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Neuzugang aus Australien in der Wilhelma in Stuttgart

Archivartikel

Schweißtreibende Ankunft nach einer halben Weltreise von Australien nach Stuttgart: Seit Anfang März ist das größte Krokodil Deutschlands in der Wilhelma zu sehen. Nach rund 21 500 Kilometern von Down Under in den Zoologisch-Botanischen Garten waren die letzten 100 Meter die schwersten. Gut fünf Stunden brauchten die zwei Dutzend Tierpfleger und Handwerker, um die wuchtige Panzerechse in der mit lebendigem Inhalt fast eine Tonne schweren Transportbox durch das Gebäude zu manövrieren.

Weil der Spediteur die Maßgaben der Wilhelma falsch interpretiert hatte, passte die voluminöse Holzkiste erst gar nicht durch die Eingangstür. Die Schreiner mussten überstehende Spanten zurechtsägen, bis der Durchlass zentimetergenau möglich wurde. „Die ganze Aktion stand mehrmals auf der Kippe“, berichtete Wilhelma-Direktor Dr. Thomas Kölpin. „Die sperrige Fracht durch die schmalen Gänge zu manövrieren, ohne dabei die Scheiben eines der Aquarien oder Terrarien einzudrücken, war Kraftakt und Präzisionsarbeit zugleich.“ Ein Hebekran musste schließlich bis an seine Belastungsgrenze gehen, um die Box vom Besuchersteg in das Gehege zu hieven.

Dort übernahm Direktor Kölpin – selbst Reptilienexperte – mit Harry Aberle, dem Revierleiter der Tierpfleger, die riskante Aufgabe, das potenziell lebensgefährliche Krokodil herauszulassen. Das zögerte jedoch, seine Transportkiste zu verlassen, um die neue Umgebung zu erkunden. Erst als sämtliche Helfer die Krokodilhalle verlassen und das Licht gelöscht hatten, zeigte sich nach Mitterrnacht Frederick, wie er in Australien genannt wurde. Schritt für Schritt bestätigte sich: Das ist ein Koloss, der auch „Friedrich der Große“ heißen könnte. Bis zur Schwanzspitze traten 4,31 Meter und 520 Kilo zu Tage.

„Der ist wirklich gigantisch“, sagte Aberle, „der beeindruckt auch mich noch.“ Aberle ist seit über 40 Jahren Tierpfleger in der Wilhelma und als Leiter des Terrariums auch „Herr der Krokodile“: „Das ist das erste Mal, seit im Jahr 2000 der legendäre ,große Weiße‘ gestorben ist, dass wir wieder einen kapitalen Bullen haben. Und Frederick ist noch länger – die Nummer Eins in Deutschland.“

Leistenkrokodile sind die größten Krokodile der Welt. Weil sie weit ins Meer schwimmen können, sind sie in Asien sehr verbreitet – von Ostindien durch Südostasien bis nach Nordaustralien und Ozeanien. Frederick stammt aus der australischen Region des Northern Territories, die als besonders krokodilreich gilt. Dort wurde er am 24. August 1994 am Mary River gefangen, wo die größten Artgenossen leben. Er gehörte damit zu den Mitbegründern des „Crocodylus Park“, der fünf Tage später in der Küstenstadt Darwin eröffnet wurde. Die Einrichtung dient Forschung, Nachzucht und Tiererlebnissen der Besucher. Damals war Frederick bereits 3,92 Meter lang. Deshalb wird sein Alter heute auf circa 50 Jahre geschätzt. Die Krokodilhalle, die in Optik und Botanik dem Daintree-Nationalpark im Nordosten Australiens nachgebildet ist, war für seine ruhige Eingewöhnung zunächst geschlossen. Mittlerweile können die Besucher der Wilhelma den urzeitlich wirkenden Giganten betrachten. Er lebt in einer Halle mit dem weiblichen Leistenkrokodil Tong sowie einer Vertreterin der zweiten Krokodilart des Fünften Kontinents: Billa. Die kleinere Art, das so genannte Australienkrokodil, kommt nur im Süßwasser vor. Zum Beispiel im Daintree-Park trifft es aber auch auf Leistenkrokodile.

Mit der FN-Card PREMIUM zahlen Erwachsene für den Eintritt in die Wilhelma 12 Euro anstelle regulär 19 Euro. Der Eintrittspreis für Kinder beträgt 5,50 Euro mit FN-Card anstelle von 8 Euro. Tickets sind in den Kundenforen der Fränkischen Nachrichten erhältlich. Maximal zwei Tickets pro FN-Card PREMIUM.