Creglingen

Leserbrief Zu „Ich will niemanden zustinken“ (FN/TZ 9. August)

Von Tierwohl zu reden, ist Zynismus

In der Donnerstagsausgabe der Fränkischen Nachrichten las ich einen Artikel, der mich sehr berührte und auch besonders schockte.

Da plant ein Landwirt in der Region Creglingen allen Ernstes, vier Massentierställe für insgesamt 200 000 Masthähnchen zu errichten. Seine Begründung: wirtschaftliche Notwendigkeit für die nachfolgende Generation.

Hat diese nächste Generation eigentlich dabei mitgeplant und mitgeredet, wurde sie komplett einbezogen und auf die negativen Belange deutlich hingewiesen?

Wo bleibt hier der Aufschrei der Öffentlichkeit, von uns allen, den Verbrauchern allgemein? Haben wir uns wirklich daran gewöhnt, Tiere als Sache zu betrachten und sie auch weiter so zu behandeln?

Es muss doch langsam mal in die Köpfe der Produzenten (landwirtschaftliche Betriebe etc.) und vor allem in die Köpfe der so genannten Verbraucher (das sind wir alle), dass wir so in diesem Lande und auf der Welt nicht weitermachen können.

Meine Frage: wie viele Umweltskandale beziehungsweise Umweltvergehen gerade in der Massentierhaltung müssen noch geschehen, bevor es die Mehrheit der Bevölkerung in diesem Land interessiert und wie viel Tiere müssen noch gequält und getötet werden, bevor wir alle endlich umdenken?

Alle Bewohner dieses Landes müssen unbedingt und schnell zu mehr Wertschätzung gegenüber der Natur, der Umwelt und vor allem gegenüber allen Tieren kommen.

Dieses Bewusstsein muss jeder Mensch stärker entwickeln, und wir sollten dazu kommen auch danach zu leben.

Auch wenn Lebensmittel dann teurer sein sollten, aber dann kann der Erzeuger vielleicht auch davon leben und die Tiere, die es betrifft, leben besser und werden gemäß dem Tierwohl besser gehalten. Stichworte wie biologische und natürliche Erzeugung können hier hilfreich sein.

Meiner Meinung nach sollte man auch oder gerade, wenn man seine Existenz und damit für die Zukunft plant, nicht mehr und auf keinen Fall ernsthaft an Massentierhaltung denken oder ins Auge fassen. In diesem Zusammenhang von Tierwohl zu reden ist Zynismus.

Außerdem, ich will hier ehrlich nicht wie ein Oberlehrer wirken, aber wenn man die landwirtschaftliche Szene ins Auge nimmt, kann man durchaus auch Betriebe sehen und erkennen, die einen anderen und damit auch Existenz sichernden und sicheren Weg gegangen sind und das letztendlich auch erfolgreich. Da muss man sich vielleicht etwas umschauen, und es ist in der heutigen Zeit schwieriger, aber die Mühe wird sich sicher lohnen. Die Landwirtschaft will nicht immer der Buhmann für alle sein, dann bitte ich darum, solche weitreichende Entscheidungen nochmals zu überdenken und vielleicht doch einen anderen – meiner Meinung nach besseren – Weg zu gehen.

Wir Menschen haben die Pflicht, unseren Kindern und Kindeskindern eine Welt zu hinterlassen, auf der sie noch weiter gut leben können.

Wir müssen unbedingt dazu kommen, unser Verhalten der Umwelt, Natur und den Tieren gegenüber zu korrigieren beziehungsweise salopp gesagt um 180 Grad zu verändern. Es bleibt uns auch keine Wahl, denn sonst werden wir alle eines besseren belehrt.