Creglingen

Politischer Nachmittag in Archshofen Parteien-Vertreter im Podiumsgespräch mit Gerold Wolfarth / Diskussion über aktuelle Fragen

Landwirtschaft wieder wertschätzen

Höhepunkt der Kärwe in Archshofen war zweifellos der politische Nachmittag, zu dem Abgeordnete und Kandidaten aus dem Wahlkreis der im Bundestag vertretenen Parteien eingeladen waren.

Archshofen. Begrüßen konnte Ortsvorsteher Walter Gunz drei Politiker, denn Vertreter der Linken und der FDP waren nicht erschienen. Für die CDU war Alois Gerig anwesend, für die SPD Dr. Dorothee Schlegel und für das Bündnis90/Die Grünen Thomas Tuschhoff, der die verhinderte Bundestagskandidatin Charlotte Schneidewind-Hartnagel vertrat. Für die Moderation des Nachmittags zeichnete Gerold Wolfarth verantwortlich, der einen bunten Fragenkatalog quer durch durch alle Bereiche des täglichen Lebens zusammen gestellt hatte, mit Schwerpunkt "Ländlicher Raum".

Gerold Wolfarth versuchte durch geschickte Fragestelltung den Polit-Profis auch Antworten zur aktuellen bundesweiten und internationalen gesellschaftlichen und politischen Situation zu entlocken, was ihm teilweise auch gelang - wenngleich es die drei Diskussionsteilnehmer vermieden, mit Aussagen außerhalb des Wahlprogramms ihrer Parteien vorzupreschen.

"Wenn Sie Kanzler wären..."

Quasi zum Aufwärmen ging die erste Frage an die drei Politiker: "Angenommen sie sind Morgen Bundeskanzlerin Angela Merkel, welche drei Dinge würden Sie sofort in Angriff nehmen?" Dorothee Schlegel würde die Familienpolitik intensivieren, würde für mehr Chancengleichheit zwischen Mann und Frau, arm und reich, jung und alt sorgen, sie würde noch mehr tun dass dieses Europa ein starkes bleibt und ein soziales Europa wird.

Alois Gerig meinte: "wenn vieles gut ist sollte man darüber reden, was alles gut läuft, man muss nicht alles ändern in einem Land, wo es den Menschen gut geht. Man sollte darüber reden, dass die letzten 70 Jahren in Freiheit und in Frieden dazu genutzt wurden, uns einen Wohlstand zu erarbeiten, um den uns die Menschen in der ganzen Welt beneiden".

Deshalb würde er, wenn er Kanzler wäre, dafür sorgen, dass Kontinuität, Seriosität und Ehrlichkeit in der Politik beibehalten wird, dass sich die demokratischen Parteien abgrenzen gegen Parteien die nur Populismus betreiben, ohne Lösungen aufzuzeigen.

Mehr Nachhaltigkeit

Und wenn er Bundeskanzler wäre, würde Thomas Tuschhoff für die Grünen sich dafür einsetzen, dass der Klimaschutz voran getrieben wird. Denn wenn das sich selbst auferlegte Klimaziel nicht erreicht wird, würde viel kaputt gehen. Er würde die Energiewende voran treiben, einhergehend mit der Verkehrswende. Auch das Thema Gebäude, bezüglich des Verbrauchs von weniger flossiler Energie, würde er voran treiben, und auch beim Thema Landwirtschaft sei mehr Nachhaltigkeit gefordert.

Zu den Fragen des Klimaschutz und der Mobilität im ländlichen Raum, waren sich die drei Politiker im Prinzip einig. Die Bewahrung der Schöpfung und die Resoursenschonung, so Gerig, gehe alle etwas an. Der von Menschen gemachte Klimawandel gebe es sehr wohl, auch wenn teils anderes behauptet werde. Man müsse nachhaltig dafür sorgen, dass die Erde geschützt wird. Er stehe hinter dem Pariser Klimaabkommen und hoffe, dass sich immer mehr Länder damit identifizieren und an der Umsetzung mitarbeiten.

In Schiene investieren

Dazu ergänzte Schlegel, dass man aus Paris Hausaufgaben mitbekommen habe, die nun über die Länder bis hinein in die Städte und Gemeinden ungesetzt werden sollten. Letztendlich könne man sich gegen die Trumps und die Verleugner des Klimawandels nur dann durchsetzen, wenn man ein starkes und einiges Europa dagegen setze.

Deutschland müsse dafür sorgen, so Tuschhoff, das man technologisch an der Spitze bleibe, wobei Teile der deutschen Automobilindustrie gerade dabei seien, sich selbst ins technologische Mittelalter zurück zu katapultieren. Im Übrigen würden die Grünen eine Milliarde pro Jahr in den Schienenverkehr investieren (wobei im ländlichen Raum das Auto unverzichtbarer sei), aber auch hier müsse der öffentliche Verkehr gestärkt werden.

Weitere Themen waren waren die Gesundheitsversorgung in Verbindung mit dem Ärztemangel auf den sogenannten flachen Land. Dazu meinte Tuschhoff, dass die bisherigen Einzelpraxen mit dem Arzt als freiem Unternehmer auf lange Sicht keine Zukunft mehr haben würden. Deshalb brauche man flexible Systeme, also Versorgungszentren, wo Ärzte als Angestellte arbeiten können. Es sei nicht so, dass man zu wenig Ärzte habe in Deutschland, sondern überproportional in Ballungszentren und deswegen zu wenig im ländlichen Raum.

Dazu kamen von Schlegel die konkreten Vorschläge, sich doch wieder mit dem Thema Gemeindeschwester zu befassen, oder die Erstellung eines Gesundheitsatlas' für einen bestimmten Bereich, wo alle gesundheitstrelevanten Daten aufgelistet sind, wie Adressen von Ärzten und z. B. Physiotherapeuten. Zusätzlich müsste eine flächendeckende ambulante Versorgung, u.a. angedockt an Krankenhäuser, gewährleistet werden.

Die CDU, so Gerig, werde jungen Medizinstudenten die Chance geben z.B. über ein Stipendium oder einen bevorzugten Studienplatz vertraglich zu binden, um nach dem Studium für einige Jahre im ländlichen Raum tätig zu sein. In diesem Zusammenhang müsse auch der Pflegedienst unbedingt gestärkt werden. Man müsse dafür sorgen, dass jene Menschen die in der Pflege tätig sind, ein positives Umfeld vorfinden.

Heiß diskutiert wurde auch die Problematik der Landwirtschaft inklusive der Tierhaltung, die sich laut Gerig von einigen Seiten geradezu Diffamierungskapagnen ausgesetzt sehe. Was man brauche, sei eine Wertschätzung der Bauern und ihrer Produkte.

Auch die Themen Renten, schnelles Internet, kamen zu Sprache, konnten ob der fortschreitenden Zeit leider nicht zu Ende diskutiert werden.

"Ehrlich bleiben"

Zusammenfassend stellte Moderator Gerold Wolfarth den Politikern die Frage zu künftigen Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands. Die Wirtschaft könne auf Dauer nur wettbewerbsfähig bleiben, so Dr. Schlegel, wenn sie ehrlich bleibe. Man müsse aber auch mehr in Bildung investieren um kluge Köpfe in Deutschland zu halten. Der Wirtschaftsstandort brauche eine starke Europäische Union. Die Politik alleine werde es laut Tuschhoff nicht schaffe,n den Wirtschaftsstandort zu erhalten, dafür brauche es vor allem die deutsche Kreativität. Die Politik sei aufgefordert, die Rahmenbedingungen u schaffen. Alois Gerig betonte, dass man in Deutschland "gut und gerne lebt". Man habe in den letzten Jahren viel erreicht, durch eine insgesamt solide und von Sachlichkeit geprägte Politik. Der Haushalt stimme, man mache keine neue Schulden. Man werde in der Zukunft die Familien stärken, die Politik für den ländlichen Raum intensivieren, somit im gleichen Atemzug die Ballungszentren entlasten. Das sei eine Win-win-Situation für Deutschland. habe