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Brotprüfung 100 Backwaren von acht Bäckereien getestet / „Garanten für die tägliche Nahversorgung im ländlichen Raum“

Wertschätzung für Regionalität

Archivartikel

Neckar-Odenwald-Kreis.Wenn es die Gesellschaft auch nicht flächendeckend ist – das Lebensmittelhandwerk ist gerüstet. „Versorgungsengpässe wird es nicht zuletzt dank prall gefüllter Getreidesilos nicht geben“, ließ Innungsobermeister Peter Schlär (Mudau) am Mittwoch bei der heuer etwas anders abgehaltenen Brotprüfung am Buchener Bäko-Standort wissen. Die Urkunden werden jedoch aus Sicherheitsgründen zum späteren Zeitpunkt überreicht.

Gold- und Silberauszeichnungen

Insgesamt wurden heuer dennoch wieder über 100 Backwaren der Bäckereien Zuckerbeck (Hainstadt), Englert (Dallau), Leiblein (Walldürn), Mayer (Neckarelz), Münkel (Schloßau), Müssig (Walldürn), Schlär (Mudau) und Seitz (Gerichtstetten) angeliefert. „Die Brotqualität in unserem Kreis ist hervorragend mit außergewöhnlich hochstehenden Ergebnissen“, bilanzierte Schlär aufgrund der hohen Anzahl vergebener Gold- und Silberauszeichnungen.

Gleichermaßen könne jener ausgezeichnete Qualitätsstandard als idealer Indikator für ein „Umdenken beim Verbraucher“ gelten. „Gerade in der aktuellen Situation zeigt es sich wieder, wie deutsche Betriebe oftmals von außereuropäischen Ländern in Fernost oder Übersee abhängig sind – und das sind wir Handwerksbäcker nicht“, stellte er klar und hielt fest, dass Aufbackteiglinge aus fernen Ländern ebenso wie exotische Gewürzwaren nicht benötigt werden. „Wir Handwerksbäcker stehen für kurze Lieferwege, ausgewählte Rohstoffe und die Extra-Portion Regionalität“, schilderte er und bezeichnete die Bäcker vor Ort als „Garanten für die tägliche Nahversorgung im ländlichen Raum“, die auch unter den derzeitigen Umständen ohne Weiteres aufrecht erhalten werden könne.

Auf die Situation eingestellt

Wohl bedinge der Corona-Notstand gewisse Vorsorgemaßnahmen: So werden derzeit keine Cafés oder Sitzmöglichkeiten angeboten und lediglich „Coffee To Go“-Becher ausgeschenkt und auch maximal zwei bis drei Kunden mit Sicherheitsabstand zum Vordermann im Ladengeschäft bedient, während mit Handschuhen gearbeitet wird und der Hygieneaspekt eine größere Rolle als ohnehin spielt. Doch müsse sich niemand in Sorge oder gar Ängsten üben.

Das stellte auch Bundestagsabgeordneter Alois Gerig in den Mittelpunkt seiner Rede. Der CDU-Politiker gratulierte auch zu den herausragenden Ergebnissen der Brotprüfung und lobte die Bäcker, bezog sich aber ebenfalls auf die gegenwärtige Ausnahmesituation. „Sie bringt viel Verantwortung mit sich, um das Corona-Virus im Zaum halten zu können“, erklärte Gerig und bezeichnete verschärfte Maßnahmen aller Art als notwendigen Schritt, um das deutsche Gesundheitssystem nicht an den Rand des Möglichen zu bringen.

Dennoch führe die Pandemie der Gesellschaft vor Augen, dass man die Wertschätzung zu Lebensmitteln verloren und sich nun umso mehr an den Handwerksbäcker „um die Ecke“ zu halten habe. Auch er wandte sich mit eindeutigen Worten an die Verbraucher. „Die Grundversorgung der Deutschen wird nicht zuletzt durch flächendeckende Landwirtschaft, die Bäcker und die regionalen Metzger gewährleistet“, betonte er und riet auch explizit von Hamsterkäufen ab. „Wenn gehortete Lebensmittel ihr Verfallsdatum überschreiten oder wegen Nichtgebrauch entsorgt werden, ist das nicht mit dem Credo der allgemein propagierten Nachhaltigkeit zu vertreten“, zeigte er auf.

Möglicherweise sei das eine oder andere sehr exotische Genussmittel vorübergehend nicht verfügbar, doch könne man diese Situation auch zur eigenen Besinnung auf das Wesentliche nutzen und die Globalisierung überdenken. „Wir müssen uns in Geduld üben – aber auch die Corona-Welle wird ihren Zenit erreichen und überschreiten“, ließ er die Verbraucher wissen und animierte dazu, nur seriösen Nachrichtenquellen Beachtung zu schenken. „In sozialen Medien kursieren derzeit auch bezogen auf die Region Odenwald-Tauber zahlreiche so obskure wie falsche Dinge, mit denen Menschen verunsichert und verängstigt werden“, betonte der Politiker.

Buchens Bürgermeister Roland Burger verwies auf das sukzessive Einkehren einer gewissen Routine im Umgang mit den neuen Gegebenheiten. „Man muss Erfahrungen sammeln, bis die Hochphase überwunden sein wird. Aber wir werden sie in absehbarer Zeit überwinden, wenn wir an einem Strang ziehen und etwa nicht zwingend nötige soziale Kontakte überdenken“, hob er hervor. Die kurzen Lieferketten regional aufgestellter Bäcker propagierte Michael Windmeißer als Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Neckar-Odenwald-Kreis, während Peter Schlär und Siegfried Brenneis Hamsterkäufe auch als Sicht der Bäcker als „unbegründet“ bezeichneten. „Wenn wir uns jetzt besonnen verhalten, überstehen wir auch das“, erklärten sie. ad

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