Creglingen

Leserbrief Eine Hand voll Jugendlicher begeht in Creglingen Sachbeschädigungen und bedroht Bürger / „Hier kann fast jeder machen, was er will“

„Es herrscht ein allgemeiner Zustand der Unordnung und Unsicherheit“

Security in Creglingen – warum nicht auch für den Schulweg? Es ist schon außergewöhnlich, dass in einem Dorf, so wird Creglingen vom Stadtoberhaupt selbst bezeichnet, ein Sicherheitsdienst eingesetzt wird, um einer Handvoll Jugendlicher und Heranwachsender Herr zu werden, die im Ort Sachbeschädigungen begehen, Gleichaltrige bedrohen und andere Bürger anpöbeln. Zumal der Einsatz des Sicherheitsdienstes bis zum Jahresende wohl mehr als 20 000 Euro kosten wird.

Und das in einer Gemeinde, die notorisch auf den herrschenden Geldmangel hinweist und damit vor allem auch begründet, Maßnahmen zur Aufrechterhaltung der Sicherheit und Ordnung nicht durchführen zu können. Deshalb herrscht seit längerer Zeit, unabhängig von der genannten Personengruppe, in Creglingen ein allgemeiner Zustand der Unsicherheit und Unordnung.

Das beginnt mit der fehlenden Sanktion von Falschparkern, die rücksichtslos die Gehwege zustellen, der mangelnden Pflege von Fußwegen, deren Benutzung aufgrund tief überhängender Zweige nur noch von Kindern bis Körpergröße 120 cm möglich ist, verwitterten oder antiquierten Hinweisschildern, die nicht mehr zu lesen oder nicht entfernt sind, nicht weggeräumter Müll auf öffentlichen Flächen, fehlende Kenntlichmachung von Gehweg und Privatbereich durch Markierungsstreifen, das nicht Einschreiten gegen dauerhaftes Hundegebell, usw.

Kurzum: Hier kann fast jeder machen, was er will, und die Gemeindeverwaltung schaut weg. Das ‚Sich Kümmern‘ um die Belange der Bürger ist augenfällig – ziemlich verkümmert. Muss man sich dann wirklich wundern, wenn einige perspektivlose Heranwachsende diese Erkenntnis ausnützen und massiv über die Stränge schlagen? Auch andere setzen sich penetrant über bestehende Regeln hinweg, allerdings nicht in dieser Dimension. Bestes Beispiel dafür ist die Situation in der Torstraße, die – zugegeben – seit Jahren mehr oder weniger laut diskutiert wird. Fakt ist, dass die Torstraße, mit äußerst schmalen Gehwegen, für viele die direkte Verbindung zur Grundschule und auch von den Wohngebieten Pilsen und Schafgärten zum Kindergarten und in das Dorfzentrum darstellt.

Einige Bewohner der Torstraße oder des einmündenden Schlosserbucks kümmern sich, gelinde gesagt, einen feuchten Kehricht darum, ob die übrige Bevölkerung, insbesondere die Schul- und Kindergartenkinder die zugestellten Gehwege verlassen und auch bei Dunkelheit und Dämmerung auf die Straße ausweichen müssen. Auch kaum vorstellbar: man stellt einfach sein Gespann im eigenen zu kurzen Hofraum ab und blockiert mit dem Anhänger komplett den Gehweg und zwar nicht nur kurzfristig, sondern tagelang.

Ein nahezu unerträgliches Beispiel ist, dass das schmalste Stück Gehweg auf Höhe des Schlosserbucks regelmäßig mit braunen, blauen oder grauen oft überquellenden Abfallbehältern oder Kartonagen und Säcken von wenigen Anwohnern blockiert wird. Vor inzwischen mehr als zwei Jahren habe ich die Gemeinde gebeten, mit den Anwohnern eine Lösung zu finden. Es hat sich seither bedauerlicherweise nichts geändert. Gelegentlich stelle ich deshalb die Tonnen ganz einfach auf die andere Straßenseite, um den Gehweg freizumachen. Dort ist nämlich genügend Platz.

Von privater Seite wurde zwischenzeitlich sogar ein buntes Schild mit Kindern an dieser Engstelle angebracht, um auf den Vorrang und die Notwendigkeiten für Kinder aufmerksam zu machen. Dieses wird aber einfach mit zugestellt.

Vor wenigen Wochen habe ich die zuständige Amtsleiterin, die häufiger selbst den Hindernissen ausweichen muss, wieder einmal gebeten, Abhilfe zu schaffen. Ich hatte erfahren, dass ganze Grundschulklassen auf dem Weg zur Stadtbücherei den, wie immer bereits am Vortag zu den Abholterminen zugestellten Gehweg verlassen mussten. Leider wurde selbst darauf nicht reagiert, obwohl die Lösung aus meiner Sicht doch herzlich einfach ist.

Fehlt es ganz einfach am Engagement, beruflichen Selbstverständnis oder einer eigenen Idee? Aber Creglingen wirbt doch damit, eine Gemeinde mit Ideen zu sein.

Eine schlechte Idee war jedenfalls die Empfehlung, die Torstraße zu vermeiden, weil „das kein sicherer Schulweg sei“. Zurück zur Security. Über deren Einsatz in der Torstraße wäre mangels eigener Handlungskompetenz verstärkt nachzudenken, um die enormen finanziellen Aufwendungen ein klein wenig zu rechtfertigen, zugunsten der Kinder und allgemein der Fußgänger.

Der messbare und dauerhafte Erfolg der eigentlichen Sicherheitsmaßnahme würde dadurch mit Sicherheit nicht beeinträchtigt. Am Ende hat die Zielgruppe ja genug Zeit auszuweichen, auszuschlafen oder abzuwarten.

Irgendwie wird man es wohl schaffen, das eigentliche Problem zu verdrängen.

Mir liegt am Herzen, dass in unserer Gemeinde das Wohl der Bürger, der Menschen, mehr in den Mittelpunkt gerückt wird. Gemessen an den sehr einfach strukturierten Äußerungen aus dem Gremium unserer Gemeindevertreter, hat das der Tiere wohl schon verloren.