Creglingen

Armes Creglingen

Archivartikel

Arno Boas über die Finanzsituation der Stadt Creglingen

In Creglingen drückt überall der Schuh. Das weit verzweigte Feldwegenetz ist über die Maßen beansprucht, viele Straßen-Stützmauern haben schon bessere Zeiten erlebt, Friedhofsmauern sind in Schieflage geraten. Wird irgendwo ein Loch gestopft, tun sich woanders zwei neue auf. Regieren macht da wenig Spaß, denn Verwaltung und Gemeinderat werden von Sachzwängen beherrscht.

Um die heutige Situation zu verstehen, muss man knapp 50 Jahre zurück. Damals, bei der Gemeindereform im Jahr 1972, wurden zwölf arme Bräute mit einem ebenso mittellosen Bräutigam vermählt. Seitdem leben die 13 quasi in einem gemeinsamen „Armenhaus“. Denn dass 13 arme Schlucker keinen finanzstarken Riesen ergeben, wird am Beispiel der Stadt Creglingen besonders krass deutlich.

Klar, der Staat sparte damals viel Geld, indem er die Verwaltungsstrukturen verschlankte. Das Gesamtgebilde Creglingen aber leidet heute noch darunter, dass am Reißbrett eine Gemeinde mit 117 Quadratkilometern Fläche geschaffen wurde – mit jetzt nur noch 4964 Einwohnern. Das sind 40 Menschen pro Quadratkilometer. Nur Niederstetten ist ähnlich dünn besiedelt (46). Weikersheim (91) und Igersheim (132) dagegen weisen ganz andere Zahlen auf.

Bürgermeister Uwe Hehn fordert seit längerem vehement eine Flächenkomponente bei den Landeszuschüssen. Der Wunsch ist nachvollziehbar – aber politisch vermutlich kaum durchzusetzen, weil schlicht die Lobby fehlt. Wie egal der Landesregierung ihr nordöstlichster Zipfel ist, lässt sich auch daran ablesen, dass sich womöglich weder ein Minister noch ein Staatssekretär beim Jubiläums-Pferdemarkt im Februar blicken lassen wird. Armes Creglingen.