Creglingen

Leserbrief Zu „Lebensmittel werden nach den weltweit höchsten Standards erzeugt“ (FN 31. Dezember)

Was soll das arme Schwein auch tun, außer zu fressen?

Die Ausführungen von Herrn Silberzahn zu Tierwohl und Landwirtschaft können nicht unwidersprochen bleiben. Seine Argumente zum Tierwohl halte ich für absurd, denn sowohl der Mensch wie auch das Tier lieben die Freiheit über alles und würden sich nie freiwillig in einen Käfig, Box usw. begeben und einsperren lassen. Glaubt denn Herr Silberzahn tatsächlich, dass ein Schwein auf 0,75 Quadratmeter auch nur annähernd artgerechte Lebensbedingungen vorfindet und sich dabei wohlfühlt? Dass es unter diesen Bedingungen trotzdem Fleisch ansetzt, besagt gar nichts; was soll das arme Schwein auch tun außer Fressen! Dem Käfighuhn in einer Legebatterie geht es offensichtlich schlecht, trotzdem legt es fast jeden Tag ein Ei. Tatsache ist, dass Fleisch aus artgerechter Tierhaltung eine höhere Qualität aufweist und zudem besser schmeckt – auch das Schnitzel – als Fleisch von Tieren aus Massentierhaltung. Wie Tierhalter übereinstimmend berichten, sind Tiere in Freilandhaltung auch weit weniger krankheitsanfällig. Schweine, Puten usw. in Freilandhaltung zuzusehen, ist eine wahre Freude. Zur Gülle: Kann diese zum Himmel stinkende Brühe überhaupt gut für den Acker sein! Jeder Gärtner weiß, wenn der angesetzte Kompost übel riecht, dann habe ich etwas falsch gemacht. Vergeblich sucht man auf Ackerböden, auf denen die besonders scharfe Gülle von Schweinen ausgebracht wurde, nach (sichtbaren) Bodenlebewesen (Würmer usw) . Als Hauptübel in der Landwirtschaft sehe ich den viel zu geringen Preis, den der Landwirt heute für seine Erzeugnisse erhält, denn dieser liegt teilweise auf dem Niveau von 1960 und hier sind auch wir Verbraucher gefordert. Anderseits regelt nach dem Prinzip der freien Marktwirtschaft „Angebot und Nachfrage“ den Preis, deshalb verstehe ich nicht, warum mit staatlicher Unterstützung immer weitere Schweine- und Hühnermastställe entstehen. Durch das Jahrzehnte lange Versprühen von Pestizide hat man mittlerweile auch fast sämtliche Nützlinge gleich mit ausgerottet und das Gleichgewicht in der Natur erheblich gestört. Ein Teufelskreis wurde in Gang gesetzt. Die Natur hat nämlich für jeden Schädling einen oder mehrere Nützlinge (Vögel, Käfer usw.) geschaffen, die diese in Schach gehalten haben. So ist es erklärlich, dass man früher auch ohne den Einsatz von Pestiziden respektable Ernten eingefahren hat.