Creglingen

Windpark Klosterwald Gutachter erläutern ihre unterschiedlichen Schallmessmethoden / Bürgermeister offen für weitere Messungen

Lärmproblematik sorgt weiter für kontroverse Diskussion

Archivartikel

Reinsbronn.Gleich zwei Firmen hatten in den letzten drei Jahren Schallschutzmessungen im Windpark Klosterwald durchgeführt – die eine im Auftrag der Betreiber, die andere im Auftrag der Stadt Creglingen. Zwar gab es im Regelbetrieb keine Überschreitungen der zulässigen Richtwerte, doch Kritik hagelte es bei der Bürgerversammlung am Donnerstag in Reinsbronn trotzdem. Denn die im Zuge des Genehmigungsverfahrens erfolgte Messung wurde nur an drei Messstellen durchgeführt, während eigentlich an vier Stellen hätte gemessen werden müssen.

Lärmmessungen sind eine komplizierte Sache. Dass die reinen Richtwerte nicht unbedingt das Nonplusultra sind, dass die TA Lärm nicht für Windparks gemacht ist und dass die Topographie in der Umgebung des Windparks ebenfalls nicht ideal ist, wurde bei der Bürgerversammlung schnell deutlich. Und so standen auf der einen Seite die zwar formell eingehaltenen Richtwerte, auf der anderen Seite aber die Erfahrungswerte der betroffenen Bürger – mit gravierenden Unterschieden.

Die Wölfel-Gruppe aus Würzburg war im Rahmen des Genehmigungsverfahrens von den Betreibern – in Absprache mit dem Landratsamt – mit den Messungen beauftragt worden. Gemessen wurde an drei Standorten – in Frauental, Erdbach und Reinsbronn. Eigentlich war auch in Freudenbach eine Messung erforderlich – auf die aber wurde verzichtet, weil innerhalb von zwei Jahren nicht die für die Messung erforderliche Windrichtung vorgeherrscht habe, wie Tim Wandrach von der Wölfel-Gruppe ausführte. Caroline Lang vom Landratsamt Main-Tauber-Kreis bestätigte dies: „Wenn die Richtwerte an drei Standorten eingehalten werden, kann man unter den gegebenen Umständen davon ausgehen, dass sie auch am vierten Standort unterschritten beziehungsweise eingehalten werden“.

Eine Erklärung, die Siegfried Schambortzki aus Freudenbach nicht gelten lassen wollte: „Es war nicht in Ordnung, den Messpunkt Freudenbach einfach fallen zu lassen“. Tim Wandrach indessen zeigte sich davon überzeugt, dass in Freudenbach weniger Lärm als in den anderen Ortschaften ankomme. Das Mess-Verfahren der Wölfel-Gruppe funktioniere nach dem worst-case-Fall. „Wir messen dann, wenn die Prognosen den stärksten Wind vorhersagen“, so der Experte. Das sei auch der Grund, weshalb man nicht nachts gemessen habe, denn in diesem Zeitraum würden die Prognosen niedriger ausfallen. Gemessen wurde im Oktober, also im Herbst, wenn der Wind generell stärker bläst.

Die Firma Heine und Jud wiederum hat von März bis Juli gemessen, wie Gutachter Thomas Heine berichtete. Anders als die Wölfel-Gruppe, die zeitlich punktuell vor Ort war, nahmen Heine und Jud Langzeitmessungen vor, allerdings nicht im Herbst. „Das lag aber daran, dass wir von der Bürgerinitiative aufgefordert waren, die Messungen schnellstmöglich durchführen zu lassen“, erklärte Bürgermeister Uwe Hehn. Die Messungen des Büros Heine und Jud habe die Stadt Creglingen alleine finanziert, betonte der Bürgermeister, und die Betreiber seien nicht über den Zeitpunkt der Messungen informiert gewesen. Heine und Jud hatten in Abstimmung mit der Stadt fünf Messstellen eingerichtet – in Niedersteinach, Erdbach, Freudenbach, Frauental und Reinsbronn. Gemessen wurde zwischen 3. März und 13. Juli 2016 während zehn bis elf Wochen. Eigentlich sollte nur sechs Wochen lang gemessen werden, in dieser Frist aber kamen nicht genug Messdaten zusammen.

„Wir haben eine blöde topograpische Lage“, sagte Bürgermeister Hehn – während die Windkraftanlagen unter Volllast laufen würden, herrsche im Tal Windstille, was den Lärmeindruck vor allem nachts verstärke. Auch die von den Bürgern als besonders belastend empfundenen Schlaggeräusche der Anlagen konnten die Experten nachvollziehen. Letztendlich aber sagen die Messdaten beider Büros, dass die Grenzwerte eingehalten werden. Der Eindruck von Bürgern, dass der Lärm innerhalb der Dörfer stärker ist als am Ortstrand, könnte daher rühren, dass es durch Gebäude Reflexionen gibt. Seitens eines Bürgers wurde als „nicht korrekt“ moniert, dass andere Geräusche bei der Bewertung des Lärms herausgerechnet würden.

Bürgermeister Uwe Hehn sagte zu, sich mit den Betreibern und dem Landratsamt zusammenzusetzen und über eventuelle weitere Messungen zu sprechen – „ich habe verstanden, dass Ihnen eine Messung in Freudenbach wichtig ist“, betonte Hehn – und auch über eine Messung im Herbst sei zu diskutieren.

Caroline Lang sagte „informative Messungen“ im Windpark zu und – wenn erforderlich – Maßnahmen zu ergreifen. Das dürfte die BI freuen: „Wir haben lange genug darauf gewartet, werden Sie bitte tätig“, forderte Eckehard Bach.