Creglingen

Leserbrief Zu „Grünes Licht trotz anhaltender Kritik“ (FN 29. Oktober)

Creglingen muss wachsen – wirklich?

Neben den in dem Bericht beschriebenen Begriffen wäre auch noch die „objektbezogene Vorhabenplanung“ zu erwähnen. Es wurde zwar vom Bürgermeister bestritten, dass es sich hier um eine solche handeln würde, eine andere Bezeichnung für diese Planung, die ein fertiges Objekt in einer Baulücke ermöglichen soll, kann ich jedoch nicht finden.

Ein neuer Bebauungsplan für zwei Grundstücke innerhalb eines existierenden Bebauungsplans für das Gebiet ist genau das und nichts anderes. Die Begründung, der „Regionalplan Heilbronn-Franken und der Main-Tauber-Kreis“ wollen die Nachverdichtung, ist extrem schwach und fadenscheinig. Der Regionalplan selbst hat gar keinen Willen, er gibt lediglich einen Rahmen an die Hand, in dem die vor Ort zuständigen Verantwortlichen sich bei ihren Planungen bewegen sollen. Es ist also der Bürgermeister, der die Nachverdichtung will und der die Interessen des Investors vertreten und die der Anwohner nicht hören will. Das Bild im Artikel zeigt mehr als deutlich, dass hier für so ein großes Objekt nicht der richtige Platz ist. Dass sich die „verschiedenen Lager“ unversöhnlich gegenüber stehen kommt vielleicht daher, dass sich die eine Seite von Beginn an nicht zu Kompromissen bereit gezeigt hat. Wenn – wie beschrieben – durch die Stadtverwaltung immer alle Vorwürfe zurückgewiesen werden, kommt es natürlich nicht zu einem Einvernehmen oder einem Kompromiss.

Bereits in der ersten Sitzung im Februar wurde angeregt, das Gebäude flacher zu bauen. Die Aussage des Investors war damals: „Wenn es flacher wird, muss es größer werden“. Geändert wurde im Grunde nichts. Damit ist die Richtung klar beschrieben.

In ihren Stellungnahmen geht die Stadt nicht ansatzweise auf die Kernpunkte der Einwendungen ein. Die Einwendungen werden zwar alle vorgelesen, die Vortragsweise hat jedoch teilweise dazu geführt, dass man den Sinn der Einwendung nicht mehr erkennen konnte. Es war auch oftmals nicht deutlich, wo die Einwendung aufhört und die Stellungnahme der Stadt anfängt. Man bekommt bei allen Stellungnahmen den Eindruck, die Stadt sei nicht zuständig und schon gar nicht verantwortlich. Wie durch die beiden Wohntürme ein Mehrwert an den anliegenden Häusern entstehen soll, versteht wohl auch nur der, der diese Äußerung getätigt hat.

Dass das aus Sicht des Bürgermeisters „inhomogene Wohngebiet Rothenburger Straße“ als Begründung herangezogen wird, mit zwei (Lagerhaus)-Türmen noch einen drauf zu setzen, muss wohl auch nicht jeder verstehen. Andernorts gemachte negative Erfahrungen für Creglingen in positive Effekte umzudeuten, ist ebenfalls nicht einfach nachzuvollziehen.

Man hätte die Einwendungen auch schriftlich beantworten können, dann hätte jeder die Stellungnahme in der Hand gehabt und das umständliche, wiederholte Vorlesen der selben Textbausteine hätte entfallen können. Aber vielleicht war es ja das Ziel, den Gemeinderat zu ermüden und so leichter zu dem gewünschten Beschluss zu kommen. Immerhin hat der Main-Tauber-Kreis, oder besser gesagt eine der dort verantwortlichen Personen, den Taschenspieler-Trick mit der Mehlschwalbenumsiedlung zum städtischen Bauhof in der „Artenschutzrechtlichen Potentialanalyse“ bemerkt und die Durchführung in der vorgesehenen Art und Weise nicht zugelassen. Das „Gutachten“, dass das Haus in der Weinbergstraße 12 selbst im Winter die volle Sonne abbekäme, wird sich in der Realität als unwahr herausstellen.

Der „demokratische Anstrich“ der Sitzung blättert jedenfalls gewaltig. Ziemlich früh, als der Tagesordnungspunkt noch gar nicht behandelt wurde, hat der Bürgermeister schon gesagt, dass nicht mehr diskutiert, sondern nur noch beschlossen werde.

Außerdem hat angekündigt, es bei der nächsten sich bietenden Gelegenheit wieder so zu machen. Das lässt den Schluss zu, dass doch einem einzelnen Bauvorhaben oder Investor ein Gefallen getan wird, das heißt, eine Gefälligkeitsplanung durchzuwinken, die im aktuellen Fall aber vehement abgestritten wird.