Creglingen

Jubiläum FN-Redakteur Arno Boas feiert am heutigen Dienstag seinen 60. Geburtstag / Theaterautor aus Leidenschaft

Mischung aus Ernst und Humor macht’s

Archivartikel

Creglingen.Er ist Redakteur mit Leib und Seele, seit 39 Jahren berichtet er mit Herzblut über seine Heimatstadt Creglingen. Seine zweite Leidenschaft ist das Theater. Am heutigen Dienstag feiert FN-Mitarbeiter Arno Boas seinen 60. Geburtstag.

Grundschule in Finsterlohr, Abitur in Weikersheim, ab 1981 bestimmte das Volontariat bei den Fränkischen Nachrichten seinen Berufsweg. Der Redakteur, der hauptsächlich für die Berichterstattung im Bereich Creglingen zuständig ist, versteht sich als Chronist, als Einordner und Werter. „Eine Lokalzeitung ist das Spiegelbild der Heimat“, so Arno Boas, und die Aufgabe eines Berichterstatters sei es, Entscheidungsträger zu begleiten, aber auch über Freud und Leid der Menschen im Kreis zu berichten.

Sachverhalte kritisch beleuchten

Das Internet biete zwar eine Fülle an Informationen an. Die Berichterstattung seien aber oft von Subjektivität geprägt. Hier, so Arno Boas, beginne die Arbeit eines Lokaljournalisten: Sachverhalte kritisch und von mehreren Seiten beleuchtet darzustellen und zu kommentieren. Langeweile kennt der umtriebige Redakteur in seinem Beruf bis heute nicht, immer wieder findet er spannende Geschichten und ist stets mit Herzblut bei der Sache. Als Teamleiter der Redaktion Bad Mergentheim sorgt er mit einer ausgeglichenen und freundlichen Art stets für ein optimales Betriebsklima.

Schon als Kind habe er gerne Geschichten geschrieben, so erinnert sich der Theaterautor – vermutlich hatte er sich damals im elterlichen Büro in Finsterlohr in Papier und Stift verliebt. Drei Schulhefte dick war der erste „Roman“, den er als Zwölfjähriger fertig hatte.

Im Jahr 1985 schnupperte er erstmals Theaterluft in Reinsbronn und war sofort begeistert. Als die ortsansässige Theatergruppe wieder einmal einen Schwank suchte, machte sich Arno Boas an die Arbeit und schrieb ein altes Romanfragment um: Und der Mundartautor war geboren. 1986 kam dann sein erstes Werk „Das Miststück“ auf die Bühne, ein Jahr später wurde schließlich der Theaterverein „Reinsbronner Bühnenzinnober“ gegründet. Hier war Arno Boas zunächst Schriftführer, 1995 wurde er zum Vorsitzenden gewählt.

Mittlerweile hat der Autor 32 abendfüllende Komödien und Tragödien und mehrere Kurzstücke geschrieben. Die Ideen findet er im Alltag, aber auch politische Themen wie die Asylpolitik nimmt er immer wieder auf: „Mit der Mischung aus Ernst und Humor, gepaart mit kerniger Mundart haben wir in Reinsbronn einen guten Weg gefunden, der dem Publikum gefällt“ so Arno Boas. „Mundart kommt direkt aus der Seele und ist ein wichtiges rhetorisches Stilmittel für emotionale Situationen.“ Doch auch an kritische Geschichten wagte sich Boas heran, etwa mit dem Stück „An einem Tag im März“, das vom jüdischen Pogrom 1933 in Creglingen handelt und für das er 2013 den „Lamathea“, den Landesamateurtheaterpreis Baden-Württemberg, erhielt.

Dass Arno Boas in Szene kein Unbekannter ist, beweisen seine zahlreichen Auszeichnungen: 1998 erhielt er den „Theater-Pärla“ für das Jugend-Drama „Aufs Kreuz gelegt“, 1999 wurde ihm der des Gottlob-Haag-Ehrenrings verliehen, 2003 kam die Ehrennadel des Arbeitskreises Heimatpflege im Regierungsbezirk Stuttgart hinzu. Es folgte das „Oskarle“ (der Mundart-Theaterpreis Baden-Württemberg) für das Stück „Kaltgestellt“ (2007), der „Theater-Fränzla“ für die Jugendkomödie „Angies Ausflug“ (2010) und die Goldene Ehrennadel des Landesverbandes Amateurtheater Baden-Württemberg (2011). Und „seine“ Heimatgemeinde würdige Arno Boas im Jahr 2016 gar mit der Silbernen Bürgermedaille der Stadt Creglingen.

Die Boas’schen Theaterstücke werden übrigens mittlerweile im ganzen deutschsprachigen Raum gespielt, besonders erfolgreich war seine Komödie „Räuber im Rock“, die zweimal im SWR-3-Fernsehen ausgestrahlt wurde. Einen Ausgleich zu seiner Schreibtisch-Tätigkeit findet der Vater zweier Kinder und Großvater vierer Enkel beim Sport. „Laufen war immer ein wichtiger Bestandteil in meinem Leben“, erinnert sich Arno Boas. In seiner Jugend war er Mittelstreckenläufer und schaffte es gar bis in baden-württemberische Läuferspitze (mit 17 war er der fünftschnellste 800-Meter-Läufer Deutschlands) und auch vor dem Marathon schreckte er nicht zurück.

Wie fühlt man sich mit 60?

Wie fühlt man sich mit 60? Keineswegs anders als sonst, lacht Boas, die innere Neugierde für den Beruf und für das Theater sei nach wie vor da. Und auch nach 39 Berufsjahren stellt er immer noch die bohrenden „Warum-Fragen“, mit denen er als Kind schon seine Eltern nervte. Das Original des ersten Stücks „Das Miststück“ hat übrigens bis heute überlebt – Vokabelheft-Format, auf der damals noch neuen ersten elektrischen Schreibmaschine getippt. Die Schreibmaschine steht noch irgendwo auf dem Dachboden. In diesem Sinne – alles Gute zum Geburtstag!