Creglingen

Am 24. Mai Hedwig und Fritz Glück feiern im Creglinger Stadtteil Finsterlohr Eiserne Hochzeit

„Man muss zufrieden sein und vergeben können“

Finsterlohr.Seit 65 Jahren gemeinsam durchs Leben gehen Fritz und Hedwig Glück. Das Ehepaar aus Finsterlohr feiert seine Eiserne Hochzeit am morgigen Sonntag, 24. Mai. „Man muss zufrieden sein und vergeben können“, meint Fritz Glück zum Erfolgsrezept eines langen gemeinsamen Lebens.

Fritz Glück stammt aus dem Rothenburger Ortsteil Brundorf, Hedwig Glück, geborene Gerlinger, kam am 12. Februar 1930 in Finsterlohr zur Welt. Er, geboren am 22. April 1928, ist 92 Jahre alt und damit der zweitälteste Mann im Ort, sie feierte im Februar ihren 90. Geburtstag und ist somit die älteste Frau im Dorf.

Mit Motorrad nach Finsterlohr

1954 lernte sich das Paar kennen – „Schuld“ daran waren jeweils die Onkels der beiden. Hedwig Glücks Onkel aus Finsterlohr hatte ein Baugeschäft und beruflich in Leuzenbronn zu tun – damals gehörte Brundorf politisch noch zu Leuzenbronn. Dort wohnte ein Onkel von Fritz Glück. Die Onkels hatten wohl das Gefühl, dass da zwei Menschen zusammen passen könnten. Und dieses Gefühl trog nicht. Mit dem Motorrad fuhr Fritz Glück eines Tages über die Landesgrenze nach Finsterlohr.

Die beiden fanden sich sympathisch und feierten 1954 Verlobung. Ein knappes Jahr später, kurz vor Pfingsten 1955, läuteten dann die Hochzeitsglocken in Finsterlohr.

Im Krieg verletzt

1945 war Fritz Glück noch zur Wehrmacht eingezogen worden. Als der Zug, mit dem er unterwegs war, im oberpfälzischen Schorndorf stand, griffen alliierte Flugzeuge an. „Wir haben uns unter die Waggons gelegt“, erinnert sich Fritz Glück an diese dramatische Zeit. Er wurde bei dem Angriff verletzt und kam in ein Lazarett nach Regensburg, dort verbrachte er auch seinen 17. Geburtstag am 22. April 1945. Danach geriet er in amerikanische Gefangenschaft, in der ihm ein Splitter herausoperiert wurde. Schon am 16. Mai 1945 wurde Fritz Glück aus der Gefangenschaft entlassen und kehrte nach hause zurück. In der Landwirtschaftsschule Rothenburg erlernte er den Beruf des Landwirts.

Hedwig Glück besuchte die haus- und landwirtschaftliche Schule in Weikersheim und arbeitete auf dem elterlichen Hof in Finsterlohr, den ihr Mann Fritz einige Jahre nach der Heirat übernahm. Hedwig Glück brachte drei Kinder zur Welt, heute gehören außerdem sieben Enkel und sechs Urenkel zur Familie. 1990 übernahm Sohn Walter den landwirtschaftlichen Betrieb, heute sind die Äcker verpachtet. Hedwig Glück sang viele Jahre im Kirchenchor, Fritz Glück engagierte sich im Ortschaftsrat für die Belange seines Dorfes.

Leidenschaft „Stricken“

„Wir sind zufrieden, auch wenn die Wehwechen kommen“, erzählt Hedwig Glück, deren Leidenschaft das Stricken ist: „An Weihnachten brauche ich 20 Paar Strümpfe“. Auch Fritz Glück ist noch rüstig: „Wir sind keine 18 mehr, aber wir wollen nicht klagen. Schließlich können wir noch jeden Tag herumlaufen“. Am Weltgeschehen sind sie noch genauso interessierte wie an den lokalen Ereignissen. Und was auf den Feldern los ist, das interessiert den Landwirt nach wie vor.

Das Erfolgsrezept eines langen gemeinsamen Lebens klingt einfach: „Man muss zufrieden sein und vergeben können“, sagt Fritz Glück. Und seine Frau Hedwig ergänzt: „Wir haben das gemeistert, was uns an Aufgaben gestellt wurde“. So haben sie zusammen sechseinhalb Jahrzehnte erleben dürfen und freuen sich, wenn nun am Sonntag die Familie zu Besuch kommt, um das seltene Ehejubiläum zu feiern. Und gefeiert wird zuhause, „natürlich im Rahmen der Legalität“, wie Sohn Walter Glück schmunzelnd anmerkt. Das Essen lässt man sich liefern, im Hof ist viel Platz, so dass einer gelungenen Feier nichts im Wege steht.

Unsere Zeitung schließt sich den Glückwünschen gerne an und wünscht dem Ehepaar noch viele weitere gemeinsame Jahre bei guter Gesundheit.