Buchen

Serie über Heimatvereine in Buchen (Teil 2) Bezirksmuseum verfügt über umfangreiche Sammlungen und kümmert sich in der Kernstadt um Bildstöcke und Denkmäler

Viel Detailarbeit bei den Mammutaufgaben

Sammeln, bewahren, vermitteln: Der Verein Bezirksmuseum widmet sich der Geschichte von Buchen. Um diese zu bewahren, ist viel Engagement gefragt.

Buchen. Der Verein Bezirksmuseum unterhält zwei Ausstellungshäuser und verfügt über umfangreiche Sammlungen an Skizzen, Gemälden, Möbeln und historischen Gegenständen. Außerdem kümmert er sich im Bereich der Kernstadt um Bildstöcke und Flurdenkmäler.

Wolfgang Hauck, Vorsitzender des Vereins Bezirksmuseum, sichtete am vergangenen Mittwochnachmittag gemeinsam mit Dieter Steigleder Skizzen und kleine Ölgemälde des Schlachtenmalers Wilhelm Emelé. Das Bezirksmuseum verfügt nicht nur über ein monumentales Ölgemälde des in Buchen geborenen Künstlers, das im Steinernen Bau ausgestellt wird. In Schränken im Belz‘schen Haus lagern auch 280 Emelé-Skizzen. Diese bildeten die Grundlage für seine großen Schlachtengemälde. „Seine großen Werke hat Emelé aus Motiven seiner Skizzen zusammengesetzt“, erläutert Steigleder.

Restaurierung von Skizzen

Damit die Skizzen im Laufe der Jahre nicht verfallen, ließ der Verein einen Teil von ihnen für 25 000 Euro restaurieren. „Wir haben jedoch noch viel mehr zu restaurieren“, sagt Wolfgang Hauck. „Das sind bedeutende Schätze. Die müssen aufbereitet werden, damit sie erhalten bleiben.“

Auch der Bestand an Werken des jüdischen Künstlers Ludwig Schwerin ist beachtlich. Kistenweise sind diese in den Räumen des Vereins eingelagert. „Wir dürften den größten Bestand an Arbeiten Schwerins außerhalb Israels besitzen“, vermutet Steigleder. Außerdem sind zahlreiche Gemälde des Buchener Malers und Heimatforschers Karl Tschamber noch nicht aufbereitet und inventarisiert worden.

Eine weitere Mammutaufgabe stellt für den Verein das Archiv des Fotografen Karl Weiss dar. Wie Hauck erläuterte, habe man bisher 1000 fotografische Glasplatten reinigen und konservieren lassen. Für rund 9000 weitere steht diese aufwendige Maßnahme noch aus.

Vorbereitung seit zwei Jahren

Jeden Mittwoch von 16 bis 19 Uhr treffen sich Mitglieder des Vereins, um Ausstellungen vorzubereiten oder Sammelstücke zu sichten und zu kategorisieren. Doch diese drei Stunden pro Woche allein reichen für diese Arbeit nicht aus. Auch an anderen Tagen wird stundenlang gesichtet, analysiert, gebastelt und gebaut. Zum Beispiel im Trunzerhaus: Seit über zwei Jahren bereitet der Verein dort die Ausstellung „Sakrale Volkskunst“ vor. Handwerklich und technisch versierte Mitglieder des Vereins installieren Beleuchtungsanlagen, fertigen Modelle und bringen Aufhängevorrichtungen an. „Ich bin froh, dass wir schon so weit sind“, sagt Hauck. „Das ist viel Detailarbeit.“ Neben religiösen Figuren werde man den Besuchern auch reich verzierte Wallfahrtsfahnen, Messgewänder und Kruzifixe zeigen. Wann man die Ausstellung eröffnen könne, sei noch ungewiss.

Zusammenarbeit mit dem BGB

Um den Nachwuchs an die Museumsarbeit heranzuführen, arbeitet der Verein mit einer Museums-Arbeitsgemeinschaft des Burghardt-Gymnasiums Buchen zusammen. Die Schüler widmen sich dem Thema „Buchen im Mittelalter“. Sie steuern Hintergrundwissen zu dem Thema bei. Der Verein ließ zwei Neidbalken aus der Region konservieren und stellte diese in einem Ausstellungsraum im Trunzerhaus auf.

„Sammeln, bewahren, vermitteln“: Das sind nach den Worten von Wolfgang Hauck die Hauptaufgaben seines Museumsvereins. Angesichts des „riesigen Sammlungsbestands“ des Bezirksmuseum konzentriert man sich auf das Bewahren und vor allem das Vermitteln von Heimatgeschichte. So habe man in den vergangenen 15 Jahren die Ausstellungen intensiv überarbeitet. Als „Museum auf der Grenze“ vermittle man die Unterschiede zwischen Odenwald und Bauland. „Der Odenwald ist aus der Wüste entstanden, das Bauland aus dem Meer“, erläutert Hauck. „Wir bringen die kulturellen Eigenschaften unserer Vorfahren in Verbindung mit den geologischen Voraussetzungen.“ Außerdem widme sich das Museum bedeutenden Persönlichkeiten aus Buchen und der römischen Geschichte unserer Region.

„In 15 Jahren haben wir 150 000 Euro für Restaurierungen aufgewendet“, sagt Wolfgang Hauck. Der Umsatz des Vereins habe in diesem Zeitraum rund eine Million Euro betragen. Auch um den Erhalt der Bildstöcke und Kleindenkmäler auf der Gemarkung der Kernstadt kümmert sich der Verein gemeinsam mit dem Denkmalamt und der Stadtverwaltung. So hat man im Jahr 2011 das spätbarocke Kruzifix am Joseph-Martin-Kraus-Platz vor dem Verfall gerettet. Das Hochkreuz stammt aus dem Jahr 1798. „Dieses von Stein ausgehauene Creutz hat Frantz Reiseman hisiger Bürger Gott zu Ehren von Johannes Lang hieselbst verfertigen lassen“, heißt es in einer Inschrift. Nach Angaben des Vereins Bezirksmuseum wurde Franz Walter Reisemann vermutlich am 16. März 1723 in Buchen geboren, war mit Maria Berres verheiratet und übte das Metzgerhandwerk aus. Er starb am 2. Januar 1801. Der Künstler Johannes Lang wurde am 14. März 1764 in Buchen geboren, war mit Susanna Lemp verheiratet und starb am 7. November 1805.

400 Mitglieder

Der Verein Bezirksmuseum wurde am 13. Februar 1911 auf Anregung von Karl Trunzer gegründet. Ihm traten 167 Mitglieder bei. Heute zählt der Verein rund 400 Mitglieder, darunter 24 aktive.

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