Buchen

Film- und Gesprächsabend Regina Köhler informierte beim katholischen Frauenbund Buchen über Positionen von Verbänden zur aktuellen Reformbewegung

„Weiter das gesteckte Ziel verfolgen“

Unter dem Motto „Maria, schweige nicht“ hat der Katholische Frauenbund Buchen einen Film- und Gesprächsabend veranstaltet. Er wurde auch zur Diskussion genutzt.

Buchen. Die Katholische Kirche steckt in Zeiten des Umbruchs. Priestermangel, Missbrauchsskandal, eine überkommene Sexualmoral, vermehrte Kirchenaustritte und mangelnde Gleichberechtigung beim Zugang für Frauen zu den Weiheämtern rufen nach Veränderung. Die Diskussion ist voll im Gang. Und so veranstaltete der Katholische Frauenbund Buchen einen Film- und Gesprächsabend unter dem Motto „Maria, schweige nicht“, zu dem die Vorsitzende Ingrid Weinmann ein interessiertes Publikum willkommen hieß.

Der Frauenbund greift damit das Anliegen der freien Frauen-Initiative „Maria 2.0“ auf und weist so auf die Forderung nach einer zukunftsfähigen, geschwisterlichen und glaubwürdigen Kirche hin. Gleichberechtigung zwischen Frauen und Männern, Priestern und Laien, eine partnerschaftliche Kirche und der Zugang aller Getauften und Gefirmten zu Sakramenten und Ämtern sind die Ziele.

Außerdem wird der Abbau klerikaler Machtstrukturen gefordert, um weiteren Missbrauch zu verhindern. Nicht zuletzt geht es um eine Sexualmoral, die die Lebenswirklichkeit von Menschen achtet.

In der Frauenbund-Initiative „Maria, schweige nicht“ sprächen Frauen über notwendige Veränderungen in der Kirche und stärkten sich gegenseitig, wie Regina Köhler vermittelte. Im Donnerstagsgebet werde für die Erneuerung der Kirche gebetet. Das Tragen eines weißen Accessoires im Gottesdienst symbolisiere die Taufgnade, die sowohl Frauen als auch Männern verliehen sei.

Die Referentin für Frauenpastoral brachte im Wimpinasaal vor rund 50 Frauen und wenigen Männern etwas Ordnung in die verschiedenen Initiativen von katholischen Frauen, denen an der Kirche und an der Verkündigung der frohen Botschaft gelegen ist.

Positionen erläutert

Köhler erläuterte nicht nur die Positionen des Frauenbundes, sondern auch die der Frauengemeinschaften (kfd) mit ihren Aktionen „Macht Licht an!“ und „Frauen, worauf wartet ihr?“, in der es um eine geschlechtergerechte Kirche geht. Sie verwies gleichzeitig auf den Schweizer Frauenbund, der seine Aktion „Gleichberechtigung.Punkt.Amen“ nenne. Allerdings gebe es nicht nur fortschrittliche Tendenzen, sondern auch konservative Kreise unter dem Namen „Maria 1.0“, die keine Aktualisierung der Frauenrolle in der Kirche wollten, sondern am jetzigen Status Quo festhalten möchten, so Köhler. Die Frauen sollten sich mit den Forderungen ihres jeweiligen Verbandes auseinandersetzen und sich selbst fragen: „Kann ich da mitgehen?“

Gespannt verfolgten die Besucher den Film „Jesus und die verschwundenen Frauen“. Er machte deutlich, wie Frauen, die Jesus nachfolgten, aufgrund einer männerzentrierten Sprache fast völlig aus den Evangelien verschwanden – und auch später im Bewusstsein des frühen Christentums nicht mehr präsent waren.

Maria Magdalena, die Jesus nahe stand, wichtigste Zeugin bei dessen Kreuzigung und seine erste Apostelin war, wurde später als Sünderin dargestellt. Auch Lydia, welche als erste Christin in Europa getauft wurde, taucht in den Schriften kaum mehr auf. Ähnlich erging es Phöbe aus Kenchreä, die im Dienst der Verkündigung der frohen Botschaft tätig war.

Apostelin Junia ist rehabilitiert

Inzwischen rehabilitiert ist die Apostelin Junia, die deshalb aus den Büchern genommen wurde, weil man ihren Namen in die männliche Form umwandelte. Dank der Forschung einer Amerikanerin ist Junia seit 2016 wieder anerkannte Verkünderin des Gotteswortes.

In der anschließenden Diskussion war viel Frust zu spüren. Von einer kritisch eingestellten Katholikin wurde gefordert, lautstark zu bleiben, damit die Frauen der Kirche nicht gänzlich davonliefen. Zurückhaltung seitens der Frauen sei fehl am Platz, denn es gebe hochbegabte Theologinnen, die sich nur zu gern einbringen würden. Bedauert wurde, dass momentan nichts vorangehe.

„Wir laufen gegen eine Wand“, war von anderer Seite zu hören. Angeprangert wurden das Machtgehabe der Katholischen Kirche sowie die patriarchalischen Strukturen. Dass Klagen und Jammern allein nicht die Lösung sein könne, machte Regina Köhler deutlich. Sie rief dazu auf, neue Ideen zu entwickeln, solidarisch zu sein und weiter das gesteckte Ziel zu verfolgen. Dekan Johannes Balbach betonte, dass man die nötige Akzeptanz in der Kirche und der Gesellschaft brauche.

Am Ende des informativen Abends ermunterte Regina Köhler die Frauen, sich argumentativ zu positionieren mit dem Beispiel: Eine Frau als Priesterin? – Warum nicht? Denn deutlich wurde im Saal, dass viele Frauen keine schweigende Dienerinnenschar mehr sein wollen.

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