Buchen

Intensivstation, Impfen, Krankenhausorganisation und Wundheilung Über 100 Teilnehmer besuchten jeweils die achte „Kinderhochschule Medizin“

Wichtige Themen altersgerecht vermittelt

Buchen.Trotz ungewöhnlichem Termin am Ferienende und somit unmittelbar vor Schulbeginn versammelten sich jeweils über 100 Kinder im Alter von 8 bis 12 Jahren zu den beiden Vorlesungstagen der „Kinderhochschule Medizin“ in der Stadthalle Buchen – viele davon zum wiederholten Mal.

Privatdozent Dr. Harald Genzwürker, Ärztlicher Direktor der Neckar-Odenwald-Kliniken und Organisator der Kinderhochschule, begrüßte die jungen „Studierenden“ und zeigte sich sehr angetan von deren großem Interesse. „Ich freue mich jedes Jahr auf diese Veranstaltungen – und natürlich auch darüber, dass es uns immer wieder gelingt, wichtige medizinische Themen altersgerecht zu vermitteln.“ Interessierte Eltern, Großeltern und andere Verwandte konnten die Vorlesungen an beiden Veranstaltungsorten wieder per Live-Übertragung verfolgen, damit sie anschließend auch auf demselben Kenntnisstand sind wie der Nachwuchs.

„Medizin auf dem Raumschiff“

Den Auftakt machte Genzwürker als Intensivmediziner selbst und zeigte in seinem Vortrag „Medizin auf dem Raumschiff“ einige Parallelen zwischen der Internationalen Raumstation ISS und einer Intensivstation auf: Die Versorgung mit Sauerstoff, Flüssigkeit und Nahrung, aber auch der Umgang mit Ausscheidungen stellen in beiden Bereichen aus unterschiedlichen Gründen besondere Herausforderungen dar. Normalerweise bleiben die Türen der Intensivstation gerade für Kinder verschlossen, aber anhand einiger Bilder gab es Einblicke in diesen besonderen Bereich der Kliniken, in dem oft schwerkranke Menschen behandelt werden.

Ein Beispiel für die Ähnlichkeiten zur Raumfahrt war die „Astronautennahrung“, mit der Patienten die notwendigen Nährstoffe entweder über eine spezielle Sonde oder über die Blutbahn erhalten. Selbstverständlich gab es wie bei allen Vorträgen einige interessierte Nachfragen und zum Abschluss betonte Genzwürker, dass bei aller eingesetzter Technik die Menschen, die auf den Intensivstationen arbeiten, am wichtigsten für die erfolgreiche Behandlung seien – Ärzte, aber ganz besonders speziell geschulte Pflegekräfte.

Ein ganz aktuelles Thema griff Dr. Susanne Fischer vom Gesundheitsamt des Neckar-Odenwald-Kreises auf: „Nur ein kleiner Pieks … – wie man sich mit Impfungen schützt“ bot den jungen Studierenden eine Vielzahl von Informationen rund um Infektionen und deren Übertragung, aber eben auch zur Vermeidung. Neben der Herstellung von Impfstoffen, den Impfempfehlungen und dem Impfpass ging sie auch auf das Thema „Herdenschutz“ ein. Der Masernerreger „Masi“ verbreitete sich bei einem Spiel mit rasender Geschwindigkeit in der ganzen Stadthalle; bei der zweiten Runde wurden dann aber einige Kinder zu geimpften „Spielverderbern“ und der Erreger kam nicht besonders weit. Ergänzt wurden die Ausführungen um zwei Filmbeiträge aus der Kindernachrichtensendung Logo zum Impfen allgemein und zur geplanten Impfpflicht.

Ausflug in die Geschichte

Der zweite Tag begann mit dem Vortrag „Wie funktioniert ein Krankenhaus?“, den wiederum Genzwürker als Ärztlicher Direktor übernahm. Zunächst gab es einen kleinen Ausflug in die Geschichte, vom Asklepios-Heiligtum im alten Griechenland vor 2500 Jahren über das „Valetudinarium“ für römische Legionäre, erste Lehrkrankenhäuser in Persien im 11. Jahrhundert und den Spitälern in Europa im Mittelalter bis in die Neuzeit ging die Reise. Neben den Berufsgruppen, die an der medizinischen Versorgung der Patienten von der Ambulanz über die Stationen bis in den OP, im Röntgen und Labor bis zur Physiotherapie mitwirken, wurden auch die vielen weiteren wichtigen Mitarbeiter von der Technik über den Reinigungsdienst, das Lagerwesen und die Bettenzentrale bis zur Küche vorgestellt. „Alle tragen dazu bei, dass ein Krankenhaus funktioniert und sind in ihrer Funktion wichtig für die erfolgreiche Behandlung der Patienten“, so Genzwürker. Besonders interessant fanden viele Zuhörer das große Notstromaggregat im Keller der Klinik, das bei Stromausfällen den Weiterbetrieb der teils lebenswichtigen technischen Geräte sicherstellt.

Andrea Mader, Wundexpertin am Standort Buchen der Kliniken, konnte dann viele Informationen rund ums Thema „Wie heilen Wunden?“ liefern. Nach einer Verletzung leistet der Körper viel, damit von der Wunde (fast) nichts übrig bleibt. Narben konnten aber die meisten Kinder ebenso wie die Referentin vorweisen. Ganz praktische Tipps gab es zum richtigen Umgang mit Verletzungen und Pflastern, von denen sich alle zum Schluss noch welche mitnehmen durften. Zuvor fasste allerdings ein Film mit Christoph aus der „Sendung mit der Maus“ die wichtigsten Abläufe der Wundheilung nochmals zusammen. „Das Interesse und die Begeisterungsfähigkeit sowie die tollen Fragen unserer Nachwuchsstudenten sind jedes Jahr großartig“, zog Genzwürker ein Resümee der achten Kinderhochschule Medizin. Die Termine für 2020 stehen bereits fest und finden wieder an den gewohnten Terminen zu Ferienbeginn statt: Am 30. und 31. Juli laden die Mediziner der Kliniken am Vormittag in der Stadthalle Buchen und am Nachmittag im Ärztehaus Mosbach zu den Vorlesungen ein. „Die genauen Themen geben wir rechtzeitig bekannt“, verspricht Genzwürker. Informationen zur Notfallmedizin, zum Magen-Darm-Trakt und zu Operationen sind geplant.

Die erhobenen Eintrittsgelder oder vielmehr Spendenbeiträge kommen in vollem Umfang dem Ambulanten Kinderhospizdienst Neckar-Odenwald-Kreis zugute, der sich wieder über eine Gesamtspende von 1000 Euro aus Buchen und Mosbach freuen konnte. Eine Ferienaktion für Kinder unterstützt damit andere schwerkranke Kinder und deren Familien.

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