Creglingen

Bebauungsplan „Hochkreuz“ in Schmerbach Gemeinderat entscheidet sich für ein allgemeines Wohngebiet / Landwirt sieht sich in Entwicklung eingeschränkt

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Archivartikel

Creglingen.Nicht leicht fiel dem Creglinger Gemeinderat der Beschluss zur Aufstellung des Bebauungsplanes „Hochkreuz“ in Schmerbach als allgemeines Wohngebiet. Bei neun Ja-Stimmen gab es fünf Enthaltungen und drei Nein-Stimmen. Problemlos dagegen verlief die Beschlussfassung über die Bebauungspläne „Rück“ in Waldmannshofen und „Forst“ in Finsterlohr.

In einem vereinachten Verfahren soll in Schmerbach ein allgemeines Wohngebiet zum Bau von vier Einfamilienhäusern ausgewiesen werden. Der entsprechende Bebauungsplan sorgte in der Sitzung des Gemeinderates in der Schul-Cafeteria allerdings für kontroverse Diskussionen – vor allem am Unterschied zwischen „Wohngebiet“ und „Dorfgebiet“ entzündete sich der Streit. Bei der Ausweisung eines allgemeinen Wohngebiets gelten deutlich strengere Abstandsregelungen zwischen Wohnbebauung und landwirtschaftlicher Nutzung. Der Oberrimbacher Landwirt Matthias Frieß sieht sogar langfristig seinen Betrieb gefährdet, weil er befürchtet, an seinem Aussiedlerhof nicht mehr expandieren zu können, wenn im nicht weit entfernten Schmerbach ein allgemeines Wohngebiet ausgewiesen wird. Er plädierte – vergeblich – dafür, das Baugebiet als Dorfgebiet auszuweisen.

Göran Schmidt von der Planungsgruppe Kölz stellte den Plan vor. Das südlich von Schmerbach gelegene Gebiet „Hochkreuz“ befindet sich im Regionalplan und im Flächennutzungsplan der Stadt Creglingen im Außenbereich und ist bisher nicht für Wohnbebauung eingeplant. Stattdessen sind bislang drei andere Standorte rund um Schmerbach für Wohnbebauung vorgesehen. Aus unterschiedlichen Gründen sollen diese drei Standorte aber wegfallen, unter anderem wegen schwieriger Erschließbarkeit. Stattdessen setzt die Stadt auf das Gebiet „Hochkreuz“. Dieser Plan soll, wie Göran Schmidt erläuterte, in einem vereinfachten Verfahren aufgestellt werden, was aber nur geht, wenn es sich um reine Wohnbebauung handelt. Die ebenfalls für ein solches Verfahren erforderliche unmittelbare Nähe zur Ortslage sei dadurch gegeben, dass es direkt an die bereits bestehende Ergänzungssatzung „Hochkreuz“ anschließe, wo schon ein Neubau stehe. Für das vereinfachte Verfahren sprechen auch die Kosten, die deutlich günstiger sind als bei einem normalen Verfahren.

Westlich und östlich des Baugebiets befinden sich zwei landwirtschaftliche Betriebe. Der östlich gelegene Betrieb mit Schweinemast und Ferkelaufzucht sei zwar nur rund 220 Meter entfernt, es seien aber aufgrund der Windverhältnisse keine Probleme mit Geruchsbelästigung zu erwarten, so Schmidt. Der westlich gelegene Betrieb, knapp 400 Meter entfernt, betreibt momentan Ferkelaufzucht, will aber auf Schweinemast umsteigen. Trotzdem sehe man auch hier keine Probleme, sagte der Planer.

Der betroffene Landwirt – Matthias Frieß aus Oberrimbach – sieht das anders. „Meinen jetzigen Standort schränkt die Nähe zu einem allgemeinen Wohngebiet in seiner Entwicklung ein“, sagte der Landwirt. Er werde die Sache rechtlich prüfen lassen, kündigte er am Dienstag an. Wie diese Prüfung ausfällt, wird die Öffentlichkeit im weiteren Bebauungsplanverfahren erfahren, denn laut Göran Schmidt erfolgt demnächst die Anhörung der Träger öffentlicher Belange und der Öffentlichkeit. Hier hat jeder die Möglichkeit, Bedenken gegen das Bauvorhaben vorzubringen, und dieses Recht werde er in Anspruch nehmen, so Matthias Frieß. Ob der Bebauungsplan, wie momentan vorgesehen, im Februar als Satzung beschlossen werden kann, hängt deshalb auch davon ab, welche Einwände kommen werden.

Für Bürgermeister Uwe Hehn gibt es keine Alternative zur geplanten Ausweisung des Baugebiets als allgemeines Wohngebiet. „Da dort nur Wohnhäuser hin kommen, muss es als Wohngebiet ausgewiesen werden“, so Hehn. Die Landwirtschaft könne sich trotzdem weiter entwickeln. Eine innerörtliche Wohnbauentwicklung in Schmerbach sei schwierig, sagte der Bürgermeister. Ortsvorsteherin Anette Feidel pflichtete ihm bei. Nur im Gebiet „Hochkreuz“ sei eine wohnbauliche Entwicklung möglich, so Anette Feidel.

Stadträtin Daniela Pfeuffer blieb bei ihrer Auffassung, dass ein Dorfgebiet sinnvoller sei als ein Wohngebiet. „Ein Wohngebiet gehört nicht dorthin“, meinte sie und sah im Ort durchaus Potenzial für Wohnbebauung. Stadtrat Andres Jöchner pflichtete ihr bei: „Niemand will das Bauen verhindern, aber in einem Wohngebiet sei es ja schon problematisch, Holz zu sägen beziehungsweise zu lagern.

Stadtrat Ulrich Schönberger plädierte dafür, gegenüber Matthias Frieß mit offenen Karten zu spielen und Verständnis für seinen Standpunkt aufzubringen. Schließlich sei Frieß der Gemeinde entgegengekommen, indem er seinen ursprünglichen Plan zum Bau von Mastställen für 200 000 Hähnchen deutlich reduziert habe. Stadtrat Rudi Müller kritisierte die hohen Kosten, die die Stadt für außerörtliche Baugebiete ausgebe. „Da haut man das Geld rein, und diejenigen, die im Ort bauen wollen, kriegen nichts“. Bürgermeister Uwe Hehn kündigte an, demnächst eine Satzung vorzulegen, die städtische Zuschüsse für Bauwillige vorsieht, die innerörtlich bauen beziehungsweise renovieren wollen. Gleichwohl verteidigte Hehn die Investition in Baugebiete. „Ich will dieses Baugebiet, denn es hilft uns, junge Familien hier zu halten“.

Planer Göran Schmidt verwies darauf, dass ein Dorfgebiet nur für landwirtschaftliche Hofstellen gedacht sei. Die aber seien in Schmerbach nicht vorgesehen. Und Stadträtin Sylvia Thomas machte deutlich, dass zum Beispiel auch in einem Mischgebiet Landwirte dabei sein müssten. „Da verpflichtet man sich zu einer Mischung“. In einem allgemeinen Wohngebiet wiederum seien durchaus gewerbliche Nutzungen wie ein Friseur, Kosmetikstudios oder Praxen möglich. Nur in reinen Wohngebieten seien die Vorschriften strenger. Bei drei Gegenstimmen und fünf Enthaltungen fasste der Gemeinderat abschließend die zur Aufstellung des Bebauungsplanes „Hochkreuz“ erforderlichen Beschlüsse.

Baugebiet „Rück“

Bereits im Verfahren befindet sich der Bebauungsplan „Rück“ in Waldmannshofen. Hier sind insgesamt 18 Baugrundstücke mit einer Größe zwischen 700 und 1200 Quadratmetern vorgesehen. Göran Schmidt stellte die wesentlichen Anregungen vor, die im Rahmen des Verfahrens eingegangen sind. Unter anderem muss die im Trennsystem geplante Abwasserentsorgung untersucht werden, hierzu soll ein Fachbüro beauftragt werden. Das Landesdenkmalamt hat sich ebenfalls zu Wort gemeldet und für einen kleinen Teilbereich des Baugebiets eine archäologische Voruntersuchung angemahnt. Die Stadt sicherte zu, den betroffenen Quartiersabschnitt vor der Erschließung untersuchen zu lassen.