Creglingen

70. Geburtstag Universitäts-Professor Dr. Horst F. Rupp feierte / Buch über Creglinger Juden geschrieben

Forscherdrang nicht verloren

Archivartikel

Würzburg/Creglingen.Universitäts-Professor Dr. Horst F. Rupp, der bis zum Jahr 2015 Inhaber des Lehrstuhls für Evangelische Theologie mit dem Schwerpunkt Religionspädagogik und Didaktik des Religionsunterrichts an der Julius-Maximilians-Universität Würzburg war, feierte seinen 70. Geburtstag.

Die Feier fand im Toscanasaal der Residenz statt, an dem Festakt nahmen zahlreiche Gäste teil, insbesondere auch aus der Schweiz, wo Horst F. Rupp seit seiner Ruhestandsversetzung vermehrt lebt und auch forscht. Auch in Creglingen hat Horst F. Rupp Spuren hinterlassen: als Mitautor des Buches „Vom Leben und Sterben. Juden in Creglingen“, das vor exakt 20 Jahren erschienen ist und das Horst Rupp zusammen mit dem Markelsheimer Historiker Hartwig Behr herausgebracht hatte.

Rupps Bezug zu Creglingen rührt von seinem Großvater Karl Stahl her, der in den 30-er Jahren NSDAP-Ortsgruppenleiter in Creglingen und auch an dem Pogrom vom 25. März 1933 beteiligt war. Damals wurden 16 Juden im Creglinger Rathaus schwer misshandelt. Zwei Männer – Hermann Stern und Arnold Rosenfeld – starben an den Folgen der Misshandlungen.

Bewegende Rede

1998 hielt Horst Rupp – der Enkel des Mittäters – bei einer Gedenkfeier zum 65. Jahrestag des Pogroms im Romschloss im Beisein von Nachkommen eines der Opfer eine bewegende Rede, die von vielen als wegweisend für die weitere Bewältigung der Vergangenheit gewertet wurde. Im weiteren Verlauf gab es dann im Jahr 2000 aber Streit zwischen der Stiftung jüdisches Museum Creglingen und Horst Rupp, der sich an der inhaltlichen Ausrichtung des jüdischen Museums entzündete (wir berichteten seinerzeit ausführlich). In der Folge schied Horst Rupp aus dem Vorstand der Stiftung aus.

Grußworte zu Horst Rupps 70. Geburtstag sprachen für die Julius-Maximilians-Universität Würzburg der Dekan der Fakultät für Humanwissenschaften, Prof. Dr. Johannes S. Hewig, für das Institut für Evangelische Theologie und Religionspädagogik Prof. Dr. Klaas Huizing und PD Dr. Tanja Gojny, für die Evangelisch-Lutherische Kirche in Bayern die Dekanin Dr. Edda Weise und Swantje Luthe für die KLT, die Konferenz der in der Lehrerbildung tätigen bayerischen Religionspädagogen, der Horst F. Rupp über Jahre hinweg selbst vorstand.

Eine originell-launige Laudatio auf den Jubilar hielt Dr. Gerhard Simon, ein enger Kooperationspartner und Freund von Prof. Dr. Horst F. Rupp. Er betonte insbesondere die auch nach der Ruhestandsversetzung gegebenen und thematisch breit gefächerten Forschungsinteressen von Horst F. Rupp, die sich in einer Vielzahl von meist interdisziplinär ausgerichteten Publikationen niedergeschlagen haben, die vor allem das Überschneidungsfeld von Theologie, Pädagogik, Geschichte und Kunstgeschichte betreffen. Den Festvortrag hielt Prof. Dr. Manfred L. Pirner von der Universität Erlangen-Nürnberg, dessen Ausführungen unter dem Titel „Mensch bleiben. Erinnerungskonstruktion als Chance und Aufgabe“ standen. Die musikalische Rahmung gestaltete das Trio Clarino.

Moderiert wurde die Veranstaltung von Professorin Dr. Susanne Schwarz von der Universität Landau und von Martha Glaab, zwei ehemalige Wissenschaftliche Mitarbeiterinnen von Horst F. Rupp an der Universität Würzburg, sowie von Anna Rupp, einer seiner Töchter. Am Schluss des Festaktes wurde dem Jubilar eine Festschrift mit dem Titel „Religionspädagogik und (Auto-)Biographie“, herausgegeben von Susanne Schwarz und Anna Rupp, überreicht, die an ein von Horst F. Rupp initiiertes Langzeit-Forschungs-Projekt anknüpft, in dessen Rahmen Religionspädagogen aus dem gesamten deutschsprachigen Raum ihre Lebensgeschichte in Verknüpfung mit ihren konzeptionellen Vorstellungen präsentieren. pm/abo