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Badische Landesbühne Nach abgebrochener Saison wird hoffnungsvoll in die Zukunft geblickt / Pläne für 2020/21 vorgelegt

Theaterbetrieb coronakonform gestalten

Nachdem die Spielzeit 2019/20 aufgrund der Corona-Pandemie frühzeitig beendet werden musste, blickt die Badische Landesbühne nun hoffnungsvoll in die Zukunft und legt ihre Pläne für 2020/21 vor.

Neckar-Odenwald-Kreis. In diesem Jahr erfolgt die Spielplanvorstellung den Umständen entsprechend allerdings ohne die übliche Pressekonferenz. Das geplante Programm wird in den nächsten Tagen ausführlich auf der Homepage des Theaters und in den sozialen Netzwerken vorgestellt – in der Hoffnung, dem Publikum zumindest eine Perspektive zu geben und Vorfreude zu wecken.

Die Abonnenten der BLB erhalten den neuen Spielplan mit einem Brief, in dem auch die verschiedenen Möglichkeiten der Rückerstattung von Karten für abgesagte Vorstellungen aufgeführt werden. Karten, die im freien Verkauf erworben wurden, können gegen Karten für andere Vorstellungen oder gegen Gutscheine getauscht oder aber gegen die volle Erstattung der Kaufpreise zurückgegeben werden. Natürlich freut sich die BLB in diesen finanziell schwierigen Zeiten auch über Spenden.

„Das Herunterfahren des gesellschaftlichen Lebens hat für uns alle spürbar gemacht, wie lebensnotwendig sozialer Kontakt und die ästhetische Auseinandersetzung mit der Welt in den Freiräumen der Kunst sind. Wir entwickeln zurzeit Konzepte, wie wir unseren Theaterbetrieb coronakonform gestalten können und geben alles dafür, dass wir ab Herbst endlich wieder für unser Publikum spielen können“, so Intendant Carsten Ramm.

Das Motto für die neue Saison lautet „nicht wahr?“. Fragen nach dem Verhältnis von Wahrheit und Lüge treiben die Menschen seit jeher um, werden in der durchdigitalisierten Welt aber immer dringlicher. An ihnen entzünden sich – mal tragisch, mal komisch – die Konflikte der Stücke, welche die BLB für die neue Spielzeit geplant hat.

Eröffnet werden soll sie mit Henrik Ibsens modernem Klassiker „Ein Volksfeind“, in dem aufgrund eines Umweltskandals Wahrheit und Profit aufeinanderprallen. Ein packender Politthriller, der angesichts der heutigen Klimadiskussionen das Stück der Stunde ist.

Bissige Abrechnung

Mit der Tragikomödie „Die zweite Frau“ zeigt die BLB zum zweiten Mal ein Stück der Erfolgsautorin Nino Haratischwili. Die bissige Abrechnung mit dem alten Europa, mit Selbsttäuschungen und weiblichen Rollenbildern wird Evelyn Nagel inszenieren. Anhand eines Familiendramas erzählt Hans-Ulrich Treichel in „Der Verlorene“ von Schuld und Scham in der jungen BRD. Carsten Ramm bringt die Erzählung, die in Baden-Württemberg ab dem Abitur 2021 Sternchenthema im Leistungs-fach Deutsch ist, als eindringliches Monologstück auf die Bühne.

In der Verwechslungskomödie „Halbe Wahrheiten“ von Alan Ayckbourn jagt eine Notlüge die andere. Zwei Männer und zwei Frauen verstricken sich in ein aberwitziges Geflecht aus Lüge und Wahrheit. „Unser Mann in Havanna“ ist eine Parodie auf herkömmliche Agententhriller, die Ramm mit vier Schauspielern in über 30 Rollen und kubanischer Musik inszenieren wird. Der in Havanna lebende Staubsaugerverkäufer Wormold wird vom Britischen Geheimdienst angeheuert. Aus Geldsorgen nimmt er das Angebot an. Er erfindet brisante Informationen und ein ganzes Agentennetz, doch die Kontrolle über seine Erfindungen droht ihm aus den Händen zu gleiten.

Ein sinnliches Theatererlebnis mit Live-Musik verspricht auch Arne Retzlaffs Inszenierung von Heinrich Manns weltberühmtem Roman „Professor Unrat“ zu werden. Der verknöcherte Gymnasiallehrer Raat erliegt dem Charme der Tänzerin Rosa Fröhlich. Er wirft alle gesellschaftlichen Konventionen über Bord und wird zum Amokläufer gegen das System.

David Bowie war einer der schillerndsten Musiker der Pop-Geschichte, der sich immer wieder neu erfand. Alexander Schilling entwickelt unter dem Titel „Loving the Alien“ ein musikalisch-szenisches Kaleidoskop, in dem sich die unzähligen Facetten von Bowie und seiner Musik spiegeln, brechen und neu zusammensetzen.

Als Freilichttheater zum Ende der Saison plant die BLB, Carlo Goldonis Volksstück „Krach in Chiozza“ zu zeigen. Die Bewohner des italienischen Fischerdorfs geraten sich lauthals in die Haare: Es geht ums Hei-raten.

Auch Joerg Bitterich, der Leiter der jungen BLB, hat für die neue Spielzeit große Pläne. Um kriminalistische Wahrheitssuche geht es in Astrid Lindgrens Kinderbuch-klassiker „Meisterdetektiv Kalle Blomquist“, den Meike Hedderich für Klein und Groß inszenieren wird. In Kleinköping ist nichts los, bis eines Abends ein un-bekannter Fremder auftaucht und sich höchst verdächtig verhält. Die Stunde des Nachwuchsdetektivs Kalle ist gekommen. Zusammen mit seinen Freunden begibt er sich auf ein spannendes Abenteuer.

Preisgekröntes Stück

Mit allen Mitteln versucht Anna, die Protagonistin von Esther Beckers preisgekröntem Stück „Das Leben ist ein Wunschkonzert“, den Schein einer glücklichen Familie aufrechtzuerhalten. Doch als ihr Haustier, die Schnecke Sascha Uli Chris, verschwindet, schafft sie das nicht länger und sucht sich Hilfe. Robert Neumann wird das ebenso direkte wie leichtfüßige Stück zum Thema Alkoholismus in der Familie für Menschen ab 8 Jahren inszenieren.

Als Sommerstück für die ganze Familie bringt die junge BLB „Rodrigo Raubein und Knirps, sein Knappe“ auf die Freilichtbühne. Als Michael Ende starb, hinterließ er drei Kapitel eines neuen Kinderbuches. Wieland Freund hat daraus einen hinreißenden Märchenroman übers Lügen, Angsthaben und über die Kraft des Erzählens geschrieben.

Die junge BLB nimmt zudem mehrere Inszenierungen der letzten Spielzeit wieder auf. Darunter der Publikumsrenner „Räuber Hotzenplotz und die Mondrakete“, „Sonnenstrahl im Kopfsalat“, „Himmel und Hände“ und das Klimaprojekt „What on Earth ?!“.

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