Creglingen

Leserbrief Zu „’Wahnsinnschance für Creglingen’“ (FN 23. Juli)

„Twin Towers“ sind ein Wahnsinnsärger für die Anwohner

Was in diesem Artikel als Wahnsinnschance für Creglingen hervorgehoben wird, ist keinesfalls für jeden eine Chance, sondern ein ernstzunehmendes Ärgernis in vielerlei Hinsicht für die Anwohner rundum.

In der ersten Anwohnervorstellung im Februar 2020 hat man einen Entwurf präsentiert, der die wahren Höhen der umliegenden Häuser nicht berücksichtigt hat, im Gegenteil, die Angaben waren „geschönt“. Dabei entstand ein falscher Eindruck der Maße und Proportionen zu den umliegenden Gebäuden (siehe Leserbrief vom 25. Februar).

In der erneuten perspektivischen Ansicht und in dem Artikel vom 23. Juli wird eine Ansicht von oben gezeigt, die wiederum nicht die tatsächliche Höhe zu den Nachbargebäuden darstellt, und ebenso werden die dahinterliegenden Häuser im Bild einfach „abgeschnitten“. Dabei entsteht der Eindruck einer Angleichung an die rechten Nachbargebäude, was nicht der Fall ist. Eine Darstellung aus noch größerer Höhe hätte eine noch positivere Situation für die Nachbarhäuser vermittelt.

Der tatsächliche Blick auf die „Twin-Towers“ ergibt sich jedoch für die meisten aus der „Froschperspektive“. Egal, von welcher Straße kommend, sieht man „unpassende Türme“ über den Altbestand hinausragen.

Umso ärgerlicher ist es weiterhin, dass im Artikel von einer Verminderung der Höhe um 1,50 Meter zum ersten Entwurf die Rede ist. Leider entspricht auch dies nicht der Wahrheit, da der Mehrgeschossbau jetzt lediglich 55 cm niedriger (1. Entwurf OK Gebäude 287,75 m, jetzt 287,20 m über NN) geplant ist.

Dass Herr Paulus und der Bürgermeister dem Gemeinderat und den Anwohnern gegenüber behaupten, die Gebäude seien jetzt 1,50 m niederer, können wir nur als Unverschämtheit empfinden.

Nimmt man die Aussagen der Paulus Wohnbau GmbH dann auch noch ernst, dass das Grundstück auf felsigem Untergrund liegt und dass beim Deckenaufbau und evtl. Zugaben beim Aufbau nötig werden könnten, dann kann es durchaus sein, dass sich auch diese 55 cm „Tieferlegung“ wieder in Luft auflösen.

Versprechen werden in der Stadtverwaltung und vom Bürgermeister viele gemacht, sei es im Windpark Klosterwald wegen Lärmschutzbestimmungen oder gesundheitlichen Beeinträchtigungen, oder beim Bau der Seniorenwohnanlage und jetzt auch wieder bei den beiden Mehrfamilienhäusern in der Rothenburger Straße. Wenn es hinterher dann anders ist als besprochen, dann bekommt man die Antwort, dass es jetzt halt einfach so ist.

Niemand ist dagegen, dass dort etwas gebaut wird. Im Gegenteil, auch wir als Anwohner begrüßen das.

Dass hier aber über die Köpfe orts- und altansässigen Gemeindemitglieder derart hinwegbestimmt wird und die Beeinträchtigung von Wohnqualität, Aussicht und auch die Wertminderung der Häuser billigend in Kauf genommen wird, nur damit zwei Wohnblocks entstehen, ist inakzeptabel.

Diese Gebäude passen allenfalls in eine Großstadt wie Stuttgart, aber nicht in eine 1700-Seelen-Gemeinde, die gerade an der Durchfahrtsstraße ein Aushängeschild der Romantischen Straße sein sollte.

In das städtebauliche Gesamtbild von Creglingen passen sie jedenfalls nicht. Sie, liebe Stadträte, sind die gewählten Vertreter der Gemeinde. Da hätten wir uns etwas mehr Feingefühl für ein Mehrfamilienhaus gewünscht.

Bedanken können wir uns an dieser Stelle leider nur bei den beiden Stadträten, die nach wie vor an ihrer Meinung festgehalten und auch die Interessen der Anwohner vertreten haben.

Deren Feststellungen decken sich mit unseren Einwänden, nämlich dass es sich bei der Rothenburger Straße um eine stark befahrene Landstraße handelt, dass deshalb die Ein- und Ausfahrt in die/aus der „Tiefgarage“ mit den genau gegenüber liegenden Ausfahrten von zwei Geschäften und den daneben liegenden Bushaltestelle sehr erschwert ist, dass die Parksituation in der Rothenburger Straße mehr als verschärft wird und dass das Gebäude schlicht und ergreifend zu hoch und zu wuchtig geplant ist. Mit einer gefälligen, ein Stockwerk niedrigeren Bauweise, die sich ins Ortsbild einpasst und die Anwohner auch noch „Leben“ lässt, müssten wir diese Diskussion gar nicht führen und könnten dem Bürgermeister mit dem Investor auch noch lobend auf die Schultern klopfen.

Es bleibt abzuwarten, welche weiteren Änderungen von Creglinger Bebauungsplänen im Stadtgebiet noch auf uns zukommen.

Eigentlich sollte ein „Bebauungsplan“ auch mehr als nur ein Grundstück umfassen, weil er ein städtebauliches Gesamtbild garantieren soll.

Wir vermissen einen Gesamtplan oder eine „Vision“ für Creglingen, wie größere Bereiche städtebaulich sinnvoll gestaltet werden können oder sollen. „Wachstum und Profit“ sind dabei nicht die einzige Grundlage.