Fechten

Fechten Hinter dem Fecht-Club Tauberbischofsheim liegt ein weiteres negatives Jahr: Prozess, Misserfolge, Kündigungen

Vom Taktgeber zur Service-Kraft

Archivartikel

Dass die einst so opulent zelebrierte „Bestenehrung“ im zurückliegenden November nur noch „Jahresfeier“ hieß, begründete Lothar Derr, Vorstandssprecher des Fecht-Clubs Tauberbischofsheim, in der Mitgliederversammlung am 15. Oktober recht simpel: „Wir haben aktuell nicht so viel Beste zu ehren.“ 2018 war ein weiteres Jahr für „das Fechten“ in der Kreisstadt, in dem Glanz und Gloria der Vergangenheit der Tristesse der Gegenwart wichen. Positive Schlagzeilen gab es kaum?

Sportlich gesehen waren die Plätze zwei und drei von Anne Sauer und Leonie Ebert beim Grand Prix in Anaheim im Grunde schon der Höhepunkt. Edelmetall bei Großereignissen gab es nicht. Klar, hier und da ließen immer wieder einmal ein paar Nachwuchsfechter mit ansprechenden Resultaten aufhorchen – das Spitzen-Ergebnis fehlte aber auch hier. Und die Kernfrage bleibt: Wie sollen die hoffnungsvollen Pflänzchen in einer Umgebung gedeihen, die in jüngster Zeit eher leistungssport-hemmend als leistungssport-fördernd war?

So brachte nicht zuletzt der unwürdige Prozess zwischen einem gekündigten Fecht-Trainer und dem Landessportverband (LSV) Verhältnisse und „Zustände“ im einst so ehrwürdigen Fecht-Zentrum an die Oberfläche, die von großer Zerstrittenheit und Missgunst auf allen Ebenen zeugten. Der Coach hatte gegen seine Kündigung geklagt, die ihm ausgesprochen worden war, weil er sexualisierte Gewalt an einer Fechterin verübt haben soll. Zwei Verhandlungen am Landesarbeitsgericht fanden statt, und als sich alle schon auf den dritten Prozesstag vorbereiteten, an dem dann ein Urteil gesprochen werden sollte, überraschte im April die Nachricht eines Vergleichs die Öffentlichkeit.

LSV und Trainer hatten sich dann doch gütlich geeinigt, nachdem sie im Vorfeld schwere Geschütze gegeneinander aufgefahren hatten. Beide Seiten betonten aber, dass sie jeweils bei ihrer Version bleiben: Der Coach sagte damals: „Ich möchte klarstellen, dass ich mir ihm Rahmen meiner beruflichen Tätigkeit nichts zu Schulden habe kommen lassen, was einen solchen öffentlichen Feldzug gegen mich rechtfertigen würde.“ Er sah sich auch nach dem Vergleich als Opfer einer Intrige. Die LSV-Anwältin Sylvia Aldinger-Krimmel wurde wie folgt zitiert: „Wir haben keinen der Vorwürfe gegen den Trainer zurückgenommen.“ So war es zwar gut, dass der Prozess ein Ende gefunden hatte, allerdings blieb wegen des ungeklärten Sachverhalts nicht nur am Fechten in „TBB“, sondern auch am deutschen Fechten etwas Unbehagliches zurück, wie auch Sven Ressel, Sportdirektor des Deutschen Fechter-Bundes, betonte: „Wir von Fechterbund-Seite hätten uns neue Informationen erhofft, die das Ganze transparenter gemacht hätten. Am Fechtsport bleibt etwas negativ hängen.“

Gleich sechs Athleten gingen

Nachdem Ruhe eingekehrt war, erschütterte im September eine „Kündigungswelle“ den FC: Mit Anne Sauer, Leonie Ebert, Carolin Golubytskyi, Björn Hübner, Benjamin Kleibrink und Alexander Kahl verließen gleich sechs Nationalmannschafts-Athleten den Verein. Vor allem bei den drei Florett-Frauen wurde „mangelnde Unterstützung“ beim sportlichen Streben ins Feld geführt.

Während bei Carolin Golubytskyi weiter nicht klar ist, ob sie nochmals leistungssportliches Fechten betreiben und ins Nationalteam zurückkehren wird, trainieren Anne Sauer und Leonie Ebert allerdings weiter im Zentrum Tauberbischofsheim, das zu Jahresbeginn vom Olympiastützpunkt zum Bundesstützpunkt zurückgestuft wurde. „Tauber“ wird seit 1. Januar vom LSV als Träger geführt und ist nur noch eine „Service-Einrichtung“. Einst war der FC der Taktgeber im deutschen Fechten. Deutlicher lässt sich der Niedergang nicht mehr beschreiben…