Creglingen

Theater Reinsbronn Rückblick auf eine Saison im Ausnahmezustand / Geyer-Schloss fällt künftig als Freilicht-Spielort weg

Premiere und Derniere an einem Abend

Archivartikel

Die Theatersaison 2020 in Reinsbronn war eine überschaubare Sache: Das neue Stück wurde nur einmal gespielt, dann kam der Lockdown. Auch die Generalversammlung fiel 2020 aus.

Reinsbronn. Eigentlich hätte der Theaterverein Reinsbronner Bühnenzinnober in der ordentlichen Generalversammlung turnusmäßig nach zwei Jahren einen neuen Vorstand wählen sollen. Doch in diesem Jahr ist nichts so, wie man es gewohnt ist. Und so fiel die für November geplante Generalversammlung aus und wurde auf 2021 verschoben – so gibt es erstmals seit Bestehen des Vereins in einem Jahr keine Generalversammlung.

Das Vereinsgericht in Ulm hat dem Theaterverein signalisiert, dass es aufgrund der Corona-Pandemie keine Probleme gebe, wenn der aktuelle Vorstand kommissarisch weiter im Amt bleibt, bis nächstes Jahr eine Versammlung stattfinden kann.

So viel steht auch ohne Rechenschaftsberichte fest: Erstmals in seiner Geschichte hat der Verein eine Saison mit einem dicken Minus abgeschlossen. Denn die Ausgaben der Saison 2020 waren bereits fast alle getätigt, als am 15. März der erste Lockdown kam.

Von zehn geplanten Aufführungen – für die bereits weit über 1000 Karten verkauft waren – konnte nur die Premiere am Freitag, 13. März, stattfinden, dann war Schluss. Und auch die Premiere, die kurioserweise zugleich auch Derniere war, stand unter besonderen Vorzeichen. Denn bis zuletzt war fraglich, ob überhaupt Zuschauer kommen würden, nachdem sich die Corona-Lage im Lauf der zweiten März-Woche dramatisch zugespitzt hatte. Es fanden sich dann aber doch rund 80 Besucher ein, die einen denkwürdigen Abend erlebten, denn es war allen klar, dass nach dieser kulturellen Veranstaltung für längere Zeit nichts mehr gehen würde.

So kam immerhin ein kleiner Kreis von Bühnenzinnober-Fans in den Genuss des neuen Stückes mit dem Titel „Unter Schwestern“. Das achtköpfige Ensemble bot unter der Regie von Frederike Faust aus Röttingen trotz aller widriger Umstände eine schwungvolle Inszenierung des neuen Stückes von Arno Boas, in dem es um einen handfesten Erbstreit geht.

Verlegung war vergeblich

Die zunächst für November ins Auge gefassten Ersatztermine mussten dann ebenfalls abgesagt werden. Angedacht war, die Abende in die Stadthalle Creglingen zu verlegen, aber die Corona-Lage ließ auch dies nicht zu. Froh war man seitens des Vereins über das Entgegenkommen der Stadt Creglingen, die die Theaterabende in der Stadthalle nach Kräften unterstützt hätte – letztlich aber war die Komplett-Absage unvermeidbar.

Inzwischen hat der Vorverkaufspartner burnout events aus Equarhofen die Kartenrückabwicklung durchgeführt. Auch für die Eventfirma sind es schwere Zeiten, da die Kultur mit wenigen Ausnahmen fast auf Null zurück gefahren wurde. Umso mehr hoffen der Verein und burnout events, dass die Lage sich 2021 langsam wieder normalisiert. Inzwischen hat der Verein beschlossen, dass die 2020-er-Saison erst im Frühjahr 2022 nachgeholt werden soll. Denn 2021 steht nach vier Jahren Pause wieder eine Sommersaison an. Allerdings gibt es noch einige Fragezeichen bezüglich des Spielorts. Sollte es, wovon man fast ausgehen muss, auch im Sommer noch Abstandsregeln geben, so fallen Spielorte mit wenig Platz automatisch weg.

Auch steht inzwischen fest, dass das Geyer-Schloss als Spielstätte nicht mehr zur Verfügung steht. Damit geht die 1999 anlässlich der 650-Jahr-Feier der Stadt Creglingen begonnene erfolgreiche Zusammenarbeit zwischen Theaterverein und Schlossbesitzern – zuerst mit Heinz und May Mack und ab 2015 mit Uwe Ottmar und Thomas Beez – nach über 20 Jahren zuende.

Suche nach neuem Spielort

Aufgrund der erfolgreichen Entwicklung des Schloss-Cafés und der Ferienwohnungen lässt sich das Schloss nicht mehr als Theaterstätte bespielen. Wo letztendlich im Sommer 2021 Theater in Reinsbronn – oder Niedersteinach – zu sehen sein wird, steht momentan noch nicht fest. Auch, was gespielt wird, ist offen. Autor Arno Boas will erst die Entscheidung über den Spielort abwarten und dann dafür passgenau ein Stück schreiben.

Im Jahresbericht, den die Mitglieder schriftlich erhielten, verwies Vorsitzender Arno Boas auch auf die Verleihung des Ehrenamts-Preises des Landkreises im November 2019. Hier belegte der Bühnenzinnober den dritten Platz, was mit großer Freude aufgenommen wurde. Bei der Verleihung überraschte der Verein mit einem Live-Trailer auf das noch gar nicht geschriebene Stück, das dann drei Monate später unter dem Titel „Unter Schwestern“ Premiere feierte.

Zum Jahresrückblick gehörte auch der Verweis auf die Teilnahme des Bühnenzinnobers am Jubiläumsfestumzug beim Creglinger Pferdemarkt. Der Umzug sei gigantisch und dem 100-Jahr- Jubiläum mehr als angemessen gewesen.

2020 hat der Verein auch dazu genutzt, endlich ein Projekt umzusetzen, das man schon länger auf der Agenda hatte: Es wurden Vereins-Kapuzen-Sweatshirts angeschafft. Jetzt müsse man nur noch die Gelegenheit bekommen, die Jacken auch mal gemeinsam in der Öffentlichkeit zu präsentieren, so Arno Boas.

Auftritt beim Regionalmarkt

Und dann gab es doch tatsächlich noch einen öffentlichen Auftritt des Vereins: Monika Kreiselmeier und Susanne Stirmlinger haben beim Regionalmarkt in Creglingen im Oktober die „Fenstergespräche“ reaktiviert – diesmal in Form als „Marktgespräch“ auf dem Taubertorplatz. Zweimal haben sie das rund zehnminütige Gespräch gehalten, in dem es um lokale Themen ging wie etwa den Pferdemarkt, laut feiernde Jugendliche oder die Stadtentwicklung.

Wann die verschobene Generalversammlung nachgeholt werden kann, steht momentan in den Sternen, so Arno Boas.

Er geht davon aus, dass es mindestens März 2021 wird. So lange bleibt der amtierende Vorstand – neben Boas der stellvertretende Vorsitzende Ulrich Pfänder, Kassiererin Susanne Stirmlinger, Schriftführerin Tanja Kellermann und die Beisitzer Leonie Hertlein und Daniel Wolfarth – im Amt. rbz