Buchen

AWN-Tagung in Buchen Vortrag befasste sich mit Schadstoffen und deren Entsorgung

Zweifelsfreier Nachweis nötig

Archivartikel

Buchen.Was im Neuzustand kaum Sorgenfalten aufwirft, bringt viele Jahre später Probleme in viel größerer Hinsicht mit sich: Die Entsorgung und Beseitigung belasteter und umweltfeindlicher Stoffe ist ein ernstes Thema. Darüber sprach am Donnerstag im Tagungsraum der AWN Buchen Thomas Gambke. Das Gespräch war von Landrat Dr. Achim Brötel und AWN-Geschäftsführer Dr. Michael Ginter sowie Michael Windmeißer als Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft initiiert worden.

Zwölf Deponien im Landkreis

Nachdem Windmeißer auch die Obermeister Mathias Müller und Jörg Heizmann begrüßte, dankte er Ginter für die Möglichkeit eines solchen Forums. „Wir haben in der Vergangenheit häufiger über fachgerechte Entsorgungsmöglichkeiten debattiert, wobei gewisse Fragen offengeblieben sind“, begründete er dessen Notwendigkeit. Ginter verwies auf „Rahmenbedingungen, die nicht alles zulassen“, und stelle in einem kurzen Ausriss die KWiN vor. „Der Neckar-Odenwald-Kreis zog sich aus der operativen Leistungserbringung zurück. Einzig der Satzungsbeschluss obliegt nach wie vor dem Kreistag“, erklärte er. Die KWiN übernahm dabei die Aufgabenbereiche des Kreises und der AWN: Organisatorische, aber auch steuerliche Vorteile führten zur Neuorganisation des Systems. Die Entsorgung von Bodenaushub werde an zwölf Deponien im Kreisgebiet ermöglicht und verstehe sich als Pflichtaufgabe des Landkreises. Als Herzstück des Nachmittags verstand sich der Vortrag von Thomas Gambke, der in vier Abschnitten über Schadstoffe und deren Entsorgung referierte. Eingangs ließ er wissen, dass sich Schadstoffe und vor allem Asbest „in nahezu jedem Haus“ wieder finden. Vor allem Fugen, Spachtelmassen oder Fliesenkleber, Abstandshalter oder älteren Cushion-Vinyl-Bodenbeläge seien „typische Asbeststellen“. Eine Definition für asbestfreien Abfall gebe es jedoch nicht. „Sobald ein geringer Bestandteil Asbest nachgewiesen wird, ist das Produkt kontaminiert“, betonte Gambke. Sansenhecken verfüge über einen gesonderten Asbestbereich, auch um langjährige Entsorgungssicherheit zu gewährleisten. „Hier gehen wir von den nächsten zwei bis drei Jahrzehnten aus“, bilanzierte er und schilderte, dass die AWN maßgeblich an der neuen Deponiekonzeption für Baden-Württemberg mitarbeite.

Mit Blick auf den Südwesten gebe es durchaus einige „Versorgungslücken“, weswegen man im Neckar-Odenwald-Kreis gut aufgestellt sei. „Sansenhecken ist der letzte genehmigte Standort nach DK-II-Klassifizierung im Land“, hob Gambke hervor. Auch weil Neuansiedlungen nicht zuletzt durch meist vehemente Widerstände der Anrainer eher unwahrscheinlich seien, solle man „bestehende Standorte so lange und gut wie möglich nutzen“. Dabei sind in Sansenhecken nur mineralische Abfälle ohne Organik anzuliefern. Auch gefährliche Abfälle oder Schadstoffe seien abzutrennen und separat oder entsprechend verpackt anzuliefern. Mindestens zwei Analysen nach Vorgaben der Deponieverordnung seien im Zweifelsfall vor Anlieferungen ebenso durchzuführen. „Der Gang mit Eimer und Schaufel ist so nicht mehr zulässig“, stellte er klar und hielt fest, dass Asbestfasern bereits beim Einatmen krebserregend seien. Erst ab Prägestempel 1994 gelte eine Dacheindeckung mit Faserzement als asbestfrei, wobei Mischeindrucke, unterschiedliche Produktchargen, Teilsanierungen oder nicht mehr zu entziffernde Produktkennzeichnungen manches erschweren. „Asbestfreiheit muss zweifelsfrei, etwa über Baudokumentationspapiere oder Gutachten von Bausachverständigen, nachgewiesen werden“, betonte Gambke.

Zunehmender Problemfall

Der einst so gern verwendete Werkstoff erweise sich zunehmend als Problemfall. „Sobald ein Abfallprodukt Asbest enthält, darf es Sortier- und Behandlungsanlagen nicht mehr zugeführt werden – selbst wenn der Faseranteil rechnerisch unter 0,1 Prozent liegt“, mahnte er. Solche Abfälle können nicht ordnungsgemäß entsorgt werden und sind daher zu beseitigen. Künftig werde man aufgrund der verschärften Regularien mit größerem Aufwand und Augenmaß operieren müssen und auch den selektiven Rückbau zugunsten der Entsorgungssicherheit weiter ins Auge fassen müssen, so Gambke abschließend. ad

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