Buchen

Seit 1973 „Schwarze Hochhäuser“ prägen das Stadtbild von Buchen / Hermann Schmerbeck wohnt dort seit 23 Jahren

Wahl der Farbe sorgte für Diskussionen

Buchen.Vor 50 Jahren erteilte der damalige Gemeinderat dem Investor die Baugenehmigung für die schwarzen Hochhäuser in der Heinrich-Lauer-Straße. Hermann Schmerbeck wohnt dort seit 23 Jahren.

In den 1960-er Jahren herrschte große Wohnungsnot. Neue Baugebiete für Einfamilienhäuser entstanden in vielen Städten. In Baden errichtete die „Gemeinnützige Badische Wohnungs- und Siedlungsgesellschaft“ Mehrfamilienhäuser, die sogenannten „schwarzen Hochhäuser“. Dort, wo sich heute das Wohnbaugebiet entlang der Heinrich-Lauer-Straße erstreckt, befand sich damals unbebaute Fläche. Das Kreiskrankenhaus am Ende der heutigen Dr.-Konrad-Adenauer-Straße wurde im Jahr 1968 fertiggestellt. Wilhelm Braun war Bürgermeister der Kreisstadt.

Über die Entscheidung des Gemeinderats zum Bau der schwarzen Hochhäuser findet man nur wenige Informationen in den Gemeinderatsprotokollen. Wie sich Ehrenbürger und Alt-Bürgermeister Josef Frank erinnert, erhielten die Räte damals von der Verwaltung keine Sitzungsunterlagen. In den Beschlussprotokollen werden die Hochhäuser als „Punkthäuser“ bezeichnet.

Bei den Beratungen aus dem Jahr 1969 geht es zunächst um den Standort der drei Gebäude. Diskutiert wurde darüber, diese in Richtung Waldrand zu errichten, um den Blick auf das entstehende Wohngebiet nicht zu verdecken. Letztlich entschied man sich für den heutigen Standort unter anderem deswegen, weil man den künftigen Bewohnern nicht einen zu weiten Weg in die Innenstadt zumuten wollte.

Auseinandersetzungen im Rat

Die damaligen Stadträte Karl-Heinz Friedmann und Josef Frank erinnern sich an die Auseinandersetzungen im Rat um die Farbe der Gebäude. „Das war eine Mordsdiskussion“, sagt Frank. „Das war ein heißes Eisen“, merkt Friedmann an. Schließlich erteilte der Rat die Baugenehmigung für das Vorhaben am 9. November 1970.

Im städtischen Archiv befinden sich Fotos vom ersten symbolischen Spatenstich. Allerdings gab der damalige Stadtbaumeister Heinz Kolitsch nicht das Datum an. Die aktuelle Hausverwaltung aus Mosbach nennt als Fertigstellungsjahr der Häuser das Jahr 1973. Aus der „Gemeinnützigen Badischen Wohnungs- und Siedlungsgesellschaft“ war zu diesem Zeitpunkt die Landesentwicklungsgesellschaft aus Stuttgart geworden. 90 Wohnungen befinden sich in den drei Hochhäusern. Nach den Worten von Frank, damals Bürgermeister der Stadt Buchen, standen diese um das Jahr 1990 herum zur Hälfte leer. Die einzelnen Wohnungen wurden verkauft. Wie Frank erläuterte, meldeten sich aus der Region wenige Kaufinteressenten, und das, obwohl der Quadratmeterpreis bei nur 700 D-Mark lag. Käufer aus dem Großraum Stuttgart hätten mindestens 50 bis 60 der 90 Wohnungen erworben. Als Spätaussiedler aus Russland nach Buchen zogen, seien die Wohnungen sofort belegt gewesen. Auch der Vermieter von Hermann Schmerbeck kommt aus dem Stuttgarter Raum. Seit 23 Jahren wohnt der 87-Jährige in einer Wohnung im Haus Nummer 1 im zweiten Stockwerk. Er fühlt sich dort wohl.

Als er sich im Jahr 1997 für die 83 Quadratmeter große Dreieinhalb-Zimmer-Wohnung entschied, spielte es für ihn eine große Rolle, dass er ein von seinem Vater geerbtes Wandregal aufstellen konnte.

Schmerbeck ist Sohn des früheren Buchener Bürgermeisters und Landrats des Landkreises Buchen, Franz Xaver Schmerbeck. Er verbrachte seine Jugend in Buchen. Es verschlug ihn beruflich nach Norddeutschland, in die Nähe von Oldenburg am Jadebusen.

Als Schmerbeck in den Ruhestand wechselte, stand für ihn fest: „Da oben möchte ich nicht beerdigt sein.“ Und so zog er mit seiner Frau in seine alte Heimatstadt. Die Wohnung in der Heinrich-Lauer-Straße bezeichnet er als seinen Zweitwohnsitz.

„Hier im Haus ist es sehr ruhig“, stellt Schmerbeck fest. Fünf bis sechs Kinder im Vorschulalter wohnten hier, Berufstätige, Rentner, auch junge Leute. Die meisten Bewohner des Hauses seien 35 bis 60 Jahre alt.

Schmerbeck ist vermutlich der älteste Bewohner des Hauses und neben einigen anderen derjenige, der am längsten hier wohnt. Von einer ausgeprägten Hausgemeinschaft kann Schmerbeck nicht berichten. Er pflegt einen näheren Kontakt zu seiner Nachbarin und zu drei weiteren Bewohnern beziehungsweise Familien.

Wenn man sich im Haus trifft, wünscht man sich freundlich „Guten Tag“. Zu jeder Wohnung gehöre ein Park- oder ein Garagenplatz. „Das mit den Parkplätzen ist nicht gut gelöst“, meint er. Denn viele Haushalte verfügten über mehr als ein Fahrzeug.

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