Buchen

Zu Besuch bei der Metzgerei Herkert Minister Peter Hauk lässt sich die Situation der Betriebe aus der Fleischerinnung schildern

„Wir müssen die Fehler der Industriebetriebe ausbaden“

Archivartikel

Buchen.Im Rahmen seiner Gesprächstour mit den Bäckern und Metzgern machte Landwirtschaftsminister Peter Hauk dieser Tage auch bei der Metzgerei Herkert in Buchen Station.

Alleinstellungsmerkmal

Ralf Herkert, Obermeister der Fleischerinnung Neckar-Odenwald, zeigte dem Politiker im Rahmen eines Rundgangs den Ablauf in seinem Betrieb. Mit dem Standort des Schlachthauses in Altheim schlachtet die Metzgerei wöchentlich noch selbst Schweine und Rinder. „Leider wird dies immer mehr zum Alleinstellungsmerkmal, da zahlreiche Metzger die hauseigene Schlachtung aufgrund zu hoher Anforderungen aufgeben“, so der Obermeister. Am Standort in Buchen wird das Fleisch zerlegt und zu Wurst verarbeitet. „Bei allen Verarbeitungsschritten liegt der Fokus auf Regionalität und Tierwohl“, so Herkert.

Peter Hauk betonte, dass das Fleischerhandwerk in den vergangenen Jahren durch Vorfällen in vereinzelten Großschlachtereien, bei denen es um massive Tierschutzverstöße ging, in die Schlagzeilen geraten sei – zum Leidwesen der kleinen und mittelständischen Betriebe. „In kleinen Metzgereibetrieben besteht eine engere Bindung zum Tier und dann zum Fleisch. Es ist weniger Hektik und Eile geboten. Auch das wirkt sich auf die Tiere und am Ende auf den Schlachtvorgang aus und das schmeckt man auch. Die Produkte vom regionalen Metzger sind ihr Geld wert, das soll auch jeder Konsument bedenken. Und wer mehr Tierschutz will, der muss am Ende regional zu gerechtfertigten Preisen kaufen,“ so der Minister.

Enger Zusammenhalt

Neben der Metzgerei betreibt die Familie Herkert auch einen umfassenden Cateringservice. Alle Familienmitglieder sind im Betrieb beschäftigt. So wird Inhaber Ralf Herkert von seiner Frau Carmen in der Küche und im Büro unterstützt. Mutter Christa ist im Bereich Küche und im Laden in Buchen tätig, Vater Willi Herkert führt die Zerlegung. Sein Bruder Markus leitet die Wurstproduktion und Schwester Heike führt die Filiale in Altheim. Außerdem wir in Seckach das Lebensmittelgeschäft „Nahkauf“ mit Fleisch- und Wurstwaren beliefert. Mit dem Imbiss- und Kühlanhänger-Verleih, werden Firmen- und Vereinsfeste durchgeführt. „Der Betrieb lebt von dem engen Familienzusammenhalt und profitiert von engagierten Mitarbeitern“, so Herkert im Gespräch mit dem Minister.

Der Obermeister nutzte den Besuch auch dazu, Hauk einige Sorgen und Nöte seiner Kollegen im Landkreis mit auf den Weg zu geben. Beispielsweise kämpfen die Betriebe, die noch selbst schlachten, mit neuen Bestimmungen wie der Anschaffung neuer Betäubungszangen mit USB-Aufzeichnung. „Wir Handwerksmetzger müssen die Fehler der Industriebetriebe ausbaden. Uns geht es nicht um Massenabfertigung, nicht um Akkordarbeit, bei uns geht es um Qualität“, so Herkert.

Weiter schildert der Obermeister dem Minister die Pflicht zur Neuanschaffung von neuen Kassenwaagensystemen. Solche Neuregelungen bedeuten schnell hohe fünfstellige Investitionssummen, von denen der Kunde leider keine Qualitätsverbesserung spüre. Für Hauk sind solche Forderungen Hürden, die den Familienbetrieben in den Weg gestellt werden und auf Dauer verständlicherweise den Metzgern den Spaß am Handwerk nehmen. Hauk kündigte an, seine Ministerkollegen auf diesen Sachverhalt aufmerksam zu machen.

Abschließend dankte Ralf Herkert dem Minister für den Einsatz zum Erhalt der Berufsschulklassen, in den Berufszweigen im Bäcker- und Metzgerhandwerk. Damit habe man eine wichtige Institution im Landkreis erhalten, die auch in Zukunft eine handwerkliche Ausbildung in diesen Fachgebieten ermögliche. „Jetzt gilt es diese Möglichkeit zu nutzen und weiter um Nachwuchs zu werben“, betonte Herkert.

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