Creglingen

Romschlösslegarten Hoheiten, Stadtvogt und Nachwächter gaben sich am Zwinger die Ehre / Von Creglinger Büchereiteam und Gartenfreunden organisiert

Auf dem „Rosen und Poesie“-Pfad der Sinne wandeln

Creglingen.Vom Romschlösslegarten her wehten feine Flötenklänge über den Ort: Büchereiteam und Gartenfreunde hatten zur Übergabe des neu geschaffenen Pfads der Sinne in den im hinteren Garten gelegenen Zwinger eingeladen.

Vor fast anderthalb Jahrzehnten hatten die Gartenfreunde den Romschlösslegarten aus seinem Dornröschenschlaf geweckt und die Terrassenanlage zwischen Romschlössle und Zwinger in ein kleines Paradies verwandelt. Bereits damals setzten sie aufs Creglinger „Wir-Gefühl“, pflegten von Anfang an Kooperationen, immer wieder etwa mit der Bücherei im Romschlössle.

Die will nicht nur möglichst vielen Menschen Literatur und andere Medien nahebringen, sondern will das Wissen aus Büchern auch umzusetzen helfen: etwa bei Kochen mit Kindern nach Anregungen aus dem Sachbuchbereich. Das Büchereiteam bietet seit Jahren, was große Bibliotheken vollmundig als „Makerspace“ bewerben.

Den „Makerspace“ boten Bücherei und Gartenfreunde in den vergangenen Wochen mit einem Gartenstelen-Gestaltungsworkshop. Irgendwie erfasste ein regelrechter Kreativitätsschub die von Olga Reinhard angeleitete Workshop-Gruppe.

Nicht nur Ideen für die eigenen Gärten sprudelten nur so, sondern auch die Idee, dem Romschlösslegarten einen Stelenpfad im Zwinger anzugliedern. Und die zog Kreise, wie der Creglinger „Stadtvogt“ Hermann Grieser und der „Stadtnachtwächter“ Andreas Heinze bestätigten: Schon seit Wochen summten Gerüchte und Erwartungen durch den Ort, dass sich im Zwinger überm Dennersgraben Spannendes – genauer: Entspannendes – anbahne, weil sich der Romschlössle-Rosengarten anschicke, über die Gartenmauer hinauszuwachsen.

Da wollten die beiden dann auch persönlich nachschauen, was sich da tue. Was sie antrafen, war eine schwebend heitere Festgesellschaft, der Rosenkönigin Sarina und die Rosenprinzessinnen Katharina und Pauline hoheitlichen Glanz, Flötenspielerin Petra Bender und die drei kleinen Sängerinnen Charlotte, Eda und Johanna musikalischen Reiz und ein halbes Dutzend Künstlerinnen den Charakter einer Open-Air-Vernissage verliehen.

Schon der Romschlösslegarten sei für Creglingen ein wunderbares Aushängeschild und eine einzigartige Insel der Ruhe für Einheimische wie Touristen, lobte Karl Haag, Stellvertreter von Bürgermeister Uwe Hehn, der aus Termingründen nicht persönlich an der Einweihung des Pfades teilnehmen konnte. Sehr gern sei er gekommen, und nur zu gut erinnere er sich noch daran, wie der Garten aussah, ehe sich die Gartenfreunde des Areals angenommen hatte.

An der Gestaltung des neuen „Pfades der Sinne“ beteiligte sich die Kommune mit Unterstützung durch den Bauhof und Farbspenden, Privatleute spendeten die Eichenbretter, um die baulichen Elemente kümmerten sich Willi Hain, Saverio Laxi, Gerd Patzke und Otto Vetter. Rund 50 Mitfeiernde stellten die Stelen-Malerinnen Evelyn Gillig, Claudia Kellenbenz, Monika Menikheim, Regina Roth, Ursula Tzschichholz und Lorelei Zahn ihre vom Trio der Rosenhoheiten enthüllten Werke vor. Feine Stückchen mit Sinnsprüchen sind da entstanden, mit Blüten, Vögeln, schwebenden Gestalten komponierte Nachdenkstelen.

„Unkraut nennt man die Pflanzen, deren Vorzüge noch nicht erkannt worden sind“, ist etwa auf einer Überleitungstafel zum Zwinger zu lesen. Der Weisheit von Ralph Emerson hat Evelyn Gillig Löwenzahn und Pusteblume beigesellt. Regina Roth ergänzte die Aussage „Es gibt Augenblicke, in denen eine Rose wichtiger ist als ein Stück Brot“ mit fein gestalteten Rosenblüten. Dass eine Frau ohne Geheimnisse wie eine Blume ohne Duft sei, setzte Claudia Kellenbenz mit schwebend-tänzelnder Frauengestalt gekonnt in Szene.

„Unser Leben ist ein Garten, in dem unsere Gedanken die Blumen sind“, ergänzt eine von Ursula Tzschichholz mit fein ziselierter Wildrosenranke verzierte Stele. Dass „ein einfacher Zweig einem Vogel lieber ist als ein goldener Käfig“, gibt Lorelei Zahn Betrachtern zu bedenken, und Monika Menikheim hält es mit Mark Twain und seiner Aufforderung „Gib jedem Tag die Chance, der schönste deines Lebens zu werden.“

Eine putzmuntere Vogelschar und von Schmetterlingen umschwärmter Sommerflieder ergänzen die klugen Sätze.

Die wetterfest gestalteten bebilderten Weisheiten entlang der inneren Zwingermauer sind noch bis November zu bewundern, ehe sie bis Ostern zum „Winterschlaf“ eingelagert werden. Auch die Dornröschenbank im durch den Stadtvogt zum „Dornröschenturm“ umgetauften alten Befestigungswerk wird nach der Winterpause wieder zu ruhigen Momenten einladen. Dann dürften sich auch bereits die beiden ebenfalls von den Gartenfreunden gestifteten Rambler-Rosen – eine in rot, eine in weiß – anschicken, vom Dornröschenturm herunter zu ranken. ibra