Creglingen

Leserbrief Zu „Wahnsinnschance für Creglingen“ (FN 23. Juli)

Informationsfluss ist mangelhaft

Sinn und Zweck eines Bebauungsplans Ist der Aufstellungsbeschluss des „Bebauungsplans Rothenburger Straße“ wirklich eine Chance für Creglingen? Ein Bebauungsplan wird in der Regel für einen Teil einer Stadt aufgestellt, um unter anderem die „Baukulturelle Erhaltung und Entwicklung des Orts- und Landschaftsbildes“ zu gewährleisten. Ein wichtiger Aspekt dieses Regelwerks ist, dass ein relativ hoher Grad an Verlässlichkeit besteht und sich alle darauf einstellen können.

Bei diesem Bebauungsplan handelt es lediglich um zwei Flurstücke in einem wesentlich größeren Teil des Ortes an der Rothenburger Straße. Hier sollen zwei Wohntürme auf einem Grundstück ermöglicht werden, das – unter Berücksichtigung des Orts- und Landschaftsbildes – bei vernünftiger Betrachtungsweise vielleicht ein Sechs-Familien-Haus verträgt.

Die nach dem bisher geltenden Bebauungsplan erstellten Gebäude durften eine bestimmte Geschossanzahl nicht übersteigen, es gab Vorgaben für die Dachform, Dachgestaltung, Traufhöhe und Firsthöhe, an die sich alle Hauseigentümer zu halten hatten und dies auch gerne getan haben, weil sie diese Regelungen im Sinne des Orts- und Landschaftsbildes eingesehen haben. Das soll jetzt für zwei Flurstücke mit zwei Wohntürmen, die sicher nach Ludwigsburg oder Stuttgart passen, in Creglingen an diesem Platz aber – wie es in der Gemeinderatssitzung schon angesprochen wurde – eher für Parkhäuser gehalten werden können, nicht mehr gelten. In einem neu geplanten Baugebiet können derartige Häuser auch in Creglingen stehen, aber nicht mitten im Altbestand. Der Aspekt „Verkehrsbelange“ wird in dem Vorhaben ebenfalls nur unzureichend berücksichtigt. Die Rothenburger Straße ist an normalen Werktagen – anders als es das Bild im Artikel darstellt – - komplett „zugeparkt“. Die Fahrzeuge von 21 Haushalten kann das Grundstück nicht aufnehmen, also muss auch hier die Straße herhalten, die es eigentlich nicht mehr kann. Die Meinung, dass in Creglingen nicht jeder Haushalt über ein Auto verfüge, ist nur fast richtig. Sehr viele Haushalte verfügen über mehrere Fahrzeuge bis hin zu einem pro Kopf. Das wird in einem Wohnkomplex mit 21 Wohnungen nicht viel anders sein.

Vergleiche mit anderen Städten, die auch ihre Parkplatzprobleme hätten, hinken schon aufgrund der Vergleichsgröße und deren industrieller Umfelder. Und „dann ist das halt so“ schafft auch keinen Parkraum. Der politisch gewollten „Nachverdichtung“ wird durch die Planung auch nicht Rechnung getragen. Es wird nicht durch Aufstockung vorhandener Substanz Wohnraum geschaffen, um zusätzliche Versiegelung von Fläche zu verhindern. Es soll hier mindestens die dreifache Fläche versiegelt und dann unendlich „nachverdichtet“ werden. Da die Planung nach jedem neuen Schritt andere Zahlen ergibt, können sich die umliegenden Hauseigentümer kein Bild machen, was wirklich dort entsteht. Von anfangs 16 über 20 bis Stand jetzt 21 Wohnungen mit knapp 30 Unterstellplätzen und den falschen Höhenangaben sowohl in der Planung als auch in der beschriebenen möglichen Reduzierung der Firsthöhe bleibt das Bild für das viergeschossige Wohngebäude, das faktisch fünf Stockwerke hoch ist, wenig konkret.

Der Informationsfluss über das Vorhaben ist offensichtlich unterschiedlich und mangelhaft. Wie ist es sonst zu erklären, dass eine Stadträtin eine niedrigere Bauhöhe von 150 cm in den Raum wirft, während diese bei den Anwohnern am Vorabend nur 55 cm betragen hat? Leider wurde der Wert veröffentlicht, der die Wohntürme in einem besseren Bild erscheinen lässt. Auf einer so unklaren Beschlusslage kann eigentlich kein wirksamer Beschluss erfolgen. Die Darstellung des Objekts im Artikel ist ein „Fake“. So „schön“, ruhig und verschlafen wie in der Computersimulation wird die „Wahrheit“ sicher nicht aussehen.

Bleibt die Frage: „Wem nützt dieses Projekt“? Kann sich der Normalverdiener eine solche Wohnung kaufen oder kann er die Miete bezahlen? Dürfen ortsansässige Handwerker das Projekt umsetzen, wie ich es im Umfeld der Gemeinderatssitzungen ansatzweise vernehmen konnte? Allerdings erschien mir die Ernsthaftigkeit der Aussage fragwürdig. Dem Investor wird es sicher nützen, sonst würde er es nicht machen. Der Gewinn von bisher fünf Investorenwettbewerben für „hochwertige Wohnprojekte“ im Großraum Stuttgart ist schön, für ein Projekt in Creglingen aber nicht relevant. Warten wir ab, was passiert, vielleicht müssen die Anwohner wieder die Aussage „das ist dann halt so“ akzeptieren.