine ausreichende Versorgung mit Nahrung und Wasser, mindestens sechs Quadratmeter Wohnraum, ein Platz zum Kochen und eine sechsjährige Schulausbildung als grundlegende Bedingungen für ein glückliches Leben. „Wer unter diesen Voraussetzungen lebt, lebt gesünder. Und ohne Gesundheit ist bekanntlich alles nichts“, erklärte Henning und meinte, dass nach diesen Kriterien alle Anwesenden glücklich sein müssten. „Und trotzdem entspricht die gefühlte Lage in Deutschland nicht annähernd der Glücksstudie.“ Es sei klar, dass wirklich jeder Sorgen habe. Selten sei alles perfekt. „Das ist aber kein Grund dafür, ständig über Dinge zu jammern.“

Der Redner verwies auf Neid, Missgunst und Hass in den sozialen Netzwerken und auf das düstere Bild das in Leserbriefen, in den Medien und bei politischen Debatten von der Lage der Nation gezeichnet werde. Jede Preiserhöhung werde als Ende des Wohlstands bezeichnet, jede Aufforderung etwas einzusparen, als Ende der Welt skizziert. Dies werde so auf die Spitze getrieben, dass eine Stimmung im Land entstehe, die den undemokratischen rechts und links außen stehenden Antidemokraten die Menschen zutreiben. Henning: „Das ist eine Spirale, die an den Grundfesten unseres Systems rüttelt, und eine große Gefahr für unsere Demokratie.“

Man könne das System, das allen ein gutes, glückliches Leben ermögliche, durch weniger Bürokratie, mehr schnellere Entscheidungen, weniger Lobbyismus und mehr verbessern, betonte der Bürgermeister. Es sei wissenschaftlich erwiesen, wenn es möglichst viele Menschen auf der Welt gut gehe, sei auch der Frieden weltweit sicherer, die Wirtschaft werde stabiler und der Wohlstand wachse. „Davon haben wir alle etwas.“

Henning rief dazu auf, Fairtrade-Produkte zu kaufen, einen fairen Preis für einen Liter Milch zu bezahlen, mal auf ein Stück Fleisch zu verzichten oder eine große Spende für jene Mitmenschen zu geben, denen es nicht so gut gehe. Das Werbemotto „Geiz ist geil“ präge oft das Denken. Viele würden immer geiziger und egoistischer, manchmal würden sie sogar mit einem Lächeln oder einem kostenfreien Danke geizen. Henning: „Danke ist das Zauberwort für ein entspanntes Miteinander.“ Es beinhalte Respekt, Aufmerksamkeit und Wertschätzung.

Der Bürgermeister dankte allen im Saal für ihren Einsatz und den Ehrengästen dafür, dass sie mit ihrem Kommen die Wertschätzung gegenüber Freudenberg zum Ausdruck bringen.

Das Jahr 2019 sei für Freudenberg sehr erfolgreich gewesen: „Wir haben für unsere Förderanträge eine Zusage in Millionenhöhe vom Land bekommen und können so wichtige und nachhaltige Projekte für unsere Bürgerinnen und Bürger in den folgenden Jahren vorantreiben.“ Dies sei keine Selbstverständlichkeit, man wisse es zu schätzen. Henning bat darum, dass die Verantwortlichen auch künftige Förderprojekte wie den Neubau von Bauhof und Feuerwehrhaus fördern werden.

Weitere Anerkennung zollte der Bürgermeister den zahlreichen Ehrenamtlichen in Vereinen, Hilfsorganisationen, Verbänden und Gremien, den Vertretern der Kirche, karikativen Einrichtungen und sozialen Helfern, sowie seinen Kollegen für die vertrauensvolle Zusammenarbeit. Ein weiteres Dankeschön ging an die Vertreter der Wirtschaft, den Trägern von Ehrenring und Bürgermedaillen, den Organisatoren und Helfern des Neujahrsempfangs.

In seinem Ausblick sagte der Redner: „Es gibt viel zu tun für uns, damit wir auch für die künftigen Generationen eine lebenswerte Welt und wirtschaftlichen Wohlstand erhalten.“ Dazu müsse man nicht alles anders, nur einige Sachen besser machen. „Wir haben große Herausforderungen vor uns und werden Teil der ,Blauen Revolution’ sein durch Entwicklung, technischen Fortschritt, Bildung, gesetzliche Regelungen oder einfach nur unser Konsumverhalten.“ Er forderte die Menschen auf, das neue Jahrzehnt in großer Handlungsfreude, Demut und Dankbarkeit zu beginnen und nicht zu klagen, was man alles nicht habe.